Kreis Germersheim
Nach überfüllten Kellern: Lokaler Starkregen ist kaum vorhersagbar
Der Himmel wird immer dunkler, erst fallen einzelne Regentropfen, dann ist es so heftig, dass in kurzer Zeit Wasser aus der Kanalisation austritt, anstatt darin zu verschwinden. Ein Starkregenereignis findet gerade statt. Per Definition ist es die Menge an Niederschlag pro Zeit. Also wie viele Liter Regen auf den Quadratmeter innerhalb einer Stunde oder mehr fallen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterscheidet drei Arten von Starkregen: Eine markante Wetterwarnung liegt vor, wenn Regenmengen von 15 bis 25 Liter (l) pro Quadratmeter (m²) innerhalb einer Stunde fallen oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden. Das traf für Germersheim am Freitagabend zu. Von Unwetter spricht der DWD bei Regenmengen von mehr als 25 bis 40 l/m² in einer Stunde oder mehr als 35 l/m² bis 60 l/m² in 6 Stunden. Winden und Minfeld hatten mit einem extrem heftigen Starkregen zu kämpfen, da Regenmengen von mehr 40 l/m² in 1 Stunde oder mehr 60 l/m² in 6 Stunden (Warnung vor extremem Unwetter) fielen.
Wetterphänomen Konvergenz
Christian Müller, Geschäftsführer von Klima Palatina in Maikammer, spricht von einem Wetterphänomen, das sich am Freitagabend in der Südpfalz ereignete. Plakativer wie auf dem Bild mit der St. Dionysius Kapelle im Vordergrund „kann es nicht dargestellt werden“, sagt Müller. Ausgelöst wurde der Starkregen dem Geschäftsführer zufolge durch eine sogenannte Konvergenz. Das heißt, dass viel warme Luft aus unterschiedlichen Richtungen am Boden horizontal zusammenströmt und dann schnell nach oben steigt. „Man kann sich das wie ein Luftballon vorstellen, der unten zusammengedrückt wird und die Luft sich nach oben ausdehnt“, beschreibt Christian Müller das Phänomen. In der Höhe kühlt sich die feuchtwarme Luft ab und es beginnt schlagartig zu regnen.
Das ist in Minfeld und Winden geschehen. Dabei fielen nach Angaben von Müller „rund 40 bis 50 Liter pro Quadratmeter“. Die Feuerwehr meldete 85 Liter pro Quadratmeter. Wo kommen die unterschiedlichen Werte her? Müller sagt, dass sie als Büro für meteorologische Dienstleistungen nur auf standardisierte Messwerte zurückgreifen – also auf Werte zertifizierter Messstationen. Und die Messstationen der Region hätten unterschiedliche Werte geliefert. Das bestätigt auch Manuel Meinzer in Büchelberg. Seine Station habe nur zehn Liter Niederschlag registriert. Er selbst sei an dem Abend in Minfeld gewesen und dort sei in dem Haus auch der Keller mit Wasser vollgelaufen. Eine Messstation in Winden habe über 40 Liter registriert, sagt Meinzer noch. Müller ergänzt, dass an dem Abend in den beiden Orten etwa „Zweidrittel der Niederschlagsmenge für den gesamten August“ gefallen ist. Denn in der Südpfalz fallen im langjährigen Mittel durchschnittlich im Juli etwa 60 Liter Niederschlag und im August zirka 65 Liter. Das Rekordjahr mit dem meisten Niederschlag in der Südpfalz war im August 1968. Damals fielen 203 Liter, zitiert Christian Müller die Statistik. Damals fielen an einem Tag 56 Liter. 1972 war es der bislang trockenste August mit 6 Litern.
Kurze Vorhersagezeit
Das Problem bei der Vorhersage extremer Wetterereignisse ist, dass wie im Fall von Freitagabend, diese Konvergenz nur etwa 15 Minuten vor ihrem Eintreten auf dem Wetterradar sichtbar wird. „Für eine effektive Warnung viel zu kurz“, sagt Müller. Die Daten für die Wettervorhersagen stammen von drei großen Rechenmodellen – unter anderem von Deutschland und Amerika. Und diese basierten wiederum auf unterschiedlichen Ausgangsdaten. Dadurch sehe man zwar, wie sich die Wetterlage entwickle, welche Niederschläge fallen können, doch sei dies örtlich unterschiedlich. Das habe man ja am Freitag gesehen. So komme es, dass in einem Ort Niederschlag falle und im Nachbarort nicht. Doch wenn es zu einer Entladung eines solchen Starkregens komme, können diese Wassermassen in so kurzer Zeit keine Kanalisation aufnehmen. Das Ergebnis seien Überschwemmungen und teilweise vollgelaufene Keller.