Kreis Germersheim Mit Siegeszug der Ölheizung wird Holz wertlos

Placeholder-Image

Wörth/Hagenbach. Bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges blieb die Bienwaldregion im Wald wie im Offenland geprägt von einer intensiven Flächen- und Ressourcennutzung. Noch immer lag ein sehr hoher Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung im Bereich des Energiebedarfs und der Grundnahrungsmittel vor. Viele Zeitzeugen können noch davon berichten.

Brennholz wurde noch immer in vielfältiger Form intensiv genutzt. Noch bis in der 50er Jahre wurde Leseholz im Bienwald gesammelt und teilweise auch noch um die entsprechenden Rechte prozessiert. Es wurden sogar auch noch Bäume bestiegen, um trockene Äste abzusägen – erlaubt war dies natürlich nicht. Die Sägestummel sind dennoch an manchen Bäume heute noch zu erkennen. Noch immer lag in der Bienwaldregion der Schwerpunkt der Erwerbstätigkeit in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft. Doch jetzt begann mit der zunehmenden Industrialisierung ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel. Mit der zunehmenden Zahl von Arbeitsplätzen und den besseren Verdienstmöglichkeiten in Industrie, Handel und Gewerbe nahm die Abhängigkeit der ländlichen Bevölkerung von Land- und Forstwirtschaft stark ab. Beispielhaft war hier ab den 60er Jahren die zunehmende Verdrängung von Brennholz durch Heizöl. Der Ölpreis lag 1960 bei etwa 0,23 Mark je Liter. Der Preis von einem Ster Buchenholz lag in dieser Zeit bei bis zu 120 Mark (etwa heutiger Wert bei waldfrischem Holz). Bei einem unterstellten Brennwert von etwa 200 Litern Öl ergab sich hierfür ein äquivalenter Vergleichswert von etwa 46 Mark. Damit war das Heizen mit Öl erheblich billiger als das Heizen mit Holz. Zudem war das Heizen mit den neuen Ölöfen weniger zeitaufwendig und bequemer zu handhaben als die aufwendige Holzverbrennung. Die Folge: Die Stock- und Leseholzgewinnung, das Sammeln von Zapfen und die Wellenholzaufarbeitung wurden aufgegeben. Es kam zu einer „wegbrechenden“ Brennholznachfrage. Dies führte im Bienwald dazu, dass nach Holzeinschlägen zunehmend Flächenräumungen unterblieben beziehungsweise vor neuen Pflanzungen Schlagabraum unter hohem Aufwand von den Forstämtern selbst beseitigt, zum Teil auf den Flächen verbrannt werden musste. Viele Jahrhunderte lang war Brennholz in der Region ein knappes Gut gewesen. Noch bis in die 50er Jahre wurden um Leseholz Prozesse geführt, jetzt war innerhalb von 20 Jahren schwaches und geringwertiges Holz teilweise ein „Entsorgungsproblem“ geworden. Dies blieb im Wesentlichen so bis in die 80er Jahre. Erst dann nahm mit den steigenden Ölpreisen und verbesserter Verbrennungstechnik das Interesse an Brennholz wieder zu. Mit dem Einbruch der Energieholznachfrage kam es im Bienwald gleichzeitig in einem Umfang zur Zunahme von nicht weiter verwertbarem Tot- und Biotopholz, wie es vorher über viele Jahrhunderte undenkbar gewesen wäre. In großem Umfang gaben seither Landwirte ihre kleinen Betriebe auf und fanden Arbeit in Industrie, Handel und Gewerbe. Die Streunutzung im Wald wurde genauso aufgegeben wie die Grasnutzung für das Vieh. Damit vollzog sich die vollständige Trennung von landwirtschaftlich genutztem Offenland und forstlich genutzten Waldflächen. Mit der Aufgabe der Streunutzung erholten sich die Waldböden. Im Jahr 1985 begann der Übergang zur naturnahen Waldwirtschaft. Mit der weitgehenden Aufgabe von Kahlschlägen kam es auch zwangsläufig zum Rückgang der Kahlflächen im Bienwald. Seither nahmen Laub- und Mischbestände, Ungleichaltrigkeit, Alt-, Biotopbaum- und Totholzvorkommen und damit auch die Naturnähe des Bienwaldes deutlich zu und dabei auch der Dichtschluss des Waldes. Sehr lichte Wälder, insbesondere lichte wenig gemischte Kiefernbestände die früher infolge der historisch starken Übernutzung und Aushagerung der Flächen verbreitet waren, verloren seither deutlich an Fläche. Damit einher ging auch ein Rückgang der auf diese Bedingungen angewiesenen Heidelbeere sowie von sonstigen sogenannten „Lichtwaldarten“.

x