Bellheim
Neue Teampraxis übersteht Patientenansturm
„Der Montag war heftig, das kann man so sagen.“ Das sagte die Allgemeinmedizinerin Edith Leydecker von der am vergangenen Montag neu eröffneten Teampraxis Bellheim der „Südpfalz Docs“ im Ärztehaus am Freitagnachmittag. Es habe einen gewaltigen Ansturm von Patienten gegeben. Rund 200 seien es über den Tag verteilt gewesen. Noch einmal etwa genauso viele hätten sich telefonisch oder per E-Mail gemeldet. Eine lange Warteschlange habe sich vor der Praxis gebildet. Alle Parkplätze seien belegt gewesen. „Die Kollegen von der benachbarten Sonnen-Apotheke haben die in der Kälte Wartenden mit Tee versorgt – das war super!“ Trotz der Umstände seien die Leute freundlich gewesen. Die Hautärztin, die ebenfalls im Ärztehaus ihre Praxis hat, habe gesagt, dass mangels Parkplätzen irgendwann niemand mehr zu ihr kam. „Die dürften mehr werden“, sagte Leydecker.
Langsam normalisiert es sich
Der Dienstag ist nach ihren Angaben ähnlich, aber entspannter verlaufen als der Montag. An diesem Tag seien ebenfalls rund 200 Patienten in die Praxis gekommen. In den Tagen danach habe sich das Patientenaufkommen normalisiert. Es habe zwar weiterhin viel Betrieb geherrscht, aber es habe keine Warteschlangen mehr gegeben. Über die Woche hinweg seien rund 600 Patienten in der Hausarztpraxis behandelt beziehungsweise aufgenommen worden. Die Patienten seien in erster Linie aus der Verbandsgemeinde Bellheim gekommen, aber auch aus benachbarten Orten wie Kuhardt, Hördt und Rülzheim.
Das vierköpfige Ärzteteam, neben Leydecker sind das Katharina Leske, Thomas Schmitz und Alexander Gellner, der seine eigene Praxis in Bellheim aus Altersgründen aufgegeben hat, werde unterstützt von sechs Sprechstundenhilfen. Um des anfänglichen Ansturms Herr zu werden, sei ihr Mann noch unterstützend eingesprungen, erzählt Leydecker.
Nach ihren Angaben gelang es von Tag zu Tag besser, den Patientenstrom zu kanalisieren. Das sei auch aus Datenschutzgründen wichtig, damit nicht so viele Menschen gleichzeitig nebeneinander an der Anmeldung stehen. Zudem müssten zukünftig auch nicht mehr so viele Patienten gleichzeitig erfasst beziehungsweise Krankenversicherungskarten eingelesen werden, was aufhalte. Deshalb werde es künftig bei der Anmeldung schneller gehen.
Es geht um die Aufnahme
Laut Leydecker waren unter den Patienten gar nicht mal so viele Kranke. Die Mehrzahl habe als Patient in die Praxis aufgenommen werden wollen. Die Erkrankten hätten in erster Linie die jahreszeitlichüblichen Erkältungsinfekte gehabt oder Rückenbeschwerden; bei einigen ging es darum, in Abwesenheit des Hausarztes Krankmeldungen zu verlängern.
Rückblickend attestiert Leydecker ihrem Team, „fantastische Arbeit geleistet“ zu haben. Es sei flott gegangen trotz neuer Computertechnik, die keiner kannte. „Wir können mit unserer Arbeit zufrieden sein.“
Die Eröffnung der neuen Praxis im gemeindeeigenen Ärztehaus beschäftigte am Donnerstag auch den Gemeinderat. Angesichts des Ansturms am Montag hieß es, dass in nächster Zeit zu prüfen sei, ob die Anzahl der Parkplätze am Ärztehaus noch ausreicht. Wenn nicht, müssten zusätzliche Parkplätze geschaffen werden. Dafür steht nach früheren Aussagen eine Erweiterungsfläche zur Verfügung. Der Ansturm sei so groß gewesen, dass nicht nur alle Parkplätze belegt, sondern auch die komplette Zufahrt zugeparkt gewesen sei. In dem Zusammenhang bat Rainer Strunk (SPD) die Verwaltung zu prüfen, ob der Parkplatzschlüssel für die im Bau befindliche Senioreneinrichtung der AWO auf dem Nachbargrundstück ausreicht.
Darüber hinaus wies er darauf hin, dass seines Wissens eine Ende Januar schließende Hausarztpraxis in Kuhardt ihren Patienten empfohlen habe, am Montag die Teampraxis in Bellheim zu besuchen und sich anzumelden, weil zu befürchten sei, dass sie später nicht mehr angenommen werden.
Aufnahmekapazität begrenzt
Patienten der Kuhardter Praxis, so Leydecker, sei gesagt worden, dass sie im Hinblick auf den aktuell großen Andrang ihre Rezepte zum Beispiel sich vorerst noch von ihrer Ärztin in Kuhardt ausstellen lassen sollen. Zudem könnten sie sich im zweiten Quartal noch einmal melden, „weil wir dann einen besseren Überblick haben, als momentan“. Allerdings könne sie nicht versprechen, alle Patienten besagter Praxis übernehmen zu können.
Korrektur
In der ursprünglichen Textfassung war zu lesen, dass nach Aussagen im Gemeinderat Bellheim eine Kuhardter Ärztin ihre Patienten per Aushang dazu aufgefordert habe, die neue Hausarztpraxis aufzusuchen. Das, so die Kuhardter Allgemeinmedizinerin Manuela Neuschl, ist falsch. Sie habe zwar Patienten im Hinblick auf die bevorstehende Schließung ihrer Praxis empfohlen, in nächster Zeit zu versuchen, sich in der Bellheimer Praxis anzumelden, aber nicht per Aushang.