Germersheim / Landau
Nierenzentrum erweitert sein medizinisches Angebot
Vor einem dreiviertel Jahr ist das Nierenzentrum Südpfalz von der Josef-Probst-Straße in Germersheim in die größeren und neuen Räume in der ehemaligen Apotheke Walch in der Königstraße umgezogen. Der Betrieb läuft. „Inzwischen sind die Dialyseplätze ausgelastet“, sagte der Ärztliche Leiter Florian Hack. 20 Dialyseplätze pro Schicht stünden in Zimmern mit mehreren Liegen und Betten zur Verfügung. Bei der überwiegend angewandten Nierenersatztherapie werde das Blut außerhalb des Körpers mittels eines Filters („künstliche Niere“) gereinigt. Das geschieht nach Hacks Angaben an drei Tagen pro Woche und dauert jeweils mindestens vier Stunden. Mit einer Schicht hat man nach Aussage des promovierten Facharztes für Innere Medizin im neuen Nierenzentrum begonnen, seit November 2024 arbeite man im Zweischichtbetrieb von 6.15 bis 18.30 Uhr.
Ein Teil der Patienten ist laut Hack von Landau nach Germersheim gewechselt, wo die B.-Braun-Gruppe eine weitere Betriebsstätte mit 43 Dialyseplätzen betreibt. Der dritte Standort des Via-Medis-Nierenzentrums Südpfalz in Kandel sei zum Jahreswechsel geschlossen worden. Dafür sei Germersheim ausgebaut worden. Aber auch mit nur zwei Standorten könne die Versorgung der Dialysepatienten in der Region zukünftig sichergestellt werden.
Ambulanz-Sprechstunde
Die beim Einzug in die neuen Räume in Germersheim angekündigte Ambulanz-Sprechstunde ist laut Hack Mitte Dezember gestartet. Anfangs nur an einem Tag. Jetzt bietet man jeden Tag, an dem auch die Dialyse betrieben wird (montags, mittwochs und freitags), die Sprechstunde in dem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an. Diese habe es zuvor nur in der Hauptstelle in Landau gegeben.
Für manche Patienten sei der Weg nach Germersheim kürzer, andere kämen hierher, wenn vorzeitig ein Termin frei ist. Laut Hack kommen die Ambulanzpatienten überwiegend aus dem Landkreis Germersheim, zunehmend aber auch aus dem Raum Speyer zur Behandlung in die Kreisstadt. Konnten am alten Standort in Germersheim bis zu 28 Dialysepatienten behandelt werden, so stünden nun neben der Möglichkeit 40 Dialysepatienten zu behandeln, auch etwa 300 Sprechstundentermine im Quartal zur Verfügung. Folglich sei die Präsenz des Personals am Standort Germersheim ausgeweitet worden. Während hier an drei Tagen gearbeitet werde, sei Landau an sieben Tagen pro Woche besetzt.
Drittes Verfahren
Darüber hinaus würden in Germersheim nun auch nierentransplantierte Patienten betreut. Im Aufbau sei die Anwendung eines dritten Nierenersatzverfahrens, die Bauchfelldialyse. Dazu wird laut Hack über einen in den Bauchraum eingelegten Katheter eine Glukose- oder Aminosäurelösung in den Bauchraum geleitet. Diese nehme die unerwünschten Giftstoffe und überschüssigen Körperflüssigkeiten auf. Nach etwa vier Stunden werde die angereicherte Dialyselösung über den Katheter wieder abgeleitet und durch eine frische ersetzt. Der Prozess werde tagsüber in regelmäßigen Abständen wiederholt, etwa alle vier Stunden. Nach einer entsprechenden Schulung würden die Patienten die Bauchfelldialyse eigenständig zu Hause durchführen. Der Vorteil besteht nach Hacks Angaben darin, dass die Therapie rund um die Uhr erfolgt und mehr Flexibilität für die Patienten bedeutet.
Neben der Bauchfelldialyse besteht auch die Möglichkeit, dass Patienten eine Nierenersatztherapie im häuslichen Umfeld durchführen. „Wir beraten unsere Patienten dazu in unserem Zentrum in Landau“, so Hack.
Ausgebaut werden soll an beiden Standorten, in Germersheim und Landau, die Sprechstunde für Fettstoffwechselstörungen. Dazu ist in Kooperation mit den Südpfalz Docs am Freitag, 13. Juni, 16 Uhr, bei der Ärztekammer in Neustadt eine Veranstaltung geplant, sagte Hack. Die Südpfalz Docs sind eine Vereinigung von Medizinern, die die ärztliche Versorgung in der Südpfalz verbessern wollen.
Weiterbildung
Für das Nierenzentrum Südpfalz sind Hack zufolge an den zwei Standorten knapp unter 60 Mitarbeitende tätig, darunter – samt ihm – vier Fachärzte. Er verweist im Hinblick auf den Fachkräftemangel hierzulande zudem auf eine Handvoll Leute, die man aus dem Ausland geholt hat und die derzeit ein Anerkennungsverfahren mit Qualifizierung durchlaufen. Diese Leute bräuchten das deutsche Pflegeexamen, wozu auch ein erfolgreich absolvierter Sprachkurs gehöre, um hierzulande arbeiten zu dürfen. Auch sonst sei das Nierenzentrum in Sachen Weiterbildung gut vernetzt. Als Beispiel nannte Hack die enge Kooperation mit der Nardini-Pflegeschule in Landau.
Info
Öffnungszeiten der Dialyse im Nierenzentrum Südpfalz MVZ in Germersheim, Königstraße 23: Montag, Mittwoch und Freitag, 7.30 bis 18 Uhr. Termine nach Vereinbarung unter Telefon 07274 70120.