Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nolte Möbel in der Krise: Produktion läuft weiter

Nolte Möbel aus der Luft: Noch vor wenigen Jahren arbeiteten hier 900 Mitarbeiter. Der gesamte deutsche Möbelmarkt ist unter Dru
Nolte Möbel aus der Luft: Noch vor wenigen Jahren arbeiteten hier 900 Mitarbeiter. Der gesamte deutsche Möbelmarkt ist unter Druck.

Ende vergangenen Jahres musste das Germersheimer Traditionsunternehmen Nolte Möbel Insolvenz anmelden. Die Produktion geht in Kurzarbeit weiter. Die Möbel haben in den Augen der Kunden ein gutes Image.

Die Produktion von Schlafzimmermöbeln bei Möbel Nolte läuft weiter. „Wir sind in der Lage zu produzieren und auszuliefern“, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Nolte in Germersheim Mina Seiwert. Der Germersheimer Möbelhersteller hatte vor einem halben Jahr Insolvenz anmelden müssen. Die geringere Nachfrage nach Möbeln und interne Probleme hatten die Lage des 1955 gegründeten Traditionsunternehmens so verschärft, dass nur noch ein Insolvenzverfahren blieb. Der Mannheimer Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch ist seitdem als Insolvenzverwalter für die Zukunft von Möbel Nolte verantwortlich.

„Durch Optimierung und einige Umstrukturierung haben wir im Inneren einiges erreicht“, sagt Rauschenbusch. Möbel Nolte sei „von der Organisation ein gesundes Unternehmen.“ Dabei habe auch die Belegschaft sehr geholfen. Fast 400 Menschen arbeiteten zu Jahresbeginn bei Möbel Nolte. Inzwischen sind es weniger. Aufgrund der angespannten Auftragslage wurde die Vereinbarung zur Kurzarbeit jüngst noch einmal verlängert. Möbel Nolte steht damit in der derzeit schwächelnden Möbelindustrie nicht alleine. Der Umfang der Kurzarbeit richte sich nach der Auftragslage. „Das heißt mal eine Stunde früher gehen, wenn nichts auf dem Band ist oder auch mal ein ganzer Tag“, sagt Mina Seiwert. Die Wünsche der Beschäftigten würden dabei berücksichtigt. Einer Umfrage des Möbelindustrieverbandes hatten Anfang des Jahres bereits 40 Prozent aller deutschen Möbelhersteller Kurzarbeit angeordnet.

Bei Nolte wurde zudem im April gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall der Sanierungstarifvertrag verlängert. Bis Ende des Jahres müssen die Beschäftigten auf Sonderzahlungen verzichten. Sie profitierten aber trotzdem von der Tariferhöhung und Inflationsausgleichszahlungen, die Arbeitgeber und IG Metall für die Branche vereinbart haben, erklärt der Bevollmächtigte der IG Metall Harald Lange. Die Aufrechterhaltung des Betriebs sei wesentlich auf die „Sanierungsbeiträge unserer Belegschaft zurückzuführen“, erklärte Nolte bereits im Februar. „Wir arbeiten Hand in Hand mit der Belegschaft, um die Arbeitsplätze und den Betrieb weiterzuführen“, sagt Rauschenbusch.

Krise der Möbelindustrie

Die Möbelbranche leidet bundesweit. Durch Unsicherheit und Inflation schieben viele Menschen ihre Ausgaben für Möbel auf oder sie greifen auf Secondhandware zurück. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr im gesamten Möbeleinzelhandel und bei den Möbelherstellern zurückgegangen. Auch für das laufende Jahr rechnen die Unternehmen mit sinkenden Umsätzen. Branchenexperten rechnen erst für das Jahr 2026 mit einer Erholung des Marktes.

Die Schranke ist geöffnet. Die Arbeit bei Nolte Möbel geht in der Insolvenz weiter.
Die Schranke ist geöffnet. Die Arbeit bei Nolte Möbel geht in der Insolvenz weiter.

Nolte Möbel muss sich damit in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Neben Inflation, Lieferengpässen und anderen Folgen von Corona und Krieg hatte Nolte auch lange mit einem neuen IT-System zu kämpfen, das zu unvollständigen und verspäteten Lieferungen führte. Dabei hätten nach Angaben des Unternehmens alle Kunden zuletzt „ausnahmslos bestätigt, dass Nolte-Möbel-Produkte ein nicht ersetzbarer Bestandteil der platzierten Sortimente“ seien. Auch Rauschenbusch betont, dass den Nolte-Möbeln von den Kunden eine gute Qualität zugesprochen werde. „Nolte hat eine extrem niedrige Reklamationsquote und eine hohe Termintreue.“

Stabile Auftragslage wichtig

Auch der Gewerkschafter Lange bestätigt, dass nach seinen Informationen die Kunden zu Nolte stehen würden. „Der Markt ist schwierig, aber die Marktteilnehmenden wollen, dass es Nolte weiter gibt.“ Notwendig sei aber eine „stabile Auftragslage“ zu schaffen. Lange gibt sich dabei verhalten optimistisch. „Die Konsumlaune steigt zwar etwas, aber ob dann sofort Schlafzimmer gekauft werden, weiß ich auch nicht.“

Um alle Aufträge zurückzuholen und neue zu gewinnen, befinden sich Rauschenbusch und das Unternehmen derzeit in Gesprächen mit den großen Möbelverbänden. Traditionell ist die Möbelbranche mit vielen verschiedenen Einzelhandelsunternehmen vergleichsweise breit aufgestellt. Entsprechend langwierig gestaltet sich der Prozess. Dies gilt auch für die Suche nach einem Investor. Im Februar wurde über „aussichtsreiche Gespräche mit einem Investor“ berichtet.

Belegschaft deutlich reduziert

Die Nolte-Belegschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. 2019 arbeiteten noch 900 Menschen bei Nolte. Zum Zeitpunkt der Insolvenz waren es nach einem Sanierungsplan nur noch weniger als die Hälfte. Mit der Einstellung der Produktlinie Express Möbel nach der Insolvenz fand eine weitere „Anpassung der Personalstruktur“ statt. Einen weiteren personellen Abbau erwartet Lange aber nicht. „Die aktuellen Beschäftigten werden alle gebraucht, um überhaupt produzieren zu können.“ Vor dem Arbeitsgericht Landau klagen derzeit einige der gekündigten Mitarbeiter auf Weiterbeschäftigung. Einige gerichtliche Entscheidungen stehen noch aus.

Die verbliebene Belegschaft halte zusammen, sagt Mina Seiwert. „Wir sind alle zuversichtlich. Alle ziehen an einem Strang.“ In Mitarbeiterversammlungen werde regelmäßig über Neuigkeiten im Insolvenzverfahren berichtet. Die Betriebsrätin beschreibt die Stimmung unter den Kollegen so: „Wenn wir das nicht schaffen, wer dann.“

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