Kandel
Nachhaltig ist fundamentaler Aspekt des Designs
Nachwuchsdesigner Nils Hauser aus Kandel hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. „Ich muss schon sagen, dass das auf jeden Fall ein fundamentaler Aspekt von meinem Design ist, dass ich nachhaltig arbeite“, betont der 22-Jährige. So gewann er mit seiner Kollektion „Ex Voto“ zuletzt den weltweit größten Wettbewerb für nachhaltiges Modedesign, den heiß begehrten „Redress Design Award“. Der Südpfälzer schaffte es bei dem Wettbewerb als einziger deutscher Designer unter die ersten 30 Halbfinalisten und ging am 8. September bei der Preisverleihung in Honkong als Sieger hervor. „Ich habe, glaube ich, erst mal so eine Woche gebraucht, bis ich überhaupt richtig realisiert habe, dass ich tatsächlich gewonnen habe. Ich kann es auch jetzt noch nicht so ganz greifen mit der ganzen Tragweite, die das jetzt hat“, erklärt er aufgeregt.
Mit dem Award ist nicht nur eine finanzielle Starthilfe in Form eines Entwicklungsfonds verbunden, sondern auch eine Kollaboration mit der weltweit bekannten Modemarke „Timberland“. Somit erhält Hauser schon zu Beginn seiner Karriere die Chance, seinen ersten Job als Designer zu verwirklichen. „Und als wäre das nicht schon genug, kam auch noch dazu, dass nach der Show viele Leute zu mir kamen, zum Teil auch Ladenbesitzer aus Deutschland, die sich für meine Sachen interessiert haben.“
Bemalen alter Kleidung
Für sein Alter ist der Design-Student schon weit gekommen – dabei verfolgte er diesen Plan noch gar nicht so lange. Kurz nach dem Abitur 2020 begann die Corona-Pandemie. Zu diesem Zeitpunkt war Hauser noch entschlossen in Richtung „freie Künste“ zu gehen. „Dann habe ich allerdings angefangen, alte Klamotten von mir zu bemalen und das dann auch auf Instagram zu posten und habe gemerkt, dass das gut ankommt.“ Bald war für den Kandeler der Punkt erreicht, an dem ihm das bloße Bemalen alter Kleidungsstücke nicht mehr reichte. „Ich wollte volle Kontrolle über das Kleidungsstück haben und alles steuern können – nicht nur mit dem Pinsel, sondern auch mit Schnitt und Nähen.“
Für seine Designs nutzte Hauser verschiedene Stoffe, die sonst oft in der Mülltonne landen. Dabei kam auch ein altes Familienzelt zum Einsatz. „Ich wollte unbedingt eine Bomberjacke machen und habe dann ein bisschen recherchiert, wo man Nylon bekommen kann“, beschreibt Hauser seine Herangehensweise. Auf Festivals würden häufig Zelte in großen Mengen zurückgelassen, die zum größten Teil aus Nylon bestünden, erklärt er. „Und dann habe ich überlegt, wie man da vielleicht noch eine Lösung finden könnte, wie man diesen ganzen Müll verwerten kann.“ Auch alte Polsterbezüge kamen bei seiner Gewinnerkollektion zum Einsatz. Dazu steht Hauser schon seit längerem in Kontakt zu einer Firma, die Möbel aus den 50er Jahren aufwertet. „Diese alten Polsterstoffe sind super interessant und auch total hochwertiges Material, aber auf den Möbeln so ein bisschen aus der Zeit gefallen und passen nicht mehr so gut.“ Für seine Mode passen die Stoffe allerdings perfekt und schließen damit den Kreis bei der Neuverwertung der Materialien.
Doch nicht nur im Wettbewerb, sondern schon während des Studiums spielte Nachhaltigkeit eine tragende Rolle für den jungen Designer. „Also das war auch mein Grundgedanke. Wenn ich in Design und Modedesign gehen möchte, dann muss ich nachhaltig designen, um das vor mir rechtfertigen zu können“, betont Hauser. „Es gibt so eine Überflutung vom Markt. Es gibt viel zu viel von allem und es gibt so viel Abfall, der verwertet werden kann.“
Conceptstore für eigene Mode
Dieser Gedanke treibt den 22-Jährigen so weit an, dass er schon sehr konkrete Pläne für die Zukunft hat: „Nach dem Studium würde ich am liebsten Teilzeit unterrichten. Ich habe meine Fachgebiete vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und möchte mein Wissen da gerne teilen.“ Die eigene Modemarke möchte er dann in einem Concept-Store vertreiben, gemeinsam mit seinem Freund, der sich vor allem mit Interior Design beschäftigt. Die Grundlage dafür dürfte durch den Award schon einmal gesichert sein. Eine industrielle Nähmaschine gehörte nämlich auch zum Gewinn.