Kreis Germersheim Mehrgenerationenhaus als Hilfe

Um Menschen mit sozialen Problemen besser ins Dorfleben zu integrieren, sollte man nach dem Vorbild von Wörth ein Mehrgenerationenhaus einrichten. Dazu könnte die Gemeinde Bellheim ein leerstehendes Gebäude nutzen. Das schlug Kreis-Jugendamtsleiterin Sabine Heyn vor, als sie am Donnerstag dem Gemeinderat die neue Sozialraumanalyse für den Kreis Germersheim vorstellte (wir berichteten) und Zahlen für Bellheim präsentierte.
„Bellheim ist eine Ortsgemeinde, wo wir immer viel zu tun haben“, sagte Heyn. So erhalte die Gemeinde pro Jahr rund 900.000 Euro Sozialhilfe – Platz drei nach den Städten Germersheim und Wörth. Das Jugendzentrum (Juze) besuchten täglich rund 50 Jugendliche, weist Heyn auf eine gute Frequenz hin. Viele kämen von der Ganztagsschule und hätten Hunger. Deshalb geschehe im Juze viel in puncto kochen, um die Basisversorgung zu sichern. Dass 53 Prozent der Frauen in Bellheim erwerbstätig sind, hat laut Heyn Auswirkungen auf die Jugendbetreuung. Viele Menschen/Familien mit sozialen Problemen wohnen laut Heyn in der Haupt-, aber auch in der Postgrabenstraße und den dahinterstehenden Wohnblocks. Diese Menschen suchten selten von sich aus Beratung, zum Beispiel beim Sozialen Dienst. Dagegen gebe es viele Meldungen von Dritten. Man müsse Wege finden, die Betroffenen, insbesondere Zugezogene, aber auch psychisch Kranke, etwa über Vereine ins Dorfleben zu integrieren, damit sie den Ort nicht nur als Schlafgemeinde nutzen. Heyn wies darauf hin, dass der Anteil der Kinder, die in Bellheim in Armut leben 9,2 Prozent beträgt und kreisweit 8,2. Der Anteil in Armut lebender Ausländerkinder betrage in Bellheim 23,3 im Kreis 24,8 Prozent. Heyns Eindruck, wonach Jugendliche in Bellheim zu wenig Grünflächen zum Kicken vorfänden, widersprach Ortsbürgermeister Paul Gärtner (Wählergruppe Adam). Demnach seien alle öffentlichen Grünflächen zum Betreten freigegeben. Er räumte jedoch ein, dass dies nicht für die privaten Grünflächen bei den Blocks an der Postgrabenstraße gelte. Zum Einwand eines Ratsmitglieds, nur wenige Hundert Meter entfernt sei eine öffentliche Wiese, sagte später ein Bürger der RHEINPFALZ, dass diese von Hundekot übersät sei. Dass Bellheim den dritthöchsten Sozialhilfebetrag erhalte, wunderte Sigrid Weiler (SPD) nicht, weil Bellheim im Kreis die drittgrößte Wohnsitzgemeinde sei. Von Ratsmitgliedern auf Hilfen fürs Dorf bei seinen sozialen Problemen angesprochen, verwies Heyn auf die Kreisverwaltung, die schon länger im Gespräch mit der Gemeindespitze sei. Auf die Frage, wie man an die Menschen mit Problemen herankommen könne, antwortete Heyn dass man die Jugendpflegerin der Verbandsgemeinde, Astrid Kögel, aber auch die Erzieherinnen in den Kindergärten ansprechen könne, weil diese die Klientel kennen würden. (gs)