Maximiliansau
Naturfreunde feiern ihr 100-jähriges Bestehen
Am 16. September 1895 wurde in Neulerchenfeld, einem Stadtbezirk von Wien der Touristenverein „Die Naturfreunde“ gegründet mit dem Ziel, den arbeitenden Menschen eine Möglichkeit zu geben die Freizeit sinnvoll zu gestalten, die Gesundheit zu stärken und die Liebe zur Natur zu wecken. Niemand konnte damals ahnen, dass damit eine weltweite Bewegung entsteht. Heute gibt es in über 40 Ländern und auf vier Kontinenten den Dachverband „Naturfreunde“.
Am 3. März 1925 wurde auch in Maximiliansau eine Ortsgruppe des Vereins gegründet – unter dem Namen „Die Naturfreunde Pfortz“. Zur Gründungsversammlung im Gasthaus „Zum Löwen“ hatten sich 22 junge Menschen (20 Männer und zwei Frauen) eingefunden. Initiator und erster Obmann des Vereins war Ludwig Kastin, der im Jahr 1944 mit seiner Familie bei einem Bombenangriff ums Leben kam. Am Ende des Gründungsjahres waren es bereits 45 Mitglieder. Im gleichen Jahr gab es im Verein auch eine Mandolinen- und Gitarrengruppe unter der Leitung von Karl Bischler, später noch eine Theatergruppe.
Kauf eines Grundstücks auf der Insel Nauas
Schon im nächsten Jahr scheiterte der Versuch, das Bahnwärterhäuschen an der Bahnlinie Wörth-Kandel als Wanderstützpunkt zu pachten oder zu kaufen. 1930 kaufte die Ortsgruppe auf der Insel Nauas im Goldgrund eine 34 Ar große Wiese für 500 Reichsmark und begann mit dem Bau einer Schutzhütte. Diese wurde am 2. August 1931 unter Obmann August Tropf eingeweiht. Sie wurde durch Einnahmen der Theatergruppe, Eigenleistung und viel Idealismus der Mitglieder gebaut und bot laut Vereinschronik viele schöne Stunden: im Sommer beim Baden und Spielen, im Winter bei fröhlichem Zusammensein - heißt es in der Vereinschronik.
Am 5. März 1933 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Vereinsvermögen. Der weitere Ausbau der Schutzhütte musste eingestellt werden. Am 4. April desselben Jahres wurde die Ortsgruppe als Teil der Arbeiterbewegung verboten und aufgelöst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es alten Naturfreunden bei der französischen Militärregierung die Neugründung durchzusetzen. Bereits am 2. Januar 1947 geschah dies. 30 Personen trugen sich in die Gründerliste ein, August Tropf wurde erneut als erster Vorsitzender gewählt. In der Versammlung am 26. April wurden 40 neue Mitglieder aufgenommen. Im März 1949 erhielt der Verein nach einem langen Prozess das Grundstück zurück, aber die Schutzhütte war bis auf die Grundmauern zerstört. Man beschloss ein festes Haus zu bauen, womit 1953 begonnen wurde – finanziert ausschließlich durch Eigenleistungen und Spenden. Am 6. August 1955 wurde das Haus „Rheinfrieden“ feierlich eingeweiht. Die Ortsgruppe nahm den Namen der politischen Gemeinde Maximiliansau an, eine aktive Jugendgruppe wurde gebildet. Am 5. Mai 1956 wurde ein angrenzendes Grundstück als Spiel- und Zeltwiese erworben. „Das brachte vor allem in den Sommermonaten neuen Auftrieb, aber auch die Erkenntnis, dass das Haus den Bedürfnissen nicht mehr gewachsen war“, heißt es in der Chronik.
Übergang zur Goldkehle wird errichtet
Zum 40-jährigen Jubiläum 1965 begann der Anbau des Hauses, 1966 sollte Richtfest gefeiert werden – doch der Verein wurde aber von einem Schicksalsschlag getroffen: Der langjährige Vorsitzende August Tropf war an den Folgen eines Arbeitsunfalls unerwartet verstorben. Seine Nachfolge trat der zweite Vorstand Gerhard Geiger an. In den folgenden zehn Jahren wurden die Anlagen weiter ausgebaut. Nach jahrelangen Bemühungen wurde ein Übergang über die Goldkehle errichtet nach „feuchten Überfahrten mit einem ausgemusterten Holzponton“. 1977 wurde Herbert Schaaf erster Vorsitzender und das angrenzende Waldstück mit 53,8 Ar kam dazu, sodass das Gesamtareal 1,567 Hektar betrug.
Das zunehmende Hochwasser des Rheins bereitete aber immer größere Probleme. Das Haus musste wasserbeständig erweitert werden, 1983 wurde die Kücheneinrichtung in Eigenleistung erneuert. Mit Unterstützung der Stadt wurde der Weg ausgebaut. Aber aufgrund des Hochwassers ist 1987 der Zugang zum Naturfreundehaus erneut nicht möglich, das Hüttenfest musste zum ersten Mal in der Tullahalle stattfinden. Auch 1999 war das Haus wegen Hochwasserschäden zeitweise geschlossen, jährlich wechselte der Pächter.
Aufgabe des Naturfreundehauses
2005 wurde das Haus zum 50-jährigen Bestehen renoviert, gemeinsam mit dem 80-jährigen Vereinsjubiläum fand das letzte Hüttenfest statt. 2005 bis 2010 forderten wiederholte Hochwasser den enormen Einsatz der Mitglieder. 2014 beschloss der Vereinsausschuss die Aufgabe des Naturfreundehauses, das dann 2017 an das Landesforsten verkauft wurde.
2018 übernahm Heidi Kraus den Vorsitz von Gudrun Ludwig, die das Amt 26 Jahre innehatte. 2019 wurde in Kooperation mit Kitas ein Insektenhotel aufgestellt. Mit den Messdienern wurden weihnachtliche Holzfiguren angefertigt und im Ort verteilt. Nachdem Corona 2020 das Vereinsleben weitgehend lahm gelegt hatte, setzte sich der Verein neue Ziele mit regelmäßigen Veranstaltungen, Engagement für den Ort und Initiativen zur Ortsverschönerung.
Festakt im Juni
2022 übernahm der Verein die Patenschaft für gemeindeeigene Obstbäume, ein jährlicher Baumschneidekurs wurde eingeführt. Zusammen mit der SPD wurde der Platz des Friedens („Das Denkmal“) umgestaltet und wird monatlich gepflegt. In Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt wurde am Alten Schulhaus ein Osterbrunnen errichtet, 2023 wurde die Kindergruppe „Die Waldhummeln“ unter Leitung von Clara Zech reaktiviert, 2024 entstand die Gruppe „Wander-Bande“ für junge Familien. Unter der neuen Vereinsleitung, durch vielfältige Aktivitäten und das Engagement für den Ort stieg die Mitgliederzahl von etwa 70 auf über 130 – auch aus den Nachbarorten kommen neue Mitglieder.
Am 27./28. Juni wird die 100-Jahrfeier begangen – zunächst mit einem Festakt für Mitglieder und geladene Gäste und am nächsten Tag mit einem großen Unterhaltungsprogramm.