Kreis Germersheim Mit einem behinderten Ameisenbär durch den Regen laufen

Wörth. Vorbei ist das Büffeln fürs Abi! Und jetzt? Erst einmal etwas erleben! Und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun, dabei vielleicht ein anderes Stück von der Welt kennen lernen? Das war auch seit längerem der Wunsch von Mona Merkle. Ihr Abitur am Europa-Gymnasium in Wörth hat sie in der Tasche, die Abi-Feier, die sie moderierte, ist verdaut. Und seit einigen Wochen bereits hat sie ihr Zuhause in Wörth eingetauscht gegen eine Unterkunft im mittelamerikanischen Costa Rica.
Wie das kam? Merkle wollte etwas tun, was in der Südpfalz nicht ohne weiteres möglich war. So wandte sie sich an einen Vermittler für Praktika, der ihr eine Stelle in Puerto Viejo vermittelte. Die Stadt liegt im Südosten von Costa Rica an der Karibikküste. Vor ihrer Abreise aus Wörth hatte sie sich schon einige Kenntnisse in der spanischen Sprache beigebracht, Mama Heike Beutler, für einige Zeit mal Lehrerin auf Teneriffa und seitdem mit der spanischen Sprache vertraut, konnte hier etwas behilflich sein. Nun liegen die ersten Wochen hinter ihr und per Mail schilderte sie ihre ersten Eindrücke aus Costa Rica. Hier einige Auszüge: „Das Jaguar-Rescue-Center“ ist eine richtig gute Non-Profit Organisation, der es nicht ums Geld, sondern ausschließlich um das Wohl ihrer Tiere geht. Daher dürfen die Tiere meistens auch mindestens einmal oder den ganzen Tag frei im Center herumlaufen. Ich bin sehr glücklich dort arbeiten und helfen zu dürfen“, berichtet Merkle. Bei dem Center handelt es sich um eine Auffang- und Rehabilitationsstation für heimische Tiere, wie Tapire, Gürteltiere, Jaguare, Affen, Waschbären oder Krokodile, Schlangen, Papageien oder Tukane, die verletzt oder verwaist aufgefunden wurden. Bei der morgendlichen Teambesprechung werden die Gruppen eingeteilt, die tagsüber unterschiedliche Aufgaben zu erledigen haben. Es gibt Laundry-, Kitchen- und Garden-Teams. Am unbeliebtesten sei die Arbeit im Garden-Team. Wer hierzu eingeteilt ist, müsse die Gehege reinigen oder die Affen in den Wald bringen. Dort müssen die Tiere auch beaufsichtigt werden. Schließlich gehe es darum, die Affen wieder an das Leben in der freien Wildbahn zu gewöhnen. Nachmittags werde man dann einzelnen Tieren zugeteilt, die frei im Center herumlaufen dürfen. Allerdings müsse man schon gut auf sie aufpassen, berichtet Mona. „Die Arbeit mit Tieren bedeutet nicht nur den ganzen Tag süße Babys zu streicheln, sondern auch hauptsächlich putzen und andere Knochenjobs bei jedem Wetter. Und ab und zu gefällt einem nicht jede Arbeit, so wie bei mir gestern, als ich vier Stunden lang mit Tammy, unserem etwas behindertem Ameisenbären, im strömendem Regen stand, während er fröhlich durch die Gegend stiefelte.“ Die Putzarbeit lohne sich aber wieder, wenn man dann die süßen Affenbabys betreuen dürfe. Mona: „Besonders die Arbeit mit den Affen ist toll, da diese die unterschiedlichsten Charaktere haben.“ So könne man die Tiere nach und nach kennen lernen, und die Tiere würden ihre Betreuer ebenfalls kennen lernen. Wie Merkle berichtet, kommen Volontäre aus der ganzen Welt ins Jaguar-Rescue-Center nach Costa Rica. Sie bleiben mindestens vier Wochen. Man unterhält sich in Englisch oder Spanisch. Und wenn gar nichts zu gehen droht, unterhalten sich die meist jungen Menschen von überall her mit Händen und Füßen. Die Arbeit sei durchaus anstrengend, und oft werde man sehr dreckig. Man wisse abends, was man geleistet hat. Hin und wieder werde es auch chaotisch, vor allem beim Einarbeiten der neuen Volontäre. Auch Mona ging es nicht anders. So hat ihr vor wenigen Tagen ein Papagei in den Finger gebissen. „So etwas kommt halt vor“, meint sie und freut sich auf die weitere Arbeit, die täglich von 8 Uhr morgens bis 16.30 Uhr geht. Diese sei zwar hart, mache aber sehr viel Spaß. Und bereut hat sie ihre Entscheidung, nach Costa Rica zu reisen und dort zu arbeiten, noch nicht.