Kreis Germersheim Nolte trennt sich von einer Möbelfabrik
Die Germersheimer Nolte-Holding will sich von einem weiteren Teil der Gruppe trennen. Nach der Ankündigung im vergangenen Jahr, sich vom Spanplattenwerk in Germersheim trennen zu wollen, soll jetzt der Waldmohrer Mitnahmemöbelhersteller CS Schmal noch im ersten Halbjahr verkauft werden. Mit mehreren potenziellen Käufern sei gesprochen worden. Da aber nicht klar sei, wer zum Zuge kommt, könnten noch keine Angaben dazu gemacht werden, was der Verkauf für die rund 400 Mitarbeiter am Standort bedeutet. Der anstehende Verkauf stehe nicht in Verbindung mit der Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit bei CS Schmal, unterstrich ein Konzernsprecher. Vielmehr sei er einer Neuorientierung bei Nolte geschuldet: Die Germersheimer wollen sich auf das alte Kerngeschäft Küchen und Möbel – vor allem Schlafzimmermöbel – fokussieren. „Das hat nichts damit zu tun, dass es in Waldmohr schlecht gelaufen wäre“, sagte der Sprecher. „Ganz im Gegenteil.“ Die Neuausrichtung am Markt habe positive Resonanz hervorgerufen. Wie mehrfach berichtet, hatte sich CS Schmal vor drei Jahren neu aufgestellt, nachdem in der Saarpfalz seit 2011 rote Zahlen geschrieben worden waren. Diese Umstrukturierung hatte nicht nur das Produktportfolio und den Vertrieb betroffen: Die Mitarbeiterzahl war damals von 503 auf 420 reduziert worden. Zu Hochzeiten hatten mehr als 600 Menschen bei CS Schmal in Waldmohr gearbeitet. Für den nun anstehenden Verkauf seien schon im vergangenen Jahr eine Reihe von Adressaten kontaktiert worden. Dazu zählen sowohl strategische Investoren, also Unternehmen mit industriellem Hintergrund, als auch Finanzinvestoren. Was der Verkauf für die inzwischen rund 400 Mitarbeiter am Standort Waldmohr bedeutet, das lasse sich noch nicht abschätzen. „Dazu ist es noch zu früh“, sagte der Nolte-Sprecher. Das hänge vor allem davon ab, wer CS Schmal kaufe und welche Pläne dieser Käufer für die Gesellschaft habe. Zu den Interessenten machte er keine Angaben, es hieß lediglich: „Es läuft nach Zeitplan.“ Die Mitarbeiter seien – ebenso wie die Kunden und Lieferanten – in der vergangenen Woche vom anstehenden Verkauf informiert worden. Das seit 1971 in Waldmohr ansässige Unternehmen CS Schmal, einer der führenden Hersteller zerlegbarer Mitnahmemöbel, gehört seit 1995 zur Nolte-Gruppe. Der Trennwandhersteller Drum Systeme, der ebenfalls im Waldmohrer Gewerbegebiet angesiedelt ist und rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, ist seit 2001 Bestandteil der Germersheimer Holding. Er steht nach Angaben des Nolte-Sprechers aber nicht zum Verkauf. Für Peter Vollmar von der IG Metall Homburg-Saarpfalz kommt die Ankündigung aus Germersheim nicht überraschend. „Es sind schon seit längerer Zeit Beraterfirmen bei Schmal und auch bei Nolte unterwegs“, sagte er. „Hinzu kommt, dass die gesamte Möbelbranche Probleme hat.“ Die Gewerkschaft war in den vergangenen Jahren immer wieder intensiv mit dem Thema CS Schmal betraut, hatte sich zum Start der Neustrukturierung in einem zähen Verhandlungsmarathon mit der Geschäftsführung für den Erhalt von Arbeitsplätzen eingesetzt. 2015 hatten sich Gewerkschaft und Geschäftsführung gar auf die schrittweise Rückkehr auf das Niveau des Flächentarifvertrags geeinigt: Löhne und Gehälter sollen steigen, die Arbeitszeit sinken. Laut Peter Vollmar läuft der vor knapp einem Jahr abgeschlossene Tarifvertrag bis 2021. Ob er in der jetzigen Form Gültigkeit behalte, hänge von der Konstellation bei der Betriebsveräußerung ab. Vollmar: „Wir werden uns dann mit dem neuen Eigentümer auseinandersetzen“ – die nächsten Gespräche über die Entwicklung der Löhne und Gehälter seien ohnehin für Ende des laufenden Jahres vereinbart. Erste Auswirkungen des 2015 vereinbarten Tarifvertrags hätten die CS-Schmal-Mitarbeiter just dieser Tage auf ihrem Gehaltszettel wahrnehmen können: Zum 1. Januar 2016 war ein Anstieg um drei Prozent vereinbart worden. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Nolte Gruppe angekündigt, ihre Holzwerkstoffsparte verkaufen zu wollen. Rund 200 Mitarbeiter sind im Germersheimer Spanwerk beschäftigt. Die für die eigene Möbelproduktion benötigten Spanplatten will das Unternehmen eigenen Angaben zufolge weiter von dem Werk beziehen. (tmü/wim)