Kreis Germersheim Mit Geld aus Mainz Abriss vielleicht vermeiden

Das rechte der beiden Fachwerkhäuser soll trotz Denkmalschutz einer Garage weichen, der Abriss ist bereits genehmigt.
Das rechte der beiden Fachwerkhäuser soll trotz Denkmalschutz einer Garage weichen, der Abriss ist bereits genehmigt.

Der Abriss des denkmalgeschützten Hauses Ludwigstraße 20 in Jockgrim kann vielleicht doch noch vermieden werden. Das Haus steht an der Einfahrt zum historischen Hinterstädtel, direkt gegenüber der Kirche.

Mittlerweile hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf Bitten der Anwohner im Hinterstädtel die Generaldirektion Kulturelles Erbe eingeschaltet. Die soll die Abrissgenehmigung der unteren Behörden nochmals überprüfen. Denn Denkmalschutzbehörde und Gemeinde haben unlängst einem Abriss des Hauses zugestimmt. Das Haus wurde 2012 von Jean-Pierre Baron (Ri-Ba-Bauträger GmbH Kandel) zusammen mit zwei benachbarten Häusern gekauft: Einem ehemaligen Hotel im hinteren Teil des Geländes und einer früheren Gaststätte rechts des fraglichen Hauses. Für die denkmalgeschützte Gaststätte gibt es eine Baugenehmigung zur Umwandlung in ein Einfamilienhaus; sie ist mittlerweile an einen Privatmann verkauft, so Baron. Das ehemalige Hotel hat Baron in einen Komplex mit elf Eigentumswohnungen umgewandelt. Für drei dieser Wohnungen wollte Baron im Fachwerkhaus Ludwigstraße 20 je einen Stellplatz einrichten. Auch wenn die Umwandlung eines Haupt- in ein Nebengebäude ungewöhnlich sei, ist sie erlaubt, so Michael Gauly, Baudezernent bei der Kreisverwaltung. Und er bestätigt: „Der Investor ging mit der Absicht, das Gebäude zu erhalten, in die Planung.“ Aber die Statik bereitete Probleme. Das ursprüngliche Vorhaben würde deshalb so teuer, dass es sich nicht mehr rentiert. Baron beantragte deshalb den Abriss des Gebäudes, weil der Erhalt wirtschaftlich nicht zumutbar sei. Das Denkmalschutzamt stimmte zu. Das rief die Anwohner im Hinterstädtel auf den Plan. Sie befürchten, dass durch einen Neubau das historische Ensemble zerstört wird. Baron, der beispielsweise in Germersheim und Kandel weitaus größere Projekte voran treibt, befindet sich in einer Zwickmühle. Denn er hat die drei Stellplätze bereits zusammen mit drei Wohnungen verkauft. Und zwar alle an einen Privatmann, der die Wohnungen vermietet. Er möchte ungenannt bleiben, betont aber: „Alle einvernehmlichen Lösungen sind mir recht. Hauptsache, es passiert was.“ Auf den Faktor „Zeit“ weist auch Baron hin: „Vor fünf Jahren habe ich das Haus gekauft, seit drei Jahren ist klar, dass es nicht ausbaubar ist.“ Er wolle nicht weitere Jahre warten. Dennoch hat er bei einem Gespräch mit Anwohnern und Bürgermeister Uwe Schwind (SPD) einem Versuch zugestimmt. Jetzt soll versucht werden, die Wirtschaftlichkeitslücke mit Zuschüssen zu schließen – Baron geht zur Zeit von einem sechsstelligen Betrag aus. Ein Gutachten als Grundlage für weitere Gespräche werde gerade erstellt. Fließen soll das Geld aus Töpfen, die es zum Zeitpunkt der ersten Planungen noch gar nicht gab. Gedacht wird an das Leader-Projekt zur Förderung von Gemeinden im ländlichen Raum, so Gauly.

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