Gegenüber
Nachwuchsoptikerin hat Bundestitel im Visier
Mit 90,38 Prozent von 100, das entspricht der Note 1,6, hat Sarah Sprenger ihre Gesellenprüfung abgeschlossen. Damit war die junge Bellheimerin nicht nur die beste Nachwuchsoptikerin an „ihrer“ Berufsschule in Bad Dürkheim, sondern auch an denen in Trier und Koblenz, folglich von ganz Rheinland-Pfalz und qualifiziert für den Bundeswettbewerb des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen; der findet am Samstag, 29. Mai, in Dortmund statt.
Noch einmal gezielt vorbereitet hat sie sich darauf am Dienstag an ihrem Arbeitsplatz beim Optiker Fielmann in Landau. Dort hat die 24-Jährige zu Übungszwecken eine Bohrbrille hergestellt. Dabei handelt es sich laut Sprenger um eine rahmenlose Brille, deren Gläser – daher der Name – durchbohrt werden müssen, um sie am Gestell befestigen zu können. Schon aufgeregt? „Nein, Lampenfieber habe ich nicht, aber die Anspannung wächst langsam. Es geht aber noch, vor dem Abi war’s schlimmer.“
Zu Brillenhändler statt zu Chemiekonzern
Das hat Sprenger vor gut vier Jahren am Goethe-Gymnasium in Germersheim abgelegt. Ein halbes Jahr später begann sie ihre dreijährige Ausbildung. Auf den Beruf ist sie eher zufällig gestoßen: In der neunten Klasse absolvierte sie ein Praktikum bei der BASF als Chemielaborantin. Das gefiel ihr. Das wollte sie eigentlich machen. Doch dann wurde ihr ein Job als Chemikantin angeboten. Und da sie keine Schichtarbeit wollte, entschloss sie sich dazu, weiterhin im Gymnasium die Schulbank zu drücken. Mit 16 bekam sie eine Brille. „Das fand ich interessant.“ Es folgte ein Praktikum bei Optik Kuntz in Bellheim. Beim Besuch einer Ausbildungsmesse in Mannheim zusammen mit Schulkameraden gab sie am Stand von Fielmann ihre Bewerbung ab. Es folgte ein Praktikum bei dem Optiker-Filialisten. „Danach habe ich den Ausbildungsvertrag unterschrieben.“
Nach eineinhalb Jahren galt es eine Zwischenprüfung abzulegen. Neben einem Theorieteil galt es Metall zu löten und ein Brillengestell zu verglasen. Dieses Ergebnis sollte 30 Prozent der Endnote ausmachen. Zuvor führte sie ihr Ausbildungsweg nicht nur in den Betrieb und die Berufsschule, sondern auch in die Ausbildungswerkstätten von Fielmann in München, Hamburg, Stuttgart und Plön. Für die vierteilige Gesellenprüfung am Schluss der Ausbildungszeit im Juli vergangenen Jahres stand dann einiges mehr auf dem Programm, blickt Sprenger zurück: Theorie in Optik sowie in Sozialkunde und Wirtschaftslehre. Im Praxisteil galt es eine Bohrbrille herzustellen, ein Verkaufsgespräch zu führen, eine Brille zu verkaufen und ein Kunststoff-Brillengestell zu verglasen.
Acht normale und drei Sonnenbrillen
Und wie viele Brillen nennt der Brillenprofi sein Eigen? „Acht normale Brillen und drei Sonnenbrillen. Nach oben sind keine Grenzen“, gibt der Brillenfan schmunzelnd zu Protokoll. Ausgewählt werden die Exemplare nach Gefallen und Bedarf. „Und sie muss mir stehen und angenehm zu tragen sein.“ Abwechslung sollen die unterschiedlichen Modelle aber auch bieten. Sollen sie doch zur Garderobe ihrer Trägerin passen und „worauf ich Lust habe“. Kontaktlinsen trägt Sprenger nur ab und zu tagsüber, wenn sie beispielsweise ihrem Hobby nachgeht: „Durch Feld, Wald und Wiesen reiten.“ Das zweite Hobby des Fußballfans sind – „Hoffentlich ist das bald wieder möglich.“ – Besuche auf dem Betzenberg.
Seit vergangenem Oktober büffelt sie an der Privatschule BFW in Karlsruhe für ihre Meisterprüfung. Der Abschluss steht im Oktober/November an. Zwei Theorie-Prüfungsteile hat sie bereits absolviert: BWL, also Betriebswirtschaftslehre, und Ausbilderin. Was noch fehlt: Optik in Theorie und Praxis, Kontaktlinsen anpassen und einen Sehtest durchführen.
Bohrbrille verglasen
Momentan jedoch hat sie Ferien. Gelegentlich jobbt sie noch an ihrer alten Wirkungsstätte in Landau, wenn sie sich nicht wie vor wenigen Tagen auf den Wettbewerb vorbereitet. Was wird da erwartet? „Detailinformationen habe ich noch keine erhalten, nur erfahren, worum es grob geht.“ Demnach müssen ein Verkaufsgespräch geführt, eine Reklamation bearbeitet und eine rahmenlose Brille verglast werden. Wo sich Sprenger am Ende des Wettbewerbs sieht? „Das ist schwer einzuschätzen. Ich kenne die Teilnehmer und deren Leistungsspektrum nicht. Von daher würde ich sagen im Mittelfeld. Das dachte ich bei meiner Gesellenprüfung auch. Und dann ... Ich habe nichts zu verlieren.“
Was ihre berufliche Zukunft anbetrifft, so ist die „noch offen“. Ob sie bei Fielmann in Landau bleiben kann, hängt vom Personalbedarf ab. Alternativ kann sie sich aber auch vorstellen, im Aus- und Weiterbildungszentrum der Optiker-Innung Speyer in Karlsruhe zu arbeiten, weil sie gern in der Werkstatt arbeitet und ihr die Gesellenausbildung Spaß macht.