Kandel
Neue Technik rettet Leben
Manuel Lingner ist mächtig stolz. Und das nicht ohne Grund. Der Ärztliche Leiter der Abteilung für interdisziplinäre Akut- und Notfallmedizin an der Asklepios-Südpfalzklinik in Kandel, kurz Zentrale Notaufnahme genannt , darf seit einigen Wochen ein System einsetzen, das allen Beteiligten ermöglicht, im Notfall noch schneller helfen zu können. Das Datenübertragungssystem Nida (Notfall Informations- und Dokumentations-Assistent) wurde im Dezember in Kandel eingeführt. Und zwar als erster Klinik in Rheinland-Pfalz.
Tablet überträgt EKG-Daten
Der Mediziner Lingner ist sich sicher, dass bald weitere Krankenhäuser folgen werden, denn die Technik helfe ganz einfach, mehr Leben zu retten, weil Zeit gespart und für wichtige Vorbereitungen in der aufzunehmenden Klinik genutzt werden kann. Nicht nur bei Unfällen muss es bekanntlich schnell gehen. Wie funktioniert die Nidaklinik? Rettungssanitäter, die vor Ort auf Patienten treffen, sind mit einem Tablet ausgestattet, in das sofort alle wichtigen Daten eingegeben werden können. Dieses steht dem Rettungsdienst und den Notärzten schon seit Jahren zur Verfügung. Erhobene Befunde, wie zum Beispiel EKGs oder Bilder des Medikationsplanes werden erfasst und – das ist die wichtige Neuerung – direkt, von jedem Ort aus, an die Klinik weitergeleitet. „Wir können damit also schon, noch bevor der Patient überhaupt bei uns ankommt, mögliche Vorbereitungen treffen, die weitere Versorgung innerhalb der Klinik planen, um den Patienten schneller und besser zu behandeln“, erklärt Lingner gegenüber der RHEINPFALZ. „Wichtig ist dies vor allem für die klassischen zeitkritischen Tracerdiagnosen wie beispielsweise Schlaganfall, Herzinfarkt oder das schwere Trauma. Nachweislich verbessert diese digitale Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Klinik die Patientenversorgung.“
Über das Tablet erfolge zudem die Dokumentation des jeweiligen Einsatzes, auch Fotos können aufgenommen werden, was gerade bei Verkehrsunfällen wichtige Informationen zu einem möglichen Verletzungsmuster liefere. „Zudem werden weitere Daten des Überwachungsmonitors, wie Blutdruckwerte und Herzfrequenz, ebenfalls direkt in das Tablet überspielt und können nach Anmeldung in der Klinik auch direkt dort eingesehen werden“, erklärt der Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmediziner. In der Kandeler Klinik hängt in der Notaufnahme ein sogenanntes „Arrivalboard“, ein großer Bildschirm, auf dem die angemeldeten Patienten anonymisiert abgebildet werden. Alle weiteren Schritte können nun vorbereitet werden. Auch die Zuweisung zu einer bestimmten Abteilung wird von hier aus gesteuert.
Modellprojekt im Land
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch des Rettungsdienstes im Einzugsbereich, seien im Umgang mit dem digitalen und modernen Datenübertragungssystem geschult worden, berichtet der Leiter der Zentralen Notaufnahme. Jetzt könne man in Kandel noch effektiver im Sinne der Patienten handeln und die innerklinischen Prozesse verbessern. Ausdrucke in Papierform erspare man sich und der Umwelt, meint auch Oberarzt Daniel Schäfer von der Abteilung für interdisziplinäre Akut- und Notfallmedizin.
Beide Ärzte sind glücklich darüber, dass die Asklepios-Südpfalzklinik in Kandel mit diesem System eine Vorreiterrolle in Rheinland-Pfalz übernommen habe. Ermöglicht wurde dieses Modellprojekt unter anderem durch das Land auf Basis des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG), einem Investitionsprogramm zur Digitalisierung der Kliniken. Damit sei ein weiterer Schritt zur Modernisierung des Krankenhauswesens und speziell der Kandeler Klinik gelungen, denn alle Beteiligten sind sich sicher, dass „Digital Leben retten kann“. Und alle seien sich einig, so Lingner, dass das neue System für die Patienten nur Vorteile bringen wird.