Kreis Germersheim Mit Musik das Herz des Großvaters erobert

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Wörth. Kennengelernt haben sich Beate und Alois Geißer in Steinfeld auf dem Heidelbeerweinfest. Und das, obwohl sie beide aus Wörth stammen. „Ich war allerdings aus Oberwörth und sie kam vom Deich“, erklärt Alois Geißer. Das war die frühere Bezeichnung für das Gebiet um die Friedrichstraße. Die Cliquen waren entsprechend getrennt. Doch die beiden haben sich gefunden und vor 60 Jahren geheiratet.

Richtig wahrgenommen hat Alois seine Beate bei einem Umzug, den die Musikvereine organisierten. „Jeder Verein hatte dazu eine Vereinsdame – ein Mädchen, das besonders hübsch gemacht den Verein repräsentierte“, erinnert sich der Jubilar. Beate war die Vereinsdame des Hagenbacher Musikvereins. Damals war sie 16 und Alois 18 Jahre alt. Beate selbst kam aus einer Musikerfamilie, wuchs bei den Großeltern auf. Der Großvater hatte ein Auge auf den jungen Alois, der mit seiner Musik-Begeisterung schon Pluspunkte sammelte. „Ich wollte zuerst Musiker werden, doch mein Vater kam erst 1949 aus dem Krieg und meine Tante sagte zu mir, ich müsse einen Beruf lernen“, erklärt er. Die Tante besorgte ihm einen Ausbildungsplatz zum Klempner und Installateur in Karlsruhe – was in der Nachkriegszeit kein einfaches Unterfangen war. „Karlsruhe war amerikanische Zone, wir hier französische. So brauchte ich einen ,Laisser passer` – eine Durchgangsberechtigung.“ Die Musik ließ ihn jedoch nicht los, er belegte Abendkurse am Konservatorium Karlsruhe, lernte unter anderem Klavier und spielte später mit einer Gruppe Tanzmusik. Dass die Musik immer einen großen Stellenwert einnahm, hat Beate Geißer akzeptiert und ihn dabei unterstützt. „Als wir jung waren, hatten wir kein Geld, allerdings hatte Alois einen Bauplatz geerbt. Und wir wollten schnell anfangen zu bauen“, erinnert sich Beate Geißer. Und heiraten. Dazu brauchte es noch die Unterschrift des Großvaters, schließlich war sie mit 20 Jahren noch nicht volljährig. Jeden Pfennig haben sich die jungen Leute für das Haus zurückgelegt, alles selbst gebaut. 1957 konnte das Paar einziehen. Ihre beiden Söhne wurden 1959 und 1966 geboren. Alois Geißer arbeitete bei Siemens in Karlsruhe, absolvierte zwei Meisterprüfungen. 1960 eröffnete er sein eigenes Geschäft in Wörth. Zahlreiche Großprojekte im aufstrebenden Wörth hat er mit der Unterstützung seiner Frau bearbeitet. Zu Anfang half sie mit, übernahm in der wachsenden Firma später die Büroarbeit sowie den Verkauf in einem Geschäft für Geschenkartikel, kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt. Und widmete einen großen Teil ihrer Zeit der Unterstützung ihres Mannes bei seinem Hobby – der Musik. „Er war 25 Jahre ehrenamtlicher Vorsitzender des Landesmusikverbandes Rheinland-Pfalz, 18 Jahre Vorsitzender des Musikvereins Wörth und im Kirchenchor“, erklärt sie. Neben der unermüdlichen Arbeit, die heute noch Alois` zweites Hobby ist, hat die Familie zahlreiche Reisen in die ganze Welt unternommen. Auch heute fahren sie gerne spontan weg. Das Ehepaar Geißer ist gerne in Gesellschaft, besucht Veranstaltungen in gemütlichen Gasthäusern. Sie haben Höhen und Tiefen durchlebt, aber trotz unterschiedlicher Meinung und Ansichten immer zusammengehalten und sich respektiert. Einen Schock erlebte die Familie, als Alois Geißer 2004 einen Herzinfarkt erlitt, bei dem sein Leben auf der Kippe stand. In dieser schweren Zeit war seine Frau immer an seiner Seite. „Wir sind froh, dass wir uns haben. Und wir sind dankbar, wenn wir gesund noch ein paar Jahre gemeinsam miteinander leben“, da ist sich das Ehepaar einig. Sofern es die Gesundheit zulässt, wollen die beiden weiter reisen. Etwas vorgefeiert haben die beiden im September im Dom, als dort Ehejubilare zu einem gemeinsamen Gottesdienst geladen waren. Heute wird in kleinem Kreis zuhause gefeiert. (kbro)

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