Kreis Germersheim Nils berichtet: Eine halbe Bootslänge voraus
. „Schorlebuwe“, „Haischnecken“, „Frohsinn“ – Teams mit solchen Namen sollten eigentlich für Stimmung sorgen beim Kahnrennen am Sonntag auf dem Baggersee „Obere Altrheinwiesen“, zu dem der Wassersportclub (WSC) Neupotz Vereine, Gruppen und Freundeskreise eingeladen hatte. Die RHEINPFALZ schickte ihren Fachbiber für Wasser und Rudern, Nils Nager, als Berichterstatter. Umgeben von Schilfrohr und Weiden glitzert silbern der See. Bei weit über 30 Grad im Schatten schwitzen die Zuschauer. Ich fühle mich im Röhricht unter Wasser biberwohl. An den Tischen und auf Strandlaken sonnenbraune Menschen. Im Wasser spielen Kinder Volleyball. Jugendliche surfen. Ein Bub taucht fast wie ein Biber. Nach Bratwurst und Steak fällt die Wahl schwer: Käse-, Apfel- oder Zwetschgenkuchen? Dann kommt auch noch der Eismann! Die Zuschauer hauen rein, die Sportler trinken eine Apfelschorle, denn die Finalläufe stehen bevor! Schon die Vorläufe am Morgen waren spannend. Erstmals am Start war sogar ein Team aus Eritrea, trainiert von Emil Heid. Die Bestzeiten verbuchten jedoch die vier Frohsinn-Sänger mit 55 Sekunden und die Schorlebuwe gar mit 53 Sekunden. Jetzt treffen die beiden Teams im Finale aufeinander. Die Münze fällt auf Zahl: Frohsinn ins rote, Schorlebuwe ins blaue Kanu. Auch wenn alle schwimmen, legen die Kanuten ihre Schwimmwesten an. „Auf die Plätze, fertig, los!“ schreit Martin Colling ins Mikrofon. Tief stechen zweimal vier Paddeln ins Wasser. Aufpassen, nicht kentern! Hinter den Kanus türmen sich Wellen auf. An der Boje liegen die Schorletrinker vorne, doch die Sänger haben die Kurve raus und schaffen die Wende besser. Die Ruderer sind ganz schön nass. Auf dem Trockenen werden die Anfeuerungsrufe lauter. Schorle holt wieder auf. Noch wenige Meter. Alle sind gebannt. Das blaue Boot berührt Land: Ziel! Die Schorlebuwe Simon Kuhn, Fabian Kuhn, Christoph Gottwich und Moritz Bänder sind Dorfmeister! Für Michael Hauser vom Frohsinn kein Beinbruch: „Eine halbe Bootslänge ist wie ein halber Ton beim Singen.“ Es geht fair zu, man klatscht sich gegenseitig ab, wie schon nach dem Rennen um den dritten Platz, in dem die „Viktoria“ ihrem Namen alle Ehre macht und die „CDU“ knapp besiegt. Dabei wäre es beim Wendemanöver beinahe zur Kollision gekommen! „Acht Mann über Bord!“ hätte ich wirklich nur ungern gemeldet. Eng geht es auch im Finale der Damen zu. Etwas besser im Wasser liegt das Kanu der „Last Fast Heros“, das fünf Sekunden vor den „Neupotzer Määre“ Land erreicht. Tina Heid, Steffi Hauser, Astrid Messerschmidt und Silvia Kuhn feiern, aber alle kriegen Preisgelder und Sekt. Ein Schlauchboot der Feuerwehr fährt Patrouille. „Die helfen uns immer und sichern ab“, sagt Horst Burck, der Vorsitzende des Wassersportclubs der die Rennen schon seit dreißig Jahren veranstaltet, anfangs noch mit alten Fischernachen und Holzpaddeln. Der rührige Wassersportclub hat rund 220 Mitglieder. „Das sind 220 Familien, die in das Vereinsleben mit Kanufahren, Südpfalz-Regatta, Windsurfen oder einfach nur die Sonne genießen eingebunden sind“, stellt Burck fest. Menschen, Biber und Wasser – das passt! (wi)