Kreis Germersheim
„Nehme mit, was mir vor die Füße kommt“
In der „Schatzkammer“ von Werner Hirtz findet eine Luther-Bibel aus dem 18. Jahrhundert ebenso einen Platz wie der Gürtel eines Wehrmacht-Soldaten oder der „praktische Bob“ aus dem vorigen Jahrhundert. Der Kuhardter sammelt allerlei Stücke, die Geschichte atmen oder die ihm auf seinen vielen Reisen vor die Füße gefallen sind.
Werner Hirtz öffnet die Tür zu einem Kellerraum: „Das ist mein Gerümpel.“ So viel Bescheidenheit ist nicht nötig, denn auf den Tischen und Regalen finden sich viele kleine Kostbarkeiten und Kuriositäten. Eine Bibel von 1740, über Generationen innerhalb einer Familie vererbt, gehört zu seinen ältesten Sammlerstücken. Hochzeiten, Sterbefälle, Kindtaufen sind darin akribisch vermerkt. Ein ganzer Tisch in Hirtz’ Schatzkammer ist geistlicher Literatur gewidmet – Bibeln, Erbauungsbüchern oder Heiligenlegenden. „Da häng ich dran, ich habe ein Faible für Geschichte“, erzählt der 73-Jährige. Trotzdem lässt sich seine Sammlung keinem Thema unterordnen. „Es gibt keine bestimmte Stilrichtung. Ich nehme mit, was mir vor die Füße kommt und gefällt.“ Auf Flohmärkten, im Bekanntenkreis und auf Reisen.
Schlangenhaut aus Florida mitgebracht
Der Polier war beruflich viel unterwegs, mittlerweile ist er in Rente. „Ich bin in meinem Leben viel rumgekommen.“ Bei Baggerarbeiten in der Nähe von Idar-Oberstein habe er die alte Wasserflasche aus Blech entdeckt, die jetzt in seiner „Schatzkammer“ steht. Von einer Florida-Reise habe er 1976 die Schlangenhaut mitgebracht, die „man damals noch einführen durfte“. Aus seiner südwestpfälzischen Heimat stammen einige Schuhmacherwerkzeuge. „Fast jede Familie hatte einen Eisenfuß und in jeder Großfamilie konnte irgendjemand damit umgehen und Schuhe reparieren“, erinnert sich Hirtz. Küfer-Instrumente, ein Tabakschneider und eine Zigarrenpresse zeugen von weiteren alten Handwerken, die in der Pfalz verbreitet waren.
Das Waschbrett gibt harmonische Töne von sich
Auch Dinge, die der Hausfrau früher den Alltag erleichterten, bewahrt Hirtz bis heute im Keller auf: Butterschlaggeräte, antike Bügel- und Waffeleisen, ein Waschbrett. Letzteres wird hin und wieder zweckentfremdet: „Damit mach ich Musik mit meinem Enkel. Er mit der Gitarre, ich mit dem Waschbrett.“ Der Kuhardter zeigt auf ein Holzkästchen mit einem länglichen Eiseninstrument: „Hier hab ich noch etwas Interessantes.“ Was auf den ersten Blick wie eine überdimensionale Spritze aus Stahl aussieht, sei ein Vorläufer des modernen Tackers. „Bob, der praktische Helfer für Jedermann“, steht auf der Beschreibung im Innern des Kästchens. Bob „heftet, befestigt, verbindet, nietet, nagelt. Er repariert mit einem Schlag, was früher umständlich geklebt, geleimt, genäht werden musste“. Und natürlich funktioniert das Ganze nicht ohne allerlei „Bob-Klammern“.
Mit vielen Stücken verbindet Werner Hirtz eine persönliche Geschichte: Sie sind Erb- und Fundstücke, Geschenke, Mitbringsel aus fremden Ländern – ein besonderer und viele Jahre angesammelter Schatz, den es zu hüten gilt.
Die Serie
In der Serie „Schatzkammern“ stellen wir in loser Folge Sammelleidenschaften von Menschen aus der Region vor. Wenn auch Sie besondere „Schätze“ aufbewahren, melden Sie sich telefonisch unter 07274 946621 oder per E-Mail an marktger@rheinpfalz.de.