KANDEL Neuer Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe: Friedrich folgt auf Mandos

Sven Friedrich (links) übernimmt die Aufgaben des Landesgeschäftsführeres von Matthias Mandos.
Sven Friedrich (links) übernimmt die Aufgaben des Landesgeschäftsführeres von Matthias Mandos.

Über 21 Jahre hat sich Matthias Mandos für die Rechte von Menschen mit Behinderung eingesetzt. Mit lang anhaltendem Applaus wurde der Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe nun verabschiedet. Was die Fortführung der Geschäfte anbetrifft, ist Mandos entspannt. Denn sein Nachfolger ist kein Unbekannter.

Nur lobende und anerkennende Worte gab es bei der Verabschiedung des bisherigen Landesgeschäftsführers der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos, von zahlreichen Wegbegleitern auf Landes- und Bundesebene. Sie gaben in der Tagesförderstätte des Tom-Mutter-Hauses in Kandel einen Rückblick auf seine Verdienste für die Rechte von Menschen mit Behinderung, hier insbesondere von Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen. Mandos hat sich 21 Jahre mit viel Engagement auf kommunaler, Landes- und Bundesebene eingebracht, um die Herausforderungen und Weiterentwicklungen, die im Bereich der sogenannten Eingliederungshilfe bestehen, zu meistern – insbesondere in den letzten Jahren für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetz (BTHG) in Rheinland-Pfalz.

1988 begann der Diplompädagoge beim Familienentlastender Dienst in Mainz-Bingen, bevor er 1993 im Betreuungsverein Mainz-Bingen tätig wurde und ab 2002 die Geschäftsführung der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz übernahm. „Der Mensch im Mittelpunkt – war sein Programm, er hatte immer ein offenes Ohr, war stets kollegial“, stellte Helga Ringhof, die Vorsitzende des Landesverbandes, fest. „Da war jemand an der richtigen Position, der die Lebenshilfe ein ganzes Stück vorangebracht hat. Das Thema Inklusion war ihm sehr wichtig. Er hat hart verhandelt, im Ton verbindlich, aber auch kompromissbereit und -fähig“, meinte Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitales, der viel mit Mandos zusammengearbeitet hat. „Eine Ära geht vorbei“, so Schweitzer.

„Fachmann, Ratgeber, Antreiber, Seelsorger“

Lebenshilfe-Bundesgeschäftsführerin Jeanne Nicklas-Faust hob in einer Videobotschaft aus Berlin das leidenschaftliche Engagement von Mandos hervor, der Landesgeschäftsführer des „Paritätischen“ – ein Verband der freien Wohlfahrtshilfe – betonte die gute Zusammenarbeit, seine Fachkenntnis, die Loyalität und Zuverlässigkeit, das Miteinander. Der Sprecher der Landesgeschäftsführer der Lebenshilfen und Landesgeschäftsführer von Bayern, Jürgen Auer, stellte ihn nach zwei Jahrzehnten Zusammenarbeit als „Fachmann, Ratgeber, Antreiber, Seelsorger, Mediator, Multitalent“ dar.

Weitere Grußworte überbrachten Oliver Pfleiderer als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Rheinland-Pfalz, René Schachtschabel als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstaträte Rheinland-Pfalz sowie Michael Götz als erster Zivildienstleistender bei Mandos in Mainz. Die Moderation der fast dreistündigen Abschiedsfeier hatte Ina Böhmer, die für die Fort- und Weiterbildung in der Geschäftsstelle verantwortlich ist, übernommen. Für die stimmungsvolle Umrahmung hatte die „Puzzleband“ von der Lebenshilfe Neustadt gesorgt.

Mehr Zeit für die Familie

Die Geschenke des aktuellen Teams der Geschäftsstelle und des Vorstandes gingen in Richtung seines Ruhestandes, den Ringhof als „Abenteuer“ bezeichnete. Er solle mehr Zeit für seine Familie mit Enkelkindern, den Garten, sein Boot und seine Musik haben, wofür es unter anderem Rosen, einen Spaten und ein Erinnerungsbuch gab.

„Man muss auch mal los lassen können“, meinte Mandos bei seinem „letzten Wort“. „Der gute Zusammenhalt macht es mir aber doch schwer und deshalb gehe ich mit einem gemischten Gefühl“ und bedankte sich bei allen Mitarbeitern, Unterstützern und dem offenen Ohr beim Minister. Mit einem lang anhaltendem stehenden Applaus wurde der langjährige Geschäftsführer verabschiedet.

Viele neue Herausforderungen

Was die Fortführung der Geschäftsleitung betrifft, ist Mandos entspannt, da er mit seinem Nachfolger Sven Friedrich schon über zwei Monate zusammengearbeitet habe. Friedrich ist seit über 20 Jahren bei der Lebenshilfe. Von 2003 bis 2011 war er in Mainz-Bingen Gruppenleiter in einem Wohnheim, ehe er beim Kreisverband Hunsrück Einrichtungsleiter und schließlich Geschäftsführer wurde. Mandos hat ihn auch bewogen, sich zu bewerben.

„Ich möchte an die Arbeit von Matthias anknüpfen. Ich habe den Auftrag, daran weiterzuarbeiten.“ Im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte er: „Mein Lebenshilfe-Herz schlägt im selben Takt.“ Natürlich gebe es jetzt auch neue aktuelle Themen wie den Rahmenvertrag, wo über die Vereinbarungen bei Jugendlichen unter 18 Jahren mit den Kommunen verhandelt und unterstützt werden müsse. Die aktuelle Diskussion um die Gewährleistung des Anspruches auf einen Kita-Platz und die Veränderungen durch das neue Kita-Gesetz stellten viele Kommunen und auch Familien vor große Herausforderungen. „Familien mit beeinträchtigten Kindern sind besonders betroffen, da es immer wieder dazu kommt, dass bestehende heilpädagogische Plätze aufgrund der aktuell unklaren Finanzierung in Frage stehen und dass für Regeleinrichtungen eine Aufnahme häufig noch schwierig ist. Da kommt noch einiges an Arbeit auf uns zu“, meint Friedrich.

Zur Sache

Die Lebenshilfen sind Interessenvertretung und Selbsthilfevereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen und ambulanten Diensten insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Landesverband gliedert sich in 29 Orts- und Kreisvereinigungen mit über 8000 Mitgliedern. Es werden mehr als 7000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Beeinträchtigung in Rheinland-Pfalz durch die Lebenshilfe gefördert und unterstützt.

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