Kandel Minihaus-Siedlung und Schulungszentrum im Kandeler Gewerbegebiet

Das Gewerbegebiet in der Lauterbourger Straße in Kandel. Hier könnte es Veränderungen geben.
Das Gewerbegebiet in der Lauterbourger Straße in Kandel. Hier könnte es Veränderungen geben.

Mehr als 40 Jahre konnte man im Sporthaus Frey einkaufen. Ende September letzten Jahres schloss das Geschäft an der Lauterburger Straße seine Pforten. Was dort geschehen soll, wurde jetzt öffentlich.

Darüber, was mit dem Ladengeschäft und dem dazugehörigen großen Grundstück im Gewerbegebiet Süd-Ost passieren sollte, wurde allenthalben gerätselt. Nur wenige Eingeweihte kannten die Pläne, die bei der Sitzung des Kandeler Stadtrates jetzt öffentlich vorgestellt wurden. Thorsten, Silvia und Dean Beck vom Bauunternehmen Beck aus Kandel planen hier ein „Naturquartier Bienwald“.

Die Investoren um Thorsten Beck (CDU-Stadtrat) wollen auf dem Grundstück gleich zwei Vorhaben umsetzen. Zum einen soll im bestehenden Gebäude nach einer Renovierung ein Schulungszentrum eingerichtet werden. Interesse zeigt ein medizinischer Bildungsträger, der sich als langfristiger Mieter hier einrichten möchte. Die insgesamt 738 Quadratmeter große Fläche soll für Schulungen und Weiterbildungen genutzt werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Bildungsträger. Am vorhandenen Gebäude soll sich nichts Wesentliches ändern. Die Stadt Kandel würde von dieser Einrichtung gleich mehrfach profitieren, schreiben die Investoren. Zum einen würde das Bildungsangebot gestärkt, das vorhandene Gebäude würde nachhaltig genutzt und wirtschaftliche Impulse gingen von der Einrichtung aus. Man erwartet die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und die Förderung der lokalen Dienstleister und auch der Gastronomie. Die Einrichtung des Bildungszentrums wurde bei der Sitzung allgemein begrüßt.

Als zweiten Teil des Projektes planen die Investoren eine „Minihaus-Siedlung“ auf dem hinteren Grundstück. Mit 27 Ein- und Doppel-Minihäusern in einer Größe von 40 bis 70 Quadratmetern. Die Minihäuser sollen mit einer Flachdachbegrünung gebaut und in massiver Bauweise errichtet werden. Man möchte, so heißt es im Schreiben an die Stadt, „die versiegelte Fläche minimieren und eine naturnahe, autoarme Siedlungsstruktur schaffen, die sich harmonisch in die Umgebung des Bienwalds integriert“. Auch hier sehen die Investoren Vorteile für die Stadt: Neuer Wohnraum würde geschaffen, nachhaltiges Bauen würde gefördert und Singles, junge Berufseinsteiger sowie Senioren sorgten für eine soziale Durchmischung zur Belebung des Quartiers. Allerdings ist für das Vorhaben ein neuer Bebauungsplan erforderlich. Denn es liegt im Gewerbegebiet und da könnte es zu Problemen mit einer Wohnbebauung kommen.

Ralph Wagner, Leiter des Fachbereichs Bauen bei der Verbandsgemeindeverwaltung, wies auf die „Lärmproblematik“ hin. In unmittelbarer Nähe geht die A65 vorbei, dann verlaufen die Bahngleise zwischen Kandel und Wörth und auch an der Straßenmeisterei ist mit viel Verkehr schon in den frühen Morgenstunden zu rechnen. So müsse gegebenenfalls ein Schallschutz gefordert werden. Ludwig Pfanger (Freie Wählergruppe) meinte, man solle froh über die Ansiedlung von Gewerbe sein und nicht schon wieder Einschränkungen vornehmen. Alle Kosten für den Bebauungsplan trage der Investor, war von Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU) zu hören. Der aber wolle wissen, wie der Stadtrat grundsätzlich zu seinen Plänen stehe, ehe er viel Geld für konkrete Planungen ausgebe. Bei vier Enthaltungen zeigte sich der Rat offen für das Vorhaben, das in der Einwohnerfragestunde erneut aufgegriffen wurde. Wenn Wohnen im Gewerbegebiet zugelassen werde, dann müsse man befürchten, bei einer Erweiterung der Werkstätten des benachbarten Autohauses Bohlender Probleme zu bekommen. Dieses sei 1978 ganz bewusst aus der Innenstadt ins Gewerbegebiet umgezogen.

Mehr zum Thema
x