Landau / Wörth
Mutmaßlicher Messerstecher entschuldigt sich
Herauszufinden, warum genau der 19-Jährige auf zwei Feiernde eingestochen hat, gestaltete sich als schwierig. Nach zwei Prozesstagen am Landauer Landgericht scheint sich aber eine Tendenz herauszubilden. Am Freitag haben die Opfer gesprochen.
Klar ist allen, dass die Chemie nicht gestimmt hat in dieser Nacht im Januar. Der Angeklagte, der von seiner Cousine ohne das Wissen des Gastgebers eingeladen wurde, eckte bei einigen auf der Party an. Die Stimmung war vergiftet. Nur einer der Feiernden, der später als erster die Klinge zu spüren bekam, suchte zunächst die Nähe des Neuankömmlings. Beide hatten bereits Alkohol getrunken und machten gemeinsam weiter. Im Spaß wollte man sich raufen, was der Angeklagte eigenen Angaben zufolge ablehnte. Am Ende kam es schließlich dazu, dass vier der Gäste im Hof bedrohlicherweise auf ihn zugelaufen wären, woraufhin er dem ersten Opfer in den Brustkorb stach, danach vom Gastgeber an eine Wand gedrückt und angeschrien wurde, und diesem zwei Stiche in die Seite verpasste.
Erinnerungslücken bei Zeugen
Auch wenn die vier bisher verhörten Zeugen alle gewisse Erinnerungslücken hatten, sieht es danach aus, dass der Angeklagte mit seiner Version der Ereignisse momentan alleine dasteht. So haben bislang alle Zeugen ausgesagt, dass zum Tatzeitpunkt nur die beiden Opfer im Hof waren, die anderen beiden angeblichen Angreifer aber in der Wohnung. Auch hieß es von mehreren Seiten, der Angeklagte habe sehr wohl im Spaß mitgekämpft, zumindest bis zu einem gewissen Punkt.
Am Freitag kam das erste Opfer, ein 29-jähriger Mann aus Karlsruhe, zu Wort. Er gab an, dass er und der Angeklagte den ganzen Abend über spielerisch gerauft hatten. Auch zum Tatzeitpunkt im Hof sei es aus seiner Sicht nicht ernst gewesen – vielleicht sei für den Angeklagten irgendwann der Spaß vorbei gewesen. Nachdem die Rangelei im Hof vom Gastgeber getrennt wurde, sei er zurück in die Wohnung gelaufen. Da habe er ein Drücken im Brustkorb bemerkt. Auch fiel ihm das Luftholen schwer. Erst dann bemerkte er, dass er blutete. Später wurde festgestellt, dass sein Lungenflügel kollabiert war. Er musste sechs Tage im Krankenhaus verbringen.
Noch übler kam es für den Gastgeber, der am Freitag ebenfalls aussagte. Nachdem er den Angeklagten und sein erstes Opfer getrennt hatte, drückte er ihn mit erhobener Faust an die Wand. Was er ihm entgegenbrüllte ist unklar: Der Angeklagte sagt, er habe ihn mit dem Tode gedroht. Er selbst will sich nur erinnern, ihn lautstark zum Gehen aufgefordert zu haben. Auch er bemerkte einen plötzlichen Druck, ließ vom Angeklagten ab, der dann abhaute. Als sich sein weißes T-Shirt schnell rot färbte, war allen klar, was geschehen war. Er brach daraufhin in seiner Wohnung zusammen, musste notoperiert werden und eine Woche auf der Intensivstation verbringen.
Das Opfer, ein stämmiger Kerl, ist von Beruf Möbelpacker. Er konnte seiner Arbeit 4 Monate lang nicht nachgehen, klagt noch heute über Folgeschäden. „Ich kann nicht mehr so arbeiten wie früher. Und die Bilder kommen immer wieder hoch. Wenn ich an der Stelle vorbeilaufe, oder wenn ich versuche einzuschlafen.“ Der Angeklagte entschuldigte sich bei beiden Opfern nach deren Aussagen, sagte zum Ersten: „Es ist scheiße gelaufen. Es tut mir leid und ich werde meine gerechte Strafe bekommen.“