Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Mit der „Maimusik“ hat alles angefangen

Erwin und Anna Karcher.
Erwin und Anna Karcher.

„Am Sonntag nach dem 1. Mai hieß es früher in Wörth im Saal der Gaststätte „Zum Hirsch“ „Auf zum Tanzen bei Maimusik“, erzählt der 86-jährige Erwin Karcher. „Und nicht nur die Altwörther wollten ihr Vergnügen haben, auch aus den umliegenden Orten kamen junge Damen und Herren.“

So auch im Jahr 1954, als der damals 19-jährige Karcher die 20-jährige Anna Scherrer aus Hagenbach zum Tanzen aufforderte. „Auf ihn hatte ich gar nicht so geachtet, ich kannte einige seiner Freunde“, erinnert sie sich. „Ab diesem Zeitpunkt ist er aber nicht mehr von mir gewichen“, lacht sie. „Da konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass wir einmal 65 Jahre verheiratet sein und unsere Eiserne Hochzeit feiern würden.“

Bald stellte sich heraus, dass ihr Vater ein Arbeitskollege ihres Tanzpartners bei Zellstoff Maxau (später Holzmann, jetzt Stora Enso) ist. „Damit war Erwin bei uns gut angesehen.“ Etwa ein Jahr nach dem Kennenlernen nahm sich „Annel“ – wie sie in Hagenbach und später auch in Wörth genannt wurde – ein Zimmer in Wörth, ehe am 25. Mai 1956 in Wörth standesamtlich und kirchlich in der Christuskirche geheiratet wurde.

Die Familie wächst und gedeiht

1957 wurde Sohn Erich geboren. Nach dem Einzug ins neu gebaute Haus im ersten Neubaugebiet auf dem Dorschberg in der Adlerstraße 1965 kam der zweite Sohn Markus zur Welt. Inzwischen zählen die Eheleute vier Enkel – jeweils zwei von beiden Söhnen und fünf Urenkel – der älteste ist schon 17 Jahre – zu ihrer großen Familie.

Erwin Karcher arbeitete 20 Jahre als Werkführer bei Stora Enso, wo er 1972 die Papiermacher-Meisterprüfung absolviert hatte, ehe er 1992 mit 58 Jahren in den Ruhestand ging. Zudem half er wie seine Ehefrau, die auch als Näherin beschäftigt war, in der elterlichen Landwirtschaft mit. Bei beiden Ehepartnern bestimmte der Freizeitsport lange ihr Leben und den Tagesablauf.

Sport als wichtiger Teil des Lebens

Nach der Schulzeit begann Erwin mit 14 Jahren mit dem Fußballspielen beim FC Bavaria. Da seine Freunde aber alle Handball spielten, wechselte er nach zwei Jahren zum TV. „Hier durfte ich mit 17 Jahren bereits in der ersten Mannschaft spielen.“ Das war bis 1964 der Fall, bevor er wegen seines Hausbaus zwei Jahre aussetzte und danach noch in der zweiten Mannschaft und der AH weiter spielte. Erst nach einer Bandscheiben-OP hörte er mit 42 Jahren auf.

Dafür fing er mit dem Radfahren an. Mindestens zweimal in der Woche war er mit anderen Freizeitsportlern mit dem Rennrad unterwegs. „Wenn die Frauen dabei waren, fuhren wir 80 Kilometer, wenn wir Männer allein waren, über 150 Kilometer.“ Auch seine Brüder motivierte er für diese Sportart. Nach einem Schlaganfall vor elf Jahren und der anschließenden Reha trat er gleich wieder in die Pedale und zog auch wieder seine Bahnen im Schwimmbad. Schon zu Jugendzeiten ist Karcher gerne geschwommen. „Wir waren so viele Stunden wie möglich am Baggersee Rathjens“. Diese Leidenschaft hält bis heute an. Jeden Tag geht er dort ein- bis eineinhalb Stunden schwimmen.

Zusammen 50 goldene Sportabzeichen

Seit über 40 Jahren ist er beim „Jedermannsturnen“ des TV dabei – ebenfalls viele Jahre mit seiner Frau, solange es bei ihr gesundheitlich ging. Inzwischen hat er auch 34 Goldene Sportabzeichen abgelegt, bei seiner Frau sind es 16. Beim 25. Mal wurde er für sein breitensportliches Engagement vom Sportbund Pfalz ausgezeichnet. „Der Sport war und ist für mich die beste Medizin, er hat mich fit gehalten“, meint Karcher.

Gerne erinnert sich das Jubelpaar auch an die zahlreichen Urlaubsreisen, ob Ausland oder Deutschland, ob mit dem Auto oder dem Flugzeug. Jetzt freuen sich die beiden heute auf eine schöne Feier mit ihrer großen Familie.

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