Kreis Germersheim Migrationshintergrund als Erfolgsfaktor
„Personal mit Migrationshintergrund ist unser Erfolgskonzept“, sagt Epos-Co-Chefin Nicole Zor. Sie hat gerade von der Praktikumsmesse für Flüchtlinge in Germersheim zwei Kandidaten mitgebracht, deren Chancen so schlecht nicht stehen, in der Firma eingestellt zu werden. Ein Syrer mit Kenntnissen in Elektrotechnik kommt jeden Tag nach dem Sprachkurs nachmittags zum Praktikum in die ehemaligen Räume der VR-Bank in Wörth. Dort, in der Hanns-Martin-Schleyer-Straße, hat die Firma seit 2014 ihren Sitz und dort erzählen Nicole und Orkun Zor über ihr 2010 gegründetes Unternehmen und ihre Unternehmensphilosophie. „Von Beginn an“, erzählt Nicole Zor, „war uns die soziale Komponente wichtig.“ Angefangen hat es mit abgehängten jungen Leuten ohne oder mit ganz schlechtem Schulabschluss. „Die Idee war, ihnen in einem Praktikum die Chance zu geben, zu arbeiten und ihre Talente zu entdecken“, so Zor. Wenn das funktioniert, bekommen die jungen Leute einen Ausbildungsvertrag und die Betreuung, um Abschlüsse zu erreichen oder nachzuholen. Seit 2013 kümmern sich die Zors in ihrer Firma um Flüchtlinge. Damit wurde der Aufwand ungleich größer, weil auch die sprachlichen Hürden und die kulturellen Unterschiede größer wurden. „Das geht nur mit Partnern“, erzählt Nicole Zor. Alleine würde man sich im Bürokratiedschungel hoffnungslos verheddern. Epos arbeitet deshalb mit Flüchtlingsbetreuern, dem Bildungsträger Profes, der Integrierten Gesamtschule Wörth und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Germersheim zusammen. Orkun Zor, der selbst türkische Wurzeln hat, bezeichnet das soziale Engagement seiner Frau als zwar sehr aufwendig, letztlich aber auch als erfolgreich für die Firma. „Die Mitarbeiter sind hochmotiviert und wenn mal Mehrarbeit notwendig wird, wird nicht lange darüber geredet, sondern angepackt.“ Die Epos Montageteams werden so zusammengestellt, dass möglichst alle andere Sprachen sprechen. „Dann wird zwangsläufig deutsch gesprochen und die Leute lernen es sehr schnell“, sagt Nicole Zor. Sie verheimlicht aber auch nicht den Aufwand, den die Firma zur Personenbetreuung betreibt. Vor kurzem wurde eine Sozialpädagogin eingestellt, die sich um die Mitarbeiter aus Syrien, Somalia, Polen, Bulgarien, Marokko und der Türkei kümmert. Einmal im Monat muss jeder Mitarbeiter während der Arbeitszeit zu ihr. Was dort besprochen wird, wissen die Zors nicht, die Sozialpädagogin unterliegt der Schweigepflicht. Aber es sei offensichtlich, dass die Gespräche Probleme lösen und Integration erleichtern. Unterm Strich lohnt sich das Engagement, sind Orkun und Nicole Zor überzeugt. Hohe Motivation, Engagement über die Regelarbeitszeit hinaus, Zuverlässigkeit, kaum Krankheitstage, kaum Fluktuation und großes Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter sind die „Ernte“, die das Familienunternehmen für sein soziales Engagement einfährt. Und das soll so weitergehen: Wachstum mit Migranten als Mitarbeitern ist fest eingeplant.