Kreis Germersheim
„Montagsspaziergänge“: Trotz Verbot Unruhe in den Straßen
„Hier spricht die Polizei“. Mit diesen Worten wurden kurz nach 18 Uhr am Paradeplatz die „Spaziergänger“ empfangen, die sich am Rande des Luitpoldplatzes vor der Kreisverwaltung versammelt hatten und losgezogen waren. Mit der Lautsprecherdurchsage wurden die rund 60 Menschen auf das bis Montag kommende Woche geltende Verbot unangemeldeter Veranstaltungen der Kreisverwaltung aufmerksam gemacht, sofern sie dieses nicht kannten. Wenige waren das nicht, denn schon im Vorfeld haben sie diese in kleinen Gruppen zusammenstehend diskutiert.
Und diese kleinen Gruppen zogen dann auch in verschiedenen Richtungen durch die Stadt: Vom Luitpoldplatz über den Paradeplatz in die Orffstraße, von dort in die 17er-Straße und über den Königsplatz. Dort verteilten sich die Gruppen in verschiedene Richtungen, gefolgt von der Polizei, die ebenfalls in kleineren und größeren Gruppen unterwegs war oder an strategisch günstigen Punkten wartete.
In kleinen Gruppen unterwegs
Immer wieder gab es Ansprachen. Vereinzelt wurden Personalien kontrolliert, wenn Angesprochene mit unhöflichen und uneinsichtigen Worten den Aufforderung der Polizei nicht nachkamen. Dennoch blieb es ruhig und gegen 20 Uhr haben sich die einzelnen Gruppen aufgelöst.
Gegen 19.10 Uhr fanden etwa 50 Menschen in kleinen Grüppchen in Kandel am Marktplatz und vor dem Alten Rathaus zusammen. Ein Teil machte sich auf Richtung Verbandsgemeindeverwaltung und wurde von dort mit Hinweisen auf einen möglichen Platzverweis zurückgeschickt. Auf die Ansprache der Polizei reagierten Teilnehmer mit Aussagen wie „Wir wollen nur frische Luft schnappen.“
„Es wird einem die Freiheit geraubt“
Als sich das Geschehen nach etwa einer Stunde auflöste, kam es auf dem Marktplatz noch zu etwas Geplänkel: Eine Frau wollte die Allgemeinverfügung ausgedruckt haben und bekam das Papier von der Polizei in die Hand gedrückt. Außerdem ließen sich zwei Frauen auf den Treppenstufen der Ludwig-Riedinger-Grundschule nieder und spielten Musik ab. Als die Polizei die beiden aufforderte, dies zu unterlassen, sahen sich die Beamten vielen Handykameras gegenüber, die das Geschehen offensichtlich dokumentieren wollten. Immer wieder gab es Kommentare wie „Es wird einem die Freiheit geraubt“ oder „Man darf gar nichts mehr“.
In Wörth waren nach Schätzung der Polizei 20 bis 30 Menschen in kleinen Gruppen zum Alten Rathaus gekommen. Dort wurden sie von den Ordnungsbehörden weg geschickt. Einige deuteten an, dass sie rein zeitlich gesehen zur nächsten Demo nach Germersheim oder Kandel fahren könnten. Kerzen waren an diesem Montag an keinem der drei Orte zu sehen.
Rund 400 Menschen mit Kerzen am Rhein
Verbotene Candle-Light-Veranstaltungen am Rhein fanden aber am Sonntagabend in Maximiliansau, Germersheim und Leimersheim statt. Dies teilte die Kreisverwaltung an Anfrage mit. Eine weitere Veranstaltung mit etwa 100 Menschen gab es in Maximiliansau.
Laut Polizei haben in Germersheim rund 200, in Leimersheim rund 100 Menschen teilgenommen, so die Kreisverwaltung: „Nach Ansprache durch die Polizei löschten diese ihre Kerzen und verließen die Plätze.“ Das Ordnungsamt der Kreisverwaltung sei nicht vor Ort gewesen. Die Frage, warum auf Kontrollen durch das Ordnungsamt verzichtet wurde, beantwortete die Kreisverwaltung nicht.
Bei den Demonstrationsteilnehmern in Germersheim und Leimersheim habe es sich überwiegend um Familien gehandelt, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigshafen. Die Corona-Regeln seien eingehalten worden. In Maximiliansau war der Polizei offenbar nichts aufgefallen.