Kandel / Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Noch sind Intensivbetten in den Kliniken frei

In der Kandeler Klinik wurden vergangene Woche 9 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt.
In der Kandeler Klinik wurden vergangene Woche 9 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt.

Nicht überlastet, aber voller Respekt erwarten Ärzte und Pflegepersonal in den Südpfalzkliniken weitere Covid-19-Patienten über die Ostertage. Chefarzt Jörg Stypmann sieht dabei auch Defizite bei der Politik und hat eine Bitte an die Bevölkerung.

Die Zahlen klingen zunächst beruhigend: 17 Intensivbetten sind derzeit an den beiden Standorten der Südpfalzklinik in Germersheim und Kandel ausgewiesen, davon sind (Stand Mittwoch) 11 Betten belegt. Von diesen Patienten gelten wiederum 5 als reine Covid-19-Patienten und werden beatmet. „Das ist ein Wort“, sagt Jörg Stypmann, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie. Insgesamt wurden zu Beginn der Woche 7 Frauen und 7 Männer im Alter zwischen 54 und 98 wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in den beiden Kliniken behandelt. „Wir haben noch Reserven, aber wir haben auch die Feiertage vor dem Bug“, gibt Stypmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ zu bedenken. Vor Ostern rechne man noch mit einem Ansturm.

Auch in der Südpfalz stellen die Mediziner fest: Die neue Virusvariante wird schneller und leichter übertragen. Allerdings gebe es für ihn mit Blick auf die aktuelle Literatur keine Hinweise, dass das veränderte Virus auch tödlicher sei, sagt Stypmann.

Dennoch: Die Patienten kommen nun schneller als während der ersten und zweiten Infektionswelle auf die Intensivstation. Und belegen dort die Betten deutlich länger, als Patienten mit anderen Erkrankungen, erläutert Stypmann, „etwa 16 bis 18 Tage“. Die Bevölkerung müsse deshalb lernen, „dass wir dabei sind, aufzupassen, dass wir nicht überlaufen.“ Ganz klar sagt er: „Wir sind nicht überlastet. Aber wir haben Respekt.“ Wie viele Mediziner hätte auch Stypmann sich eine Verschärfung der Regeln gewünscht: „6 Wochen am Stück einen strengen Lockdown.“

Impfungen fehlen immer noch

Nach einem Jahr Arbeit an der Covid-19-Front sieht der Mediziner verschiedene Knackpunkte bei der Politik. Zum Beispiel hinsichtlich der Impfung des medizinischen Personals. Das Land hatte zunächst die großen Kliniken mit Impfstoff versorgt. Kleinere Häuser wie die Südpfalzkliniken kamen erst später an die Reihe und bekamen dann zu wenig Impfstoff. Für 800 Mitarbeiter habe es bisher nur 300 Impfdosen gegeben, sagt Stypmann. Viele Kollegen nutzten deshalb auch das Impfzentrum in Wörth.

Ein weiterer Kritikpunkt: der sogenannte Rettungsschirm. Im Frühjahr 2020 konnten Krankenhäuser dank der staatlichen Unterstützung Betten für Covid-19-Patienten frei halten. Doch dieser Rettungsschirm endete im Herbst. Die zweite Infektionswelle sorgte schon für volle Betten, als sich die Kliniken wieder neu bewerben mussten. Nach einer zunächst falschen Einstufung durch das Landesgesundheitsamt Mainz wurden Kandel und Germersheim wieder in das Förderprogramm aufgenommen. „Wo sind wir hier denn?“ fragt Stypmann hörbar genervt. Zudem müssten bis zu 80 Prozent der Gelder wieder zurückgezahlt werden, kritisiert er. In der Südpfalz stehe man zwar „noch ganz gut da“, doch es gebe durchaus kleine Häuser, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten.

Jeder Patient wird getestet

Dabei gibt es in der Pandemie schon genug Herausforderungen: Testen, testen, testen lautet schon seit Monaten die Strategie in den beiden Klinken. Jeder Patient, der neu aufgenommen wird, muss sich direkt einem Test unterziehen. „Das Gerät läuft rund um die Uhr“, sagt Stypmann mit Blick auf das sogenannte POCT (Point of Care)-Gerät, das die Klinik angeschafft hat. Es gebe zwar immer wieder einzelne Fälle auf einzelnen Abteilungen, zum Beispiel zwei Patienten Anfang Februar auf der Kardiologie. Einen Ausbruch habe man dank des Konzepts aber vermeiden können. Die Ansteckungen in der Klinik seien „nicht häufiger, als wenn ich einkaufen gehe“, sagt Stypmann. Patienten sollten etwaige Erkrankungen deshalb unbedingt behandeln lassen. Allerdings gibt es vor Ort weiter Einschränkungen: „Dass wir keinen Besuch reinlassen können, tut uns leid.“ Sprechstunden fänden weiter per Video statt. „Das ist manchmal eine schwierige Situation.“

Bis zu einer gewissen Normalität ist es also noch ein weiter Weg. Die Nachricht des Arztes, der jeden Tag Covid-19-Patienten behandelt, lautet deshalb: „Leute, ihr müsst euch gewisse Grundregeln einbleuen“, dazu gehörten auch das Tragen der Maske und das regelmäßige Händewaschen. „Hygiene ist ganz wichtig.“

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