Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Notenvergabe am Heimarbeitsplatz hakt manchmal

Schüler und Lehrer arbeiten am Computer in der Schule und zuhause. Dort können nun auch Noten eingegeben werden – von den Lehrer
Schüler und Lehrer arbeiten am Computer in der Schule und zuhause. Dort können nun auch Noten eingegeben werden – von den Lehrern.

Ausgerechnet kurz vor der Vergabe der Halbjahreszeugnisse streikt das Programm zur Noteneingabe. Die neue Software soll den Alltag der Lehrer erleichtern, doch manche bringt sie zum Verzweifeln. Aber nicht alle – trotz allem.

„Wegen zahlreicher Zugriffe läuft aktuell nichts. Die Pleiten, Pech und Pannen gehen nach ’BigBlueButton’ einfach weiter“, klagte ein Lehrer gegenüber der RHEINPFALZ. Nachdem das für den Fern- und Wechselunterricht genutzte Videokonferenz-Programm aufgrund der Last der vielen Zugriffe häufig zusammenbrach, seien nun, vor der Zeugnisausgabe, auch die Server für das Noteneingabe-Programm überlastet. Mit dem landesweiten Programm „Noten Eingabe Online“ (NEO) soll den Lehrkräften ermöglicht werden, sicher und bequem auch von zuhause aus, die Noten ihrer Schüler einzutragen.

„Bei starker Nutzung der Noteneingabe waren die Server nicht immer erreichbar“, bestätigt Heide Peris von der IGS Kandel einen „hakeligen Auftakt“ mit dem Noteneingabeprogramm. „Dieses Mal hat sich das aber gebessert. Wir sind inzwischen sehr zufrieden.“ Im Kollegium werde NEO als Möglichkeit „Arbeitszeit nach Hause zu verlagern“ stark genutzt. Ohne das Programm hätten die Lehrkräfte immer einen freien Rechner in der Schule. „Das hieß auch, dass Lehrer länger in der Schule bleiben müssen“, sagt Peris. Die an NEO teilnehmenden Lehrkräfte hätten nun die Möglichkeit flexibler zu arbeiten. Gerade für Religionslehrer mit vielen Klassen sei das Programm eine große Erleichterung.

Programm wird getestet

Auch in der IGS Kandel habe es allerdings Probleme mit der Synchronisierung gegeben. „Die Eingaben wurden teilweise nicht mit dem Schulserver synchronisiert und nur auf dem zentralen Server gespeichert, auf den wir in der Schule keinen Zugriff haben.“ Die Lehrkräfte hätten beim Eingeben das Problem aber nicht wahrnehmen können. „Man hat dann erst in der Schule gemerkt, dass die Daten gar nicht angekommen sind.“ Die Noten hätten dann vor Ort nochmal eingegeben werden müssen. „Die doppelte Arbeit ist natürlich ärgerlich. Gerade in dem Moment, wenn der Zeitdruck durch die Notenvergabe am höchsten ist“, sagt Peris. Vor dem Halbjahreszeugnis jetzt seien die Probleme aber deutlich geringer. „Das ist bei neuen Programmen ja immer so. Kinderkrankheiten müssen erstmal ausgemerzt werden.“

„Die Erfahrungen sind gut, wir sind sehr zufrieden“, zieht auch Nicole Fichtenkamm von der Richard-von-Weizsäcker-Realschule in Germersheim ein positives Fazit der NEO-Nutzung. Nach den Abschlusszeugnissen im Sommer sei es bereits im zweiten Durchgang im Einsatz. „Ja, der Server hakt natürlich manchmal, dann muss man später nochmal ran. Das kann aber auch an der Verbindung im Wohnort liegen, aus dem man zugreift“, sagt Fichtenkamm. Insgesamt habe das Programm „mehr Vor- als Nachteile“, so dass fast alle Lehrkräfte der Schule das Angebot der Noteneingabe von Zuhause nutzen würden.

Nicht alle Schulen nutzen NEO

Doch längst nicht alle Schulen in der Region nutzen das Angebot der Noteneingabe von Zuhause. In den Realschulen Bellheim, Kandel und in der Geschwister-Scholl-Realschule in Germersheim werde NEO nicht genutzt, teilten die Schulleiter mit. Auch das Europa-Gymnasium in Wörth verzichtet auf das Programm. „Wir machen noch alles vor Ort“, sagt der Schulleiter Holger Hauptmann. „Weil wir von vielen Problemen gehört haben, haben wir das nicht gemacht. Als große Schule wären die Konsequenzen von Fehlern für uns sehr schwierig gewesen“, sagt er.

Dagegen wollte sich Peris von möglichen anfänglichen Problemen nicht entmutigen lassen. „NEO ist ja noch in der Beta-Version. Klar, dass es da Probleme gibt. Das weiß man auch als Beteiligte. Natürlich wünscht man sich das anders, finde so Sachen immer spannend und habe unsere Schule daher gleich 2019 dafür angemeldet.“ Auch wenn NEO eher zur Flexibilisierung als zur Digitalisierung des Schulalltags beitrage, sieht auch Fichtenkamm vor allem die positiven Seiten der technischen Entwicklung in den Schulen während der Pandemie. „Wir haben Riesenschritte gemacht. Gezwungenermaßen mussten wir große Schritten gehen. Das war auch ein Glück“, sagt sie.

Digitalisierung große Aufgabe

Auch Hauptmann betont die riesige Aufgabe, die die Digitalisierung und technische Entwicklung an den Schulen darstelle. „Das ist ein Riesen-Ding und nichts, was in wenigen Wochen zu lösen wäre. Es hat sich gleichwohl viel Positives getan, aber es gibt noch viel zu tun.“ Dabei ginge es nicht nur um finanzielle, sondern vor allem um personelle Ressourcen, meint er. „Vor über einem Jahr wurden die Mittel bereitgestellt, dass alle Lehrer digitale Endgeräte bekommen sollten. Die kamen jetzt gerade erst hier an“, nennt er ein Beispiel. In der nötigen Menge sei schon die Beschaffung eine Herausforderung. Doch es brauche auch die Infrastruktur wie Netzwerkkabel oder die Montage. „Wir haben hier schon große Bildschirme, die die Beamer in den Klassen ersetzen sollen. Durch die Engpässe am Bau konnten wir die aber noch nicht montieren lassen.“ Dies zeige, wie groß die Aufgabe ist. „Wir beschäftigen uns an der Schule unglaublich viel mit Digitalisierung, viel mehr als früher. Doch es nicht damit getan Gelder freizugeben. Man bekommt das nicht so schnell umgesetzt, wie sich das manche wünschen“, sagt der Schulleiter.

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