Kreis Germersheim Mercedes-Benz-Lastwagenwerk Wörth: Klagen über hohen Druck

Derzeit voll ausgelastet: Im Lastwagenwerk werden 75 Leiharbeiter zusätzlich fest übernommen.
Derzeit voll ausgelastet: Im Lastwagenwerk werden 75 Leiharbeiter zusätzlich fest übernommen.

Durchschnittlich 160 Stunden auf Arbeitszeitkonto

Hoher Druck durch Vollauslastung, eine knappe Personalbemessung in Folge von Rationalisierungen und technischem Fortschritt: So umreißt Ralf Köhler (IG Metall Neustadt) das Hauptthema bei der Betriebsversammlung am Montag. Vor diesem Hintergrund konnte der Betriebsrat die Übernahme von 75 weiteren Leiharbeitern und 25 externe Ausschreibungen durchsetzen. In den letzten Monaten konnten schon 200 Leiharbeiter einen Arbeitsvertrag des Mercedes-Benz Lastwagenwerks als neue Stammbeschäftigte unterzeichnen, so Köhler. Die Verträge aller weiteren etwa 850 Mitarbeiter der GABIS und Dekra-Leiharbeit werden bis zum 31. Oktober 2019 verlängert.

IG Metall: "Betriebsklima verschlechterte sich zusehends"

„Die vom Betriebsrat in diesem Jahr durchgesetzte Zuführung von Personal im Werk Wörth ist ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Mannschaft. Wegen der vollen Auftragsbücher, dem hohen Krankenstand, der Kostensenkungsprogramme beziehungsweise Rationalisierung und dem nicht vollständigen Ersatz von Fluktuation, standen viele Mitarbeiter extrem unter Druck. Die Zeitkonten wuchsen in 2018 deutlich an und das Betriebsklima verschlechterte sich zusehends“, so Köhler. Die Stammbelegschaft sank von Jahresende 2016 um 200 in direkten Bereich und um 250 bei den indirekt Beschäftigten. „Mit dem erzielten Erfolg sind aber noch nicht alle Probleme beseitigt. Die Gruppengröße und Zusammensetzung, fachliche Weiterbildung und der Ersatz von Fluktuation stehen weiterhin auf der Agenda. Ziel ist es, im größten Lkw-Werk der Welt wieder zu einem gesunden Arbeitsklima und einer fairen Belastungssituation zurückzukehren“, so Köhler.

Mehr Kranke, aber nicht mehr Mitarbeiter

Auf der Betriebsversammlung machten laut Köhler mehrere IG Metall Vertrauensleute die Dringlichkeit einer nach den aktuellen Gegebenheiten angepassten Personalplanung deutlich. Das Problem: Es fehlen Mitarbeiter, mit denen planbare Abwesenheiten wie Urlaub, Freischichten oder Krankheit aufgefangen werden können. Die Zahl dieser Mitarbeiter sei seit Jahren konstant, die Zahl der Abwesenheitstage hat sich aber erhöht – zum Beispiel wegen eines erhöhten Krankenstandes, so Köhler. Hinzu komme, dass in der Produktion die Mitarbeiter im Schnitt 160 Stunden auf ihrem Arbeitszeitkonto haben; in Einzelfällen auch bis zu 600 Stunden. Deshalb müsse eine Anpassung erfolgen. Es könne aber keine Lösung geben, die eine Entlastung ausschließlich über den verstärkten Einsatz von Ferien- und Leiharbeitern, Flexis und Praktikanten sucht, so der IG Metall Beauftragte: „Die IG Metall und die betrieblichen Arbeitnehmervertreter werden hier weiter Druck für eine Lösung im Sinne der Beschäftigten machen.“

Seit 2005 rund 2400 Zeitarbeiter fest eingestellt

„Die gute Auftragssituation im Mercedes-Benz Werk Wörth aus dem vergangenen Jahr hat sich auch in 2018 fortgesetzt: Lkw aus der Pfalz sind erfreulicherweise weiterhin stark nachgefragt“, so die Stellungnahme von Daimler zur Arbeitsbelastung im Werk: „Deswegen haben Standortleitung und Betriebsrat bereits im Frühjahr die Weichen für die Erweiterung der Kapazitäten am Standort gestellt und vereinbart, im laufenden Jahr 200 der in Wörth beschäftigten Zeitarbeitnehmer in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.“ Seit 2005 wurden damit rund 2.400 Zeitarbeitnehmer fest eingestellt. Gleichzeitig haben Standortleitung und Betriebsrat vereinbart, 2018 an zusätzlichen acht Samstagen zu produzieren, so Daimler. Die Beschäftigung von Ferienarbeitern während der Sommermonate sowie die Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern entlasten die Stammbelegschaft. Zudem wurde die Beschäftigung der aktuell im Werk tätigen Zeitarbeitnehmer bis Ende Oktober 2019 verlängert. „Zur Zeit arbeitet die Mannschaft mit viel Einsatz und Know-how daran, den neuen Mercedes-Benz Actros kommendes Jahr auf die Straße zu bringen“, so Daimler.

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