Wörth
Nach Gestank-Problemen: Papier-Palm setzt wieder auf Lastwagen-Transport
Um einen nachhaltigen Transportverkehr zwischen den Palm-Papierwerken in Aalen und Wörth zu schaffen, wurden eigens neue Gleise verlegt. Vor knapp zwei Jahren kündigten die Güterverkehrssparte des Deutschen Bahn DB Cargo und die Papierfabrik die „Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte“ an. Ein „effizientes Rundlaufkonzept für Reststoffe und Papier“ auf der Schiene zwischen der Pfalz und Schwaben sollte Lastwagen weitgehend überflüssig machen. Doch mittlerweile ist Palm wieder auf die Straße zurückgehrt.
Stinkende Waggons auf den Gleisen
Was ist passiert? Im April beschwerten sich in Aalen zunehmend Menschen über Gestank. Die Ursache war bald gefunden. Aus roten Güterwaggons strömte ein abscheulicher Geruch, der umso stärker wirkte, je wärmer die Temperaturen und je länger die Waggons standen. Geladen hatten diese Waggons alles, was sich dann irgendwie doch in der Altpapiersammlung befindet: Styropor, Folien, Heftklammern und andere Metallteile oder Kunststoffe bis hin zum Hausmüll. Dieser Restmüll sollte eigentlich nach Wörth transportiert werden. Hier sollte er verbrannt und teilweise als Wärme weiter genutzt werden.
Um die Geruchsbelästigung in Aalen zu verhindern, sollte der Müll innerhalb des „Rundlaufkonzepts“ eigentlich drei Mal pro Woche abtransportiert werden. Stattdessen blieb er ohne geruchsdichten Verschluss in den Containern am Bahnhof. Als die Stadt Aalen auf Basis der Polizeiverordnung ein Ultimatum für das Ende der Zwischenlagerung des Mülls am Bahnhof setzt, beginnt ein Streit der einstigen Kooperationspartner.
Wer ist für Container zuständig?
Das Papierwerk Palm warf der DB Cargo Vertragsbruch vor. Demnach sei Palm lediglich für das Befüllen von leeren Containern verantwortlich. „Die DB Cargo stellt die Container sowie die Bahnfahrgestelle zur Verfügung und transportiert sie auf der Schiene in die Papierfabrik nach Wörth“, so der Papierproduzent. Man habe sich schriftlich zusichern lassen, dass der Müll nicht am Aalener Bahnhof zwischengelagert und drei Mal pro Woche abtransportiert werde. Die DB Cargo habe sich nicht daran gehalten.
Die Bahntochter kontert: „Die vertraglich vereinbarten Abfahrten hat DB Cargo eingehalten“, so ein Firmensprecher gegenüber der RHEINPFALZ. Palm habe nur eine begrenzte Zahl an Waggons laden können und am Werk nicht ausreichend Abstellkapazitäten gehabt, so dass die Waggons an einem anderen Ort gesammelt werden mussten, um einen ausreichend großen Zug zu bilden. Vorgeschlagene Alternativen, die zu höheren Kosten geführt hätten, seien von Palm abgelehnt worden.
Neue Systeme werden geprüft
Aufgrund der Probleme entschied sich Palm wieder für den Transport der Abfallstoffe von Aalen nach Wörth mit dem Lastwagen. Die Reststoffe aus dem Altpapier werden seit einigen Wochen wieder in einer geschlossenen Halle im Aalener Werk gesammelt und auf einen Lastwagen verladen. „Dadurch sind die Geruchsbelästigungen dauerhaft und endgültig gelöst“, heißt es von Palm in einer Pressemittelung. Aus Umweltgründen wolle man aber weiter möglichst viele Transporte auf die Schiene bringen. Dazu würden intensiv andere schienengebundene Logistiksysteme untersucht, die zu keinen Geruchsproblemen mehr führen könnten. Auf eine Anfrage der RHEINPFALZ zum Thema und den Auswirkungen auf das Werk in Wörth wollte sich das Unternehmen nicht äußern.
Obwohl auch die DB Cargo bestätigte, den Vertrag mit Palm zum Abtransport der Reststoffe „einvernehmlich beendet“ zu haben, ist die Bahntochter auch im Fall von Müll überzeugt: „Der klimaschonende Transport kann gut funktionieren.“ Dabei wäre auch eine neuerliche Zusammenarbeit mit Palm denkbar. „Eine Wiederaufnahme würde aber geruchsdichtes Equipment erfordern“, so der Bahnsprecher. Für Palm wäre die Anschaffung von geruchsdichten Containern aber mit höheren Kosten verbunden.
Für die DB Cargo sei dies der erste Fall gewesen, bei dem der Transport von Abfällen zu solchen Geruchsbelästigungen führte, sagt der Bahnsprecher. Die Bahn hätte aus dem Fall gelernt. „Wir werden zukünftig im Dialog mit dem Kunden das Thema Geruchsemmission deutlich stärker fokussieren und den Kunden auf solche Folgen sensibilisieren.“
Ganz beendet ist auch die Zusammenarbeit zwischen der Bahn und Palm noch nicht. Weiterhin werden Papierrollen auf der Schiene in den Hafen nach Amsterdam transportiert.