Winden
Nach Weingut-Brand stehen Zeichen auf Neubeginn
Trotz allem, was sie in dieser Woche erlebt haben, sind Karin und Peter Bitzel doch wieder zuversichtlich. Sie möchten ihr Weingut und die Weinstube „Fassreiwerle“ wieder aufbauen und weiterhin für ihre Gäste und die Weinkunden da sein. Vorerst jedoch haben beide geschlossen. Ein Brand in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte den gesamten Anbau mit der Scheune zerstört. Auslöser sei ein technischer Defekt gewesen, so das Ergebnis der Untersuchungen durch den Brandsachverständigen der Polizei. Es kann an der Gebäudeelektronik oder an der Photovoltaikanlage auf dem Dach gelegen haben. Genaues könne man jetzt nicht mehr feststellen, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Der Gesamtschaden beläuft sich demnach auf eine Summe von 1,3 Millionen Euro.
Gefahr für Tiere
Wie berichtet, wurde beim Brand auch die Photovoltaik-Anlage zerstört. Unzählige scharfkantige Partikel gingen dabei auf die im Süden angrenzenden Wiesen nieder, auf denen sich unter anderem Pferdekoppeln befinden. Auch werden auf dem Weg viele Hunde ausgeführt. Für diese Tiere stellen die Kunststoffpartikel eine große Verletzungsgefahr dar. Deshalb entschloss man sich von Seiten der Gemeinde, die Wiesenfläche in Eigeninitiative zu reinigen. Wegen der einsetzenden Vegetation wollte man nicht auf den Einsatz eines Unternehmens warten. Am letzten Donnerstag gab es nun hierzu einen Arbeitseinsatz, an dem sich vor allem auch rund 30 Kräfte des Technischen Hilfswerkes (THW) der Ortsverbände Germersheim, Bad Bergzabern und Landau, aber auch die Gemeindebediensteten und einige freiwillige Helfer beteiligten. Schon zur Mittagszeit konnte die Arbeit auf einer Fläche von rund 30.000 Quadratmetern erfolgreich abgeschlossen werden, hieß es in einer Mitteilung, die Ratsmitglied Christoph Foos verbreitete. Seiner Meinung nach sei jetzt die Gefahr für die Störche, Pferde und dort ausgeführten Hunde weitestgehend gebannt. Nach dem Arbeitseinsatz wurden die Helfer im Clubhaus der Sportfreunde „Germania“ verpflegt.
Gut nur, so sagt jetzt Peter Bitzel, dass beim Brand das zur Hauptstraße gelegene Wohnhaus und die Gebäude in der Nachbarschaft nicht betroffen waren. Dafür sorgten wohl nicht nur die in der Nacht ruhige Wetterlage, sondern vor allem der Einsatz der Feuerwehren aus der gesamten Verbandsgemeinde Kandel, aus Bad Bergzabern und sogar aus Wörth. Sie hatten das Feuer relativ bald unter Kontrolle gebracht, obwohl man Löschwasser heranschaffen musste, weil die Wasserleitungen im Dorf nicht ausreichend waren. Wie zu erfahren war, sorgte Wassermeister Markus Kern von den Verbandsgemeindewerken Kandel dann dafür, dass ausreichender Druck für die weitere Arbeit hergestellt wurde.
Große Hilfsbereitschaft
Karin und Peter Bitzel zeigten sich am Donnerstag jedenfalls sehr dankbar dafür, dass die Feuerwehrleute so schnell vor Ort waren und noch Schlimmeres verhindern konnten. Vor allem sind sie erleichtert darüber, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien, weder Bewohner noch Einsatzkräfte. Die Mieter und Mitarbeiter konnten schnell in anderen Wohnungen untergebracht werden. Eine Familie zieht in die Wohnung der Ortsgemeinde beim Heimatmuseum. Die wird, so sagt Ortsbürgermeister Peter Beutel am Mittwochabend bei der Sitzung des Ortsgemeinderates, gerade renoviert und mit gespendeten Möbeln ausgestattet. Er rechne mit einem Einzug zum Wochenende. Einem Aufruf auf Facebook für Sach- und Kleiderspenden folgten viele Freunde und Bekannte der Familie Bitzel. Schon kurz nach der Veröffentlichung durfte sich Karin Bitzel bedanken. Nun haben die Mitarbeiter wieder genügend Kleidungsstücke zur Verfügung, denn ihnen war alles verbrannt. Sachspenden, die von diesen nicht benötigt werden, werden zur Sammelstelle im Bürgerhaus Winden gebracht, die von Ratsmitglied Nadja Renz betreut wird und für Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet wurde.
In Brandschutz investiert
Die Mitbewohner waren gleich nach Ausbruch des Brandes von Peter Bitzel aufgefordert worden, die Wohnungen zu verlassen. Über eine Freitreppe konnten sie sich vor den Flammen retten. Wie Bitzel sagte, habe er in den letzten Jahren erhebliche Brandschutzauflagen erfüllt, Brandwände und rauchdichte Türen eingebaut. Das habe sich jetzt bewährt, sonst wäre wohl auch das Wohnhaus nicht verschont geblieben. Der Brand hätte sich nämlich schnell über das Dach ausbreiten können. „So hatten wir nochmal Glück im Unglück“, meint der Winzer aus Winden.
Einen ganz klaren Gedanken habe sie noch nicht fassen können, sagt Karin Bitzel zur „RHEINPFALZ“. Vor Ort sei jetzt nach den Gutachtern auch eine Spezialfirma, die erst einmal die Brandstelle räumt. Aber eines sei klar. Man wolle auf jeden Fall bald wieder für die Kunden da sein. Wenn alles gut laufe, so ergänzt ihr Mann Peter, dann hoffe man auf eine Wiedereröffnung der Weinstube „Fassreiwerle“ im Frühjahr nächsten Jahres. Beide vergessen nicht, allen Helfern des THW, des DRK und den Feuerwehren für deren großartigen Einsatz und die erfahrene Unterstützung durch Freunde und Bekannte zu danken.