Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Wahlkrimi ist Brandl neuer Landrat

Der neue Landrat Martin Brandl.
Der neue Landrat Martin Brandl.

Lange sieht es nach einer Stichwahl aus. Doch dann wird CDU-Mann Martin Brandl mit einer absoluten Mehrheit zum neuen Landrat gewählt. Ein Blick auf einen spannenden Abend und die Reaktion der Kandidaten.

Am Ende haben 24 Stimmen den Ausschlag geben. Martin Brandl erhielt 31.368 der gültigen Stimmen, diese 24 Stimmen sorgten dafür, dass er die absolute Mehrheit erhielt. Noch um 22.45 Uhr steht am Sonntagabend nicht fest, ob CDU-Kandidat Martin Brandl aus dem Stand den Posten des Landrats erringen kann oder ob er in die Stichwahl gehen muss. Denn nachdem Brandl lange Zeit bei den Zwischenergebnissen über 50 Prozent und damit die absolute Mehrheit hatte, lag er nach Auszählung von 128 von 130 Stimmbezirken nur noch bei 49,8 Prozent. Das entscheidende Quäntchen fehlte noch. Allerdings war unter den zwei noch ausstehenden Stimmbezirken noch Rülzheim – der Heimatort von Brandl, in dem er auf viele Stimmen hoffen durfte.

„Das war schon ein absoluter Krimi“, sagt Brandl wenige Minuten, nachdem die Entscheidung gefallen ist. „Jetzt ist die Erleichterung groß und jetzt feiern wir noch.“ Es sei ein sehr gutes Ergebnis gegen fünf andere Kandidaten, „das ist ein starker Wählerauftrag, auch im Hinblick auf den Abstand zu den anderen“, sagt er. „Darin liegt auch ein Auftrag für mich. Das ist eine Herausforderung, der ich mich ab 1. Dezember stellen werde.“

Gibt es eine Stichwahl?

Auch blieb bis zum Schluss offen, wer im Zweifel der zweite Kandidat bei einer Stichwahl sein würde: Hinter Brandl lag um 22.45 Uhr noch Bernd Schattner (AfD), der schließlich 17,5 Prozent erreichen sollte. Schattner war als erster Landratskandidat der AfD in Rheinland-Pfalz ins Rennen gegangen und hatte aufgrund des Höhenflugs seiner Partei in den Umfragen auf viele Proteststimmen gehofft. „Für uns ist das ein Achtungserfolg“, sagt Schattner. Die Ergebnisse bei der Landratswahl und im Kreis hätten gezeigt, dass die AfD auch auf kommunaler Ebene angekommen sei. „Immerhin haben wir die Kanzlerpartei auf Platz 3 verdrängt“, so Schattner. „Eine Stichwahl wäre schön gewesen. Aber wenn man den Bekanntheitsgrad von Martin Brandl bedenkt und weiß, wie lange er hier schon politisch aktiv ist, geht das Ergebnis in Ordnung.“

Bedrückt über Ergebnis

Dabei sah es am Anfang noch so aus, als könnte SPD-Kandidat Ziya Yüksel den zweiten Platz erringen. Im Endspurt sollte er jedoch auf Platz drei zurückfallen und 13,7 Prozent erzielen. „Ich habe es fast befürchtet in die Richtung und die Großwetterlage in Berlin war ja sowieso negativ, dann kam Mannheim dazu ...“, sagt Yüksel nachdenklich. „Deswegen war es mir wichtig zu kandidieren.“ Er habe ein Angebot gemacht, auf alle Menschen zuzugehen. „Dass das nicht honoriert wurde, macht mir etwas Sorge. “ Er sei auch etwas enttäuscht, „aber man muss ja froh sein, dass es nicht zu einer Stichwahl mit der AfD kommt.“ Martin Brandl müsse man „klar beglückwünschen, er hat ja die Wahl gewonnen.“ Er selbst habe an über 1000 Türen geklopft und gemacht, was er konnte. „Wir müssen zum Thema Demokratie zusammenhalten“, das sehe er auch als Auftrag für die Zukunft.

Auf Platz vier lag von Anfang an Volker Hardardt (Freie Wähler). Der Ortsbürgermeister von Lustadt war an dem Wahlabend schon in diesem Amt bestätigt worden. Abschließend kam er bei der Landratswahl auf 9,4 Prozent. Ein paar Stimmen mehr hat sich Hardardt schon erhofft, das gibt er offen zu. Am Ende wollten nur 9,4 Prozent der Wähler den Lustadter Ortsbürgermeister auch als Landrat sehen. „Es war trotzdem eine wichtige Erfahrung“, so Hardardt, auch wenn die Mehrfachbelastung an seinen Kräften gezehrt hat. „Wie als Freie Wähler sind ja nicht so gut aufgestellt wie die CDU oder die SPD. Ich habe in den letzten Wochen gesehen, wo bei uns die Schwachstellen sind. Das kann uns für künftige Wahlen helfen“, meinte Hardardt

Froh über Achtungserfolge

Eine komplette Newcomerin in der Kommunalpolitik ist Barbara Christina Merz (Grüne). Mit 6,1 konnte sie durchaus einen Achtungserfolg erzielen. Nun wartet sie darauf, ob sie für die Grünen in den Kreistag oder den Stadtrat Wörth eingezogen ist. „Es war für mich der erste Wahlkampf. Deshalb sehe ich das positiv. Ich habe mehr als 5 Prozent erreicht, das war mein Ziel“, so Merz. Den Wahlkampf sieht sie als wertvolle Erfahrung.

Auch der Vertreter von die PARTEI hat mit 3,3 Prozent ein Ergebnis erreicht, mit dem zufrieden sein kann. „Ich bin ja ein kompletter Neuling, ernsthaft habe ich mit maximal 2 Prozent gerechnet, deshalb sind 3,3 Prozent gut“, sagt Nicolas Schwarz. Angetreten sei die PARTEI ja nur, um vielleicht ein paar Stimmen von der AfD wegzulocken. „Vielleicht haben wir es ja geschafft und so eine Stichwahl mit einem AfD-Kandidaten verhindert, dann war es ein Erfolg“, meint Schwarz. Die vielen Gespräche, die er in den vergangenen Wochen mit den Bürgern geführt hat, empfindet er als überaus positiv. Er will auf jeden Fall mit der Politik weitermachen: „Na ja, nächstes Jahr ist schon Bundestagswahl ...“

Die Kreisverwaltung Germersheim.
Die Kreisverwaltung Germersheim.
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