Rheinzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Meinungsvielfalt und Entscheidungsfreiheit müssen gewahrt bleiben

Nur wenige Teilnehmer hatten so wie diese Demonstrantin kreative Plakate mitgebracht.
Nur wenige Teilnehmer hatten so wie diese Demonstrantin kreative Plakate mitgebracht.

Den weitreichenden Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie stehen einige auch kritisch gegenüber. Allerdings können kontroverse Meinungen oftmals nicht geäußert werden, wie Anne Reinbrecht und ihre Mitstreiter feststellen mussten. Sie haben deshalb zu einer Kundgebung aufgerufen.

Rund 80 Teilnehmer trafen sich am Freitagabend, um in Zeiten der Corona-Krise für Meinungsvielfalt und persönliche Entscheidungsfreiheit zu demonstrieren. „Wir haben zu diesem Treffen eingeladen, um hier freundlich und friedlich eine Plattform für viele unterschiedliche Meinungen zu bieten“, begrüßte Anne Reinbrecht die Teilnehmer der Kundgebung auf dem Marktplatz in Rheinzabern. Dort standen die Demonstranten in einem durch rot-weißes Band abgesperrten Bereich. Zuschauer, Beamte des Ordnungsamtes und wenige Polizeibeamte beobachteten die Szenerie von außerhalb.

Nur wenige Demonstranten haben Plakate

Reinbrecht sowie ihre Mitorganisatoren Regina Wielke und Harald Laudenbach hatten erst vor drei Tagen zu der genehmigten Kundgebung aufgerufen, die ursprünglich als zweiten Teil einen Spaziergang durch den Ort vorsah. Dies war jedoch nicht genehmigt worden. So trafen sich die Teilnehmer auf dem weitläufigen Platz, der genug Raum für das Einhalten des Mindestabstandes in Corona-Zeiten bot. Regina Wielke, die sich ein großes Plakat umgehängt hätte, eröffnete mit einer persönlichen Vorstellung die Kundgebung. Dem Aufruf der Organisatoren, selbst Initiative zu ergreifen, ein „achtsames Plakat“ zu entwerfen und mitzubringen, waren nur wenige Demonstranten gefolgt. Ein Teilnehmer verwies auf seinem Transparent auf Artikel fünf des Grundgesetzes (Meinungsfreiheit), eine junge Frau trug auf dem Rücken ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin selbst impf-geschädigt“.

Reinbrecht sah die Aktion als eine Plattform an, auf der jeder seine Meinung sagen dürfe, wo jeder gehört und akzeptiert werde. Dabei übernahmen aber nur Wielke und Weinbrecht, für die es „meine erste Demonstration in meinem Leben ist“, das Reden vor der ganzen Gruppe. Sie und ihre beiden Mitstreiter hätten in den letzten Wochen erlebt, dass viele Menschen ihre ganz persönliche Meinung zur aktuellen Corona-Krise hätten, diese aber oft nicht äußern könnten oder sogar zensiert würden. „Wir haben alle Wünsche in dieser besonderen Zeit, diese wollen wir aufschreiben und gesammelt und anonym in den sozialen Medien veröffentlichen. Genau so, wie sie jeder formuliert hat.“

Dazu gab es einen Moment des „stillen Innenhaltens“, musikalisch von Harald Laudenbach an der Gitarre begleitet. Dabei notierten erstaunlich viele der Anwesenden auf den ausgeteilten Karteikarten ihre Gedanken und Wünsche, die anschließend in einen großen Korb wanderten. Ein gemeinsam gesungenes „Die Gedanken sind frei“ beendete den offiziellen Teil der Demo.

Furcht vor „Impfpflicht durch die Hintertür“

Danach wurde in kleinen Gruppen weiter diskutiert. Dabei bezweifelten einige Teilnehmer die Zahlen, die regelmäßig zum Ausbruch der Pandemie veröffentlicht werden. Corona hätte nicht zu mehr Toten als sonst geführt, lautete eine Hypothese. Andere fanden den „Lockdown“ und die Einschränkungen überflüssig, wollten selbst über den Schutz des eigenen Körpers entscheiden. „Ich befürchte, dass wir über die Hintertür eine Impflicht bekommen“, erklärte eine Frau, „das will ich auf keinen Fall“. Sie verlangte mehr Demokratie bei den Entscheidungen in der Corona-Krise. Andere prangerten die Vereinsamung der Menschen in der Krise an, forderten, die ganze Wahrheit rund um Corona zu erfahren.

Der Bereich, in dem demonstriert werden durfte, war eng eingegrenzt.
Der Bereich, in dem demonstriert werden durfte, war eng eingegrenzt.
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