Kreis Germersheim
Nur eine Notaufnahme: So funktioniert die Versorgung im Notfall
Anfang März teilten die Südpfalzkliniken mit, dass die Abteilung für Innere Medizin von der Asklepiosklinik Germersheim in die Asklepiosklinik Kandel umzieht. Damit ist seit 1. April die Notfallversorgung im Landkreis komplett an der Kandeler Klinik angesiedelt. Diese Meldung hatte im Kreis durchaus für Verunsicherung gesorgt. Unter anderem hatten die Freien Wähler die Frage aufgeworfen, ob damit noch gewährleistet ist, dass die Patienten im Notfall schnellstmöglich versorgt werden.
Was ist mit Herzinfarkt und Schlaganfall?
Zeitkritische Notfälle wie Herzinfarkte und Schlaganfälle würden schon lange ausschließlich in Kandel behandelt, erläutert Daniel Schäfer, Oberarzt in der Kandeler Notaufnahme, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dort sei das Team auch mit Neurologen des Städtischen Klinikums Karlsruhe vernetzt. Diese werden über ein sogenanntes teleneurologisches Konzil in die Diagnostik eingebunden, erläutert Schäfer. Konkret bedeutet das, dass die Mediziner in Karlsruhe zeitgleich alle Befunde sehen und so schnell von Fall zu Fall entschieden wird, ob der Schlaganfall in Kandel behandelt werden kann, oder ob es notwendig ist, dass der Patient nach Karlsruhe verlegt wird. Im großen Klinikum stehen noch weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Schon seit geraumer Zeit wurden also nur noch bestimmte Notfälle nach Germersheim gebracht – Patienten mit gastroenterologischen Beschwerden. Dabei handelte es sich zum Beispiel um Lungenentzündungen, Fälle von Austrocknung, Blutzuckerentgleisungen oder Alkoholvergiftungen, erläutert Schäfer.
Welche Häuser werden wie oft angefahren?
Für die Patienten gebe es dadurch, dass die Notfallversorgung jetzt ausschließlich in Kandel stattfinde, keine Nachteile. Welches Krankenhaus ein Rettungswagen anfährt, hängt sowieso davon ab, welches Haus gerade Kapazitäten frei hat.
„Wenn wir die Möglichkeit haben, einen Patienten aus dem nördlichen Landkreis nach Speyer zu bringen, dann bringen wir ihn da hin“, sagt Schäfer.
Den Überblick hat die Integrierte Leitstelle Landau, die für den gesamten Rettungsdienstbereich Südpfalz, also die Landkreise Germersheim, Südliche Weinstraße und Südwestpfalz sowie die kreisfreien Städte Landau in der Pfalz, Pirmasens und Zweibrücken zuständig ist. „Sie übernimmt die Notrufabfrage, Disposition und Einsatzlenkung für 460.000 Bürgerinnen und Bürger in der Region“, erläutert eine Sprecherin der Rettungsdienstbehörde, die in der Kreisverwaltung Südwestpfalz angesiedelt ist.
Weniger Patienten angeliefert
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass schon 2024 deutlich weniger Rettungswagen nach Germersheim fuhren: 2024 lieferte der Rettungsdienst 729 Patienten nach medizinischen Notfällen ins Krankenhaus Germersheim ein und 6406 Patienten ins Krankenhaus Kandel. 2025 erfolgten bis Anfang April 175 Transporte nach Germersheim und 2377 nach Kandel, heißt es auf Nachfrage.
Außerdem gingen sogenannte Notfalltransporte aus dem Kreis Germersheim in umliegende Kliniken: nach Speyer fuhr der Rettungswagen im Jahr 2024 991 Mal, im Jahr 2025 waren es bis Anfang April 299 Fahrten. Nach Landau wurden 849 (2024), beziehungsweise 173 (bislang 2025) gebracht. Über den Rhein nach Karlsruhe ging es für 609 Patienten (2024), im Jahr 2025 waren es bislang 174. Krankenfahrten wurden in diese Statistik nicht eingerechnet.
Zwei Notarzt-Standorte im Kreis
Außerdem sind die Krankenhäuser gemäß Rettungsdienstgesetz verpflichtet, Notärzte zur Verfügung zu stellen. Im Landkreis Germersheim gibt es Notarzt-Standorte in Germersheim und Kandel. „Der in Germersheim stationierte Notarzt hatte im vergangenen Jahr 551 Einsatzfahrten, beim in Kandel stationierten Notarzt waren es 2128“, teilt die Rettungsdienstbehörde mit.
Allerdings scheint es zwischen den Akteuren durchaus etwas zu knirschen: „Die Rettungsdienstbehörde wurde von den Asklepios-Südpfalzkliniken bislang nicht über geplante oder vorgenommene Änderungen an den Klinikstandorten Germersheim oder Kandel informiert“, heißt es von der Kreisverwaltung Südwestpfalz auf Anfrage der RHEINPFALZ. Dies sei mitnichten der Fall, entgegnet der Geschäftsführer der Südpfalzkliniken, Frank Lambert. Im sogenannten „Zentralen Landesweiten Bettenkapazitätsnachweis (ZLB)“ werde der Standort Germersheim nicht mehr für die Akutversorgung oder für die Notaufnahme geführt. Man erlebe einen „reibungslosen Prozess seit der Umstellung“. Im Übrigen liege eine Empfangsbestätigung des Klinik-Schreibens an die Rettungsdienstbehörde vor, so Lambert.