Kreis Germersheim Mit Adleraugen Handy-Sünder erspäht

„Schwarzer Toyota Corolla, Germersheimer Kennzeichen. Die Fahrerin hat mit dem Handy telefoniert“, tönt es aus dem Funkgerät von Oliver Link von der Polizei Wörth. „Verstanden“, antwortet Link und läuft rasch in Richtung Fahrbahn. Dort macht er der Toyota-Fahrerin, die sich ihm langsam nähert, mit Armbewegungen unmissverständlich deutlich, dass sie an den rechten Straßenrand fahren und anhalten soll.
. Schon der Gesichtsausdruck der Dame verrät, dass sie genau weiß, was sie „verbrochen“ hat. Die Erklärung von Link folgt dennoch: „Sie haben während der Fahrt mit ihrem Handy telefoniert, deshalb wird ein Bußgeld von 60 Euro fällig. Zudem gibt es einen Punkt in Flensburg.“ Ohne Widerspruch, aber dennoch sichtlich sauer bezahlt die Frau die Summe. Nach dem Hinweis von Link, sie solle beim nächsten Mal entweder erst gar nicht abnehmen oder an geeigneter Stelle anhalten und den Motor abstellen, kurbelt sie die Scheibe wieder nach oben und setzt ihre Fahrt fort. Es ist eine Szene, die sich in dieser Woche so ähnlich bereits zigmal abspielte, denn bei der Polizei Wörth stand die Aktionswoche „Handy/Gurt/Kindersicherung“ auf dem Dienstplan. „Quer über unser Dienstgebiet verteilt haben wir seit Montag täglich Verkehrskontrollen durchgeführt“, sagt Link. Mitten im Satz bricht Link ab, denn die Stimme aus dem Funkgerät meldet sich wieder zu Wort: „Roter VW Polo, Kennzeichen SÜW, Fahrer ohne Gurt.“ Also macht sich Link erneut auf in Richtung Fahrbahn und winkt den Fahrer heraus. Das Prozedere, das folgt, gleicht dem von vor ein paar Minuten. Mit dem Unterschied, dass das Bußgeld in diesem Fall nur 30 Euro beträgt. Hinter der Stimme, die sich in regelmäßigen Abständen aus dem Funkgerät meldet, steckt Michael Schreiber. Der Polizeibeamte stellte sich gestern Nachmittag auf die Insel im Kreisverkehr am Maximiliancenter. Die Kollegen um Link hatten ein paar Meter weiter in der Maximilianstraße Stellung bezogen, um die von Schreiber gemeldeten Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. „Hier ist eine gute Stelle. Weil der Kreisel recht hoch ist, sehen mich die Fahrer nicht sofort, zudem ist die Geschwindigkeit hier recht gering“, sagt Schreiber. Seinem geschulten Blick entgeht fast nichts: Kein Gurt, der nicht angelegt wurde und auch kein Handy, das gerade benutzt wird. Die meisten, die er erwischt, seien einsichtig und wüssten, dass sie einen Fehler gemacht hätten, berichtet er von den Erfahrungen der letzten Tage. „Dass jemand nicht angeschnallt ist, stellen wir schon häufiger fest, als das Telefonieren mit dem Handy“, so Schneider weiter. Verständnis hat er für das Nicht-Anlegen des Gurtes überhaupt nicht. „Das ist einfach nur dumm und fahrlässig“, sagt er. „Über das Jahr verteilt haben wir acht solcher Aktionswochen“, sagt Link. Diese Woche sei das Thema Gurt und Handy an der Reihe. Das aus gutem Grund, denn europaweit läuft parallel eine identische Aktion. Das Fazit fällt für Link positiv aus. Positiv deshalb, weil er hofft, dass die Bußgelder Wirkung zeigen und die Fahrer sich künftig auf die sichere Seite begeben. Seit Montag kamen 290 (Stand: Freitagmorgen) geahndete Vergehen zusammen. „Wir hatten bisher 167 Mal keinen Gurt, 13 Mal Handytelefonieren und 110 sonstige Vergehen“, zählt Link auf. Unter den sonstigen Vergehen waren unter anderem auch zwei Trunkenheitsfahrten. Während der Kontrolle gestern in Maximiliansau ging den Beamten auch ein Fahrer ins Netz, der ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs war.