Kreis Germersheim Nacht für Nacht für eine bessere Rente unterwegs
Bellheim. Wenn Bellheimer RHEINPFALZ-Abonnenten pünktlich zum Frühstück ihre Zeitung lesen können, ist das auch Horst Lawan zu verdanken. Der 77-jährige Bellheimer ist im Ort seit 2001 als Zusteller tätig und trotzt dabei sechsmal pro Woche Wind und Wetter - nur Betrunkene und zugestellte Briefkästen bereiten ihm manchmal Kopfschmerzen.
„Seit 15 Jahren trage ich schon aus. Bis jetzt macht es mir noch Spaß“, sagt Horst Lawan. Der Rentner sitzt am Esstisch seiner geräumigen Wohnung. Ab und zu huscht seine Frau Celia geschäftig durch den Raum. Trotz seiner 77 Jahre ist Lawan sechsmal pro Woche frühmorgens unterwegs, um Bellheimer Abonnenten ihre RHEINPFALZ zuzustellen. Er hat ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen - leicht hatte er es jedoch nicht immer. „Geboren bin ich in Neuburg, aber meine Familie musste während des Kriegs nach München fliehen“, berichtet er. In der bayerischen Hauptstadt wächst Lawan auf, macht eine Ausbildung zum Gas-Wasser-Heizungsinstallateur. Er gründet eine Familie, bekommt mit seiner ersten Frau zwei Söhne. Dann ereilt ihn ein Schicksalsschlag: Lawan bricht auf offener Straße zusammen, kommt ins Krankenhaus. „Bei mir wurde ein Abszess im Gehirn festgestellt“, erzählt der Rentner. Zwei Monate liegt er im Koma, eine schwere Operation rettet ihm das Leben. Mit den Folgen hat er heute noch zu kämpfen: „Ich bin seitdem zu 50 Prozent schwerbehindert“, sagt Lawan ernst. Er lässt sich zum Materialprüfer umschulen, zieht als Leiharbeiter durch ganz Europa. „Bei der Firma Kaiser in Viernheim bekam ich dann eine Festanstellung“, erzählt Lawan. Seine Ehe wird geschieden, inzwischen wohnt er wieder in der Pfalz, in Rheinzabern. „Zehn Jahre bin ich jeden Tag 100 Kilometer nach Viernheim gependelt“, erinnert er sich, „dann wurde die Firma verkauft.“ Er zieht nach Bellheim, wo er auch heute noch wohnt. Mit seiner zweiten Frau Celia hat er zwei Töchter. „Mit dem Zeitungsaustragen habe dann ich 2001 angefangen, um meine Rente aufzubessern“, berichtet Lawan. Um für die „Nachtschicht“ fit zu sein, legt sich Lawan um 20 Uhr ins Bett. „Um Mitternacht klingelt dann nämlich schon der Wecker. Dann trinke ich erst mal einen Kaffee.“ Um 1 Uhr fährt er zur Sammelstelle an einem Bellheimer Supermarkt-Parkplatz. Dort lädt er die – hoffentlich pünktlich ankommenden – Zeitungen ein und beginnt seine Route. „Bis 6 Uhr müssen alle Zeitungen zugestellt sein“, sagt Horst Lawan. Zum Ausliefern nutzt er sein Auto - „zu Fuß ist das inzwischen leider zu anstrengend für mich “, meint der Rentner. Und wenn es schneit oder regnet? Lawan zuckt mit den Schultern. „Dann werde ich halt mal nass“, kommentiert er trocken. In seinen 15 Jahren als Zusteller hat er einiges erlebt. Einmal habe ihn ein verzweifelter junger Mann angesprochen, der dringend nach Rheinzabern musste und Lawan 20 Euro bot, wenn er ihn dorthin fahre. „Da habe ich gesagt, alla hopp, spring halt rein“, erinnert sich Lawan lachend. Der Rentner verschweigt jedoch nicht, dass die nächtlichen Bellheimer Straßen auch so manch unangenehme Begegnung bereithalten. Vor zwei Jahren habe er während des Brauereifests einmal eine Horde betrunkener Jugendlicher getroffen, die lauthals grölten. Er bat die Feiernden, leiser zu sein. „Als ich mich dann umdrehte, hatte ich einen Liter Bier über dem Kopf“, erzählt Lawan. Auch dass Jugendliche ihm die Fahrbahn versperrten oder versuchten, Zeitungen aus seinem Wagen zu klauen, komme vor. Zu „seinen“ Abonnenten habe er ein gutes Verhältnis. „Wenn mal eine Zeitung geklaut wird, rufen die oft bei mir an und ich liefere eine nach.“ Kleine Geschenke habe er schon oft bekommen. Auch wenn der Job gerade in seinem Alter anstrengend sei - ans Aufhören denkt Lawan nicht: „Solange es gesundheitlich geht, will ich weitermachen“, sagt er. Einen Wunsch hat er aber: „Es wäre schön, wenn die Leute Acht geben würden, ihre Briefkästen nicht mit Mülltonnen zu blockieren“, sagt er lächelnd. „Sonst muss ich nicht nur Zeitungen austragen, sondern auch noch Müllmann spielen.“ |bed