Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Menschen drängt es in die Kirchen

In Lingenfeld haben sich am Mittwoch 200 Menschen zu einer Mahnwache getroffen.
In Lingenfeld haben sich am Mittwoch 200 Menschen zu einer Mahnwache getroffen.

So voll wie in den vergangenen Tagen waren die Kirchen schon lange nicht mehr. Die Menschen beten angesichts des Krieges in der Ukraine für Frieden und bekunden Solidarität bei Mahnwachen. Bei Älteren kommen Erinnerungen hoch.

„Die Betroffenheit ist riesengroß“, sagt Dekan Michael Diener über die Menschen in seinem Kirchenbezirk. Aber auch Ohnmacht und Wut mache sich breit angesichts eines „fehlgeleiteten Diktators, der grausame Morde verübt und selbst die eigenen Soldaten in die Irre führt“. Viele Leute fragen sich, wie sie helfen können. Die protestantische Landeskirche arbeite mit Partner in der Ukraine zusammen, um Hilfstransporte zu stemmen. Da es aktuell viele Initiativen für Sachgüter gibt, rät Diener zu Geldspenden für die Menschen, die wegen der Invasion in Not geraten sind. Diener war als Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gerade in Berlin. Dort ist er auch ukrainischen Flüchtlingen begegnet. Überwiegend Kinder und Frauen, deren Männer kämpfen. „Die Menschen sind emotional zerrüttet“, erzählt er.

Erinnerungen kommen hoch

Tränen und Trauer sieht Diener auch in seinem Dekanat. Bei älteren Gemeindemitgliedern brechen Erinnerungen an furchtbare Weltkriegserlebnisse auf, während Jüngere zum ersten Mal plötzlich mit einem Angriffskrieg in Europa konfrontiert werden: „Man muss ja schon um die 35 sein, um zu wissen, was Kalter Krieg heißt.“ Dass die Invasion bei älteren Gemeindemitgliedern Wunden aufreißt, weiß auch Thomas Bauer, Pastoralreferent der katholischen Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini in Germersheim. Überhaupt seien viele Menschen „beunruhigt und blicken sorgenvoll in die Ukraine“, sagt er. Trost soll ein ökumenisches Friedensgebet in der katholischen Kirche in Sondernheim am Sonntag spenden.

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Beten für den Frieden

In Lustadt haben Menschen bereits diese Woche gemeinsam gegen Gewalt und Krieg gebetet. „Wir sind Christen, die darauf vertrauen, dass Gott am Wirken ist und auch Menschen beeinflusst“, sagt der protestantische Pfarrer Wilhelm Kwade laut Pressemitteilung der Landeskirche. Dies richtet sich an den russischen Präsidenten Putin, aber auch an Verantwortliche in der Politik, die sich jetzt für Aufrüstung aussprechen.

200 Menschen setzen Zeichen

„Viele Menschen verspüren einen Drang gemeinsam mit anderen zu beten und Zeichen der Solidarität zu setzen“, berichtet Michael Diener. In den kommenden Tagen und Wochen sind in vielen Kirchengemeinden Friedensaktionen und Fürbitt-Gottesdienste geplant. Die Kirchen seien wieder voller – für den Dekan angesichts der traurigen Beweggründe kein Grund zur Freude.

Frieden ein „fragiles Konstrukt“

Auch in Kandel, Maximiliansau und Weingarten gab es diese Woche bereits Friedensgebete, in Lingenfeld und Wörth Mahnwachen und Menschenketten. Gut 200 Teilnehmer kamen am Mittwochabend vor dem Lingenfelder Rathaus zusammen. Neben den beiden Kirchen hatten die türkisch-islamische Ditib-Gemeinde Lustadt, die Freie Evangeliums-Christengemeinde sowie CDU, Grüne, FWG, SPD und FDP zu der Mahnwache aufgerufen. „Wir sind tief beeindruckt von der Anteilnahme“, sagt Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter. Aus Lingenfeld solle ein Signal und ein Licht in die Welt gesendet werden. Die Aktion, bei der Kerzen angezündet wurden, beweise, „dass wir nicht ohnmächtig sind, wenn wir zusammenstehen“, so Kropfreiter. Dass es nun wieder Krieg in Europa gebe, zeige, welch fragiles Konstrukt der Frieden sei. Zudem seien 1500 Euro an Spenden gesammelt worden, die direkt den Flüchtlingen zu Gute kommen sollen.

Die Kirchengemeinden seien bereit, Geflüchtete aufzunehmen, sagt Dekan Diener. Rückfragen seitens der Kommunen habe aber noch nicht gegeben. „Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Hilfe gebündelt und koordiniert wird.“ Bei Geldspenden für die Ukraine empfehle die Landeskirche die Katastrophenhilfe der Diakonie. Das Diakonische Werk unterstütze auch bei der Wohnungssuche. Menschen, die privat eine Unterkunft für geflüchtete Ukrainer zur Verfügung stellen möchten, können ihr Wohnungsangebot beim Elinor-Netzwerk Gastfreundschaft

Ukraine registrieren.

Spendenkonto

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin, Evangelische Bank, IBAN: DE 68 5206 0410 0000 5025 02, BIC: GENODEF1EK1, Stichwort: Ukraine-Krise; Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/

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