Kreis Germersheim Neuer Chef startet in bewegten Zeiten

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Die IG Metall Geschäftsstelle Neustadt hat einen neuen Geschäftsführer: Bei ihrer Versammlung am Donnerstag in Jockgrim wählten die Delegierten Ralf Köhler zum neuen 1. Bevollmächtigten.

Der 42-jährige gebürtige Brandenburger folgt Uwe Schütz nach, der nach vier Jahren als Leiter der Geschäftsstelle als Tarifsekretär in die Bezirksleitung wechselt. Seinem Nachfolger stehen bewegte Zeiten bevor. Die Tarifverhandlungen für die 15.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie zwischen Wörth und Bad Dürkheim sind in vollem Gange und am kommenden Donnerstag endet die Friedenspflicht. Die im Jockgrimer Bürgerhaus versammelten Gewerkschafter gaben sich angriffslustig: In seiner Eröffnungsrede griff Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, der Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland umfasst und 400.000 Beschäftigte vertritt, die Arbeitgeber scharf an. Angesichts des von ihnen bei der zweiten Tarifverhandlung am Freitag vergangener Woche vorgelegten Angebots von 0,9 Prozent mehr Lohn – die Arbeitnehmer fordern fünf Prozent – , könnten sie „gleich selbst zu Warnstreiks aufrufen“. Dieses „Miniaturangebot“ sei das geringste der Vergangenen 25 Jahre und „mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen“, schimpfte Köhler weiter. Die Quittung dafür würden die Arbeitgeber nach Ende der Friedenspflicht in der kommenden Woche erhalten. Gewohnt kämpferisch präsentierte sich auch der scheidende 1. Bevollmächtigte. Die Kriegskasse sei mit 2,5 Millionen Euro gut gefüllt, verkündete Uwe Schütz im Hinblick auf den möglichen Arbeitskampf. Auch sei es bei den vergangenen Tarifkonflikten stets gelungen, jedes Mal mehr Betriebe einzubeziehen. Erfolge habe man auch bei der Bekämpfung der Tarifflucht erzielt. Eine gemischte Bilanz zog Schütz hingegen beim Thema Schaidt Innovations. Beim Elektronikfertiger kämpfen die Beschäftigten seit Jahren für den Erhalt ihrer Jobs und hatten die Firma schließlich selbst übernommen (wir berichteten mehrfach). „Ich hoffe, dass wir bald sagen können: in Schaidt geht es weiter. Oder noch besser: In Schaidt geht es gut weiter.“ Selbstkritisch merkte Schütz an, dass die IG Metall bei den jüngsten Betriebsratswahlen, bei denen nicht Personen, sondern Listen zur Auswahl standen, nicht gut abgeschnitten habe. Zu nennen sei hier vor allem der Daimler Konzern. Die Bindewirkung der Marke „IG Metall“ reiche offenbar nicht aus, so dass sogar Gewerkschaftsmitglieder andere Listen gewählt haben. „Wir müssen wieder dahinkommen, dass sich Metallerinnen und Metaller hinter unserem Logo versammeln“, appellierte Schütz. Als Grund für das schlechte Abschneiden bei den Mercedes-Mitarbeitern nannte Schütz die fortgesetzte Uneinigkeit innerhalb der IG-Metall-Fraktion im Betriebsrat des Werks Wörth. „Wenn das jetzt eine Wende erfährt, wäre es für mich das Größte“, so Schütz. Denn wenn es dort nicht gut laufe, schlage sich das aufgrund der Mitgliederstruktur „fatal auf die Handlungsfähigkeit der ganzen Gewerkschaft durch“, konstatierte er. „Die Belegschaft dort verdient unsere ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge“, wies Schütz den Weg aus der Vertrauenskrise. Jede Menge Arbeit also für den neuen Mann. Ralf Köhler beschwor in seiner Ansprache den Geist der Solidarität. Dieser sei es gewesen, der ihn als Betriebselektriker bei EKO Stahl im brandenburgischen Eisenhüttenstadt als 17-Jährigen zum Eintritt in die IG Metall bewogen habe. Der langjährige 1. Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstellen in Cottbus und Südbrandenburg will nun auch hier anpacken, denn: „Nur die Tat verändert die Welt.“ Den richtigen Ton scheint Köhler getroffen zu haben: er erhielt 96 von 97 möglichen Stimmen. Wiedergewählt wurde der bisherige 2. Bevollmächtigte Harald Lange mit 69 Ja-Stimmen. (fex)

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