Wörth Mit der Laubsäge: Sieben Jahre an Schiffsmodell gearbeitet
Seit seinem 14. Lebensjahr geht der 81-jährige Rainer Winterstein aus Wörth seinem Hobby, dem Schiffsmodellbau nach. Er bezeichnet es als seine Leidenschaft. „Ich habe in meinem damaligen Wohnort Pirmasens bei einer Vorführung am Eisweiher zugesehen. Dabei habe ich Spaß gefunden“, erzählt er der RHEINPFALZ. Als Flüchtling aus Oberschlesien gekommen, landete Winterstein zunächst in der Nähe von Hamburg in einem kleinen Dorf, bevor seine Mutter – der Vater war vermisst – in den 50er Jahren nach Clausen bei Pirmasens und bald danach in die Schuhstadt zog.
Einfache Anfänge
„Motiviert von der Vorführung habe ich an Mutters Küchentisch ohne viel Werkzeug angefangen. Ich habe mir einfach einen Plan bei einem Händler geholt, Holzreste beim Schreiner und Nägel beim Schuhmacher. Ich habe jede Woche Illustrierte ausgetragen und mir das Taschengeld für den Leim und die Holzleisten verdient“, blickt Winterstein gerne zurück.
Nach einem Jahr hatte er sein erstes Schiff, den Zerstörer „Georg Thiel“ fertiggestellt. Diesen ließ er dann auch am Eisweiher fahren mit einem Elektromotor, den er aus einem alten Modellauto ausgebaut hatte – betrieben mit Batterie und Schalter den „andere in den Müll geschmissen haben“, so Winterstein.
Ausbildung als Feinmechaniker
Gleich danach wurde das etwa einen Meter lange Schlachtschiff „Blücher“ gebastelt, „wofür ich einen einfachen Plan gekauft habe. Dann hat mich diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen – soweit es meine Freizeit zuließ“, erzählt Winterstein. In Pirmasens baute er noch die große „Bremen“. In dieser Zeit wurde in der Stadt auch ein Modellbauclub gegründet, in dem er gleich Mitglied wurde. Mit 18 Jahren begann er nach der Schulzeit seine Ausbildung als Feinmechaniker bei der BASF.
Die Grundausbildung fand im BFZ in Maximiliansau statt. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau Renate auf der Kerwe kennen. Nach einem Jahr ging es mit der Ausbildung dann in Limburgerhof weiter, wo er auch im Werk gewohnt hat. Danach arbeitete er zwei Jahre im damaligen Kernforschungszentrum in Karlsruhe als Feinmechaniker und besuchte auch die Technikerschule. „Zum beruflichen Ausgleich begann ich auch wieder mit dem Modellbau.“
Sieben Jahre für ein Modell
Vorher hatte bereits der Umzug nach Wörth stattgefunden. „Als hier die Mobiloil ihr Werk einrichtete, fing ich als Mess- und Regeltechniker dort an und war immer mit meinem Modellbau beschäftigt. Das blieb auch so, als ich beruflich zu Kömmerling nach Pirmasens wechselte und jeden Tag unterwegs war. In Wörth war ich Gründungsmitglied beim Modellbauclub. Erster Vorsitzender war Werner Heise. Ich selbst war dann 20 Jahre Vorsitzender bis zur Auflösung ein Jahr vor Corona, als bei den Jugendlichen kein Interesse mehr bestand und wir immer weniger Mitglieder hatten“, bedauert Winterstein.
In seinem Eigenheim hat sich der Modellbauer im Keller eine eigene, große und bestens ausgestattete Werkstatt eingerichtet, in der er fast jeden Tag arbeitet, vor allem bei schlechtem Wetter. „Das macht den Kopf frei. Ansonsten gibt es auch genügend Arbeit im und am Haus und im Garten“, meint er.
Hauptwerkzeug Laubsäge
Zuletzt hat Winterstein lange nach Plänen zum Bau des Schnelldampfers „Bremen 1929“ gesucht. Anfang 2016 hat er sie durch das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven bekommen. Nach sieben Jahren Bauzeit ist er jetzt fertig gestellt. „Mein Hauptwerkzeug ist immer noch die Laubsäge mit allen Arten von Sägeblättern mit feinstem Metall“, will er betont haben. Nach seinen inzwischen 16 gebauten Schiffen verschiedener Art und in allen Größen nach seinen Lieblingen gefragt, meint er: „Das sind alle meine Lieblinge, aber nach sieben Jahren Bauzeit hängt man natürlich an diesem Werk besonders“. Alle Schiffe sind entweder in einer Vitrine im Wohnzimmer oder aber im Keller zu bewundern.