Germersheim
Obdachlose bekommen mehr als nur eine warme Mahlzeit
Derzeit werden die Möbel in den blauen Containern in der Hafenstraße aufgebaut und Restarbeiten erledigt. Dann sollen dort 16 Obdachlose einziehen, sagt Modjtaba Ghazaei. Er ist in Auftrag des DRK Kreisverbandes Germersheim die Anlaufstelle für Obdachlose und Asylanten in der Stadt Germersheim. Geplant ist außerdem, für die Bewohner der Obdachloseneinrichtungen eine Tagesbegegnungsstätte einzurichten.
Das DRK ist seit Juli 2021 für die sozialpädagogische Betreuung der Obdachlosen in Germersheim verantwortlich – in enger Kooperation mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Ziel ist, den betreuten Menschen eine Re-Integration zu ermöglichen, sie dabei zu unterstützen, Wohnung und Arbeit zu finden und ihr Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Die Unterbringung von Obdachlosen und Asylanten ist Kernaufgabe der Stadt. Durch den Vertrag mit dem DRK sorgt sie auch für die fachliche Betreuung der Menschen.
Aktuell rund 120 Obdachlose
Ein Teil der aktuell rund 120 Obdachlosen wohnt in der bisherigen Unterkunft am Alten Hafen, in der ehemaligen Polizeiinspektion Königstraße, im einstigen Schwesternhaus in Sondernheim und demnächst auch zu jeweils zwei Personen in den Containern, die mit Gemeinschaftsbad und Gemeinschaftsküche ausgestattet sind. Schwerpunktmäßig wird dieser Personenkreis von dem Sozialpädagogen Ghazaei betreut. Da auch geflüchtete Menschen zu dem Klientel gehören, kommen Ghazaei sowohl seine Sprachkenntnisse als auch seine Erfahrung in der DRK-Einrichtung für unbegleitete minderjährige Asylanten zu Gute.
Obdachlosigkeit sei nicht immer selbst verschuldet, ist der Tenor in der Gesprächsrunde mit der RHEINPFALZ. Mitunter sei ein sozialer Abstieg – Arbeitslosigkeit, Verlust der Wohnung und der sozialen Kontakte, innerfamiliäre Konflikte – Ursache, teilweise auch Sucht oder psychische Probleme. Hinzu kommen geflüchtete Menschen und Personen, die ihre Wohnung zum Beispiel durch einen Brand verloren haben, wie es aktuell in Sondernheim geschehen ist. Für diese Familien miete man oft Wohnungen im Stadtgebiet an, sagt Sabrina Schlawjinski, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung.
Unterkunft, Essen, medizinische Versorgung
Doch gebe es auch die „Aussteiger und Totalverweigerer“, die die seitens der Stadt und dem DRK „ausgestreckte Hand“ nicht ergreifen wollen. Wer jedoch nach dieser ausgestreckten Hand greift, erhält – künftig auch in der Tagesbetreuung - neben dem Lebensnotwendigen (Unterkunft, Essen, Medizinische Versorgung) auch Hilfe bei der Wohnungs- oder Jobsuche, bei Behördenkontakten, bei der Lösung sozialer Probleme und mehr.
Ghazaei habe „Ruhe in die Situation gebracht“ sagt Bürgermeister Schaile und bezeichnet den Sozialpädagogen als „Papa für alles“, was Ghazaei nickend bestätigt. Er sei erster Ansprechpartner für alle Obdachlosen in der Stadt, wenn es ein Problem gibt oder Unterstützung benötigt wird. Es sei ihm gelungen, Vertrauen zu den Betreuten aufzubauen. „Wenn Vertrauen da ist, ist vieles möglich“, sagt er. So habe er vier Menschen eine Wohnung besorgen und fünf Menschen eine Arbeit vermitteln können.
Ein geregelter Tagesablauf
Die Unterkunft in den Containern soll an Werktagen von 9 bis 17 Uhr geschlossen werden. „Wir wollen die Menschen an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen“ sagt Ghazaei. Tagsüber besteht dann die Möglichkeit, die geplante Tagesbetreuung aufzusuchen. Auch ein Mittagessen wird dort – gegen geringes Entgelt – angeboten. Es soll ein zentraler Treffpunkt entstehen, mit zwei Computern, W-Lan, Sprechstunde vor Ort. Das Konzept könne je nach Bedarf weiterentwickelt werden. Das Team in der Tagesstätte wird um eine Hauswirtschaftskraft und einen weiteren Betreuer auf 450 Euro Basis erweitert.
Aktuell ist Germersheim die erste Stadt im Kreis, die einen derartigen Betreuungsvertrag hat. „Das kostet im Moment zwar Geld, kann langfristig aber auch Geld sparen“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Böttcher und verweist auf die Personen, die den Weg zurück in die Gesellschaft finden. Böttcher kann sich vorstellen, einen ähnlichen Vertrag noch anderweitig im Landkreis zu etablieren.
Ganz aktuell bereitet man sich seitens der Stadt und des DRK vor Ort auf die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine vor. Auch diese werden dann zunächst in der Obdachlosenstatistik der Stadt auftauchen.
Kontakt
Modjtaba Ghazaei, Telefon 0157 58239701 oder E-Mail: m.ghazaei@drk-kv-germersheim.de