Kreis Germersheim Mehr Starkregen erwartet

Überschwemmte Straße nach einem Starkregen in Zeiskam im Frühjahr.
Überschwemmte Straße nach einem Starkregen in Zeiskam im Frühjahr.

In der Stadthalle setzte die Verbandsgemeinde ihre Veranstaltungsreihe zu Vorsorge und Gefahren bei Starkregen mit einem weiteren Workshop fort. Die Vertreter des beauftragten Ingenieurbüros, der Verbandsgemeinde (VG), aus der Landespolitik sowie der Verbandsgemeindewerke (VGW) mussten sich hierbei auch emotionalen Standpunkten aus den Reihen der rund 50 Bürger stellen.

Erstmals bei einem Workshop der VG dabei war mit Ralf Schernikau ein Vertreter des Landesumweltministeriums. Der Ministerialrat für Hochwasservorsorge und -schutz wies auf den zu erwartenden Temperaturanstieg und die „daraus folgenden noch häufigeren und intensiveren Ereignisse“ hin. Starkregen könne überall im Land auftreten, eine Vorwarnzeit dafür, wo und wie stark sich ein Gewitter mit viel Regen entlade, „wird es in absehbarer Zeit nicht geben.“ Er stellte fest: „Der Mensch denkt, er hat alles im Griff und alles ist machbar. Aber gegen Naturkatastrophen ist er machtlos. Man kann nur daran arbeiten, entstehende Schäden zu begrenzen.“ Für Kandel bedeute dies, die Bauleitplanung zu optimieren und für Notfälle die Strom- und Wasserversorgung sowie Telekommunikation und Abwasserentsorgung sicherzustellen. Bäche und Gräben müssen an den Ufern von Holz, leichten Bebauungen oder Strohballen frei gehalten werden, da diese abgeschwemmt werden könnten. Von größeren Rohren riet er ab, „denn jede Rohrleitung ist in seiner Leistung irgendwann einmal begrenzt.“ Obwohl er Hochwasserschutz als Gemeinschaftsaufgabe von „Betroffenen, Kommune und Staat“ definierte, gelte für Hausbesitzer dringend ein an Hochwasser angepasstes Planen, Bauen und Sanieren. Zudem sollte sich jeder rechtzeitig um eine Elementarschadenversicherung für sein Haus und Eigentum kümmern. Rüdiger Pfeifer vom planenden Ingenieurbüro Fischer aus Speyer erläuterte die Gefährdungslage der Stadt, die sich aus den Gefällen von Westen nach Osten sowie von Norden nach Süden ergeben. Im wesentlichen gefährdet seien alle Entwässerungsvorrichtungen unterhalb der Bundesstraße, also Hintergraben, Floßgraben, Dörrigraben sowie die Hauptentwässerung über den Otterbach. Hinzu kommen die Baugebiete K II und K VII oder der Bereich Nansenstraße. Er stellte eine elf Positionen umfassende Maßnahmenliste vor, wovon alleine fünf das Geviert zwischen Roentgen- und Nansenstraße betreffen. Stadtbürgermeister Günther Thielebörger sicherte zu, dass der Rückbau des Kreisels Hubstraße „bis Weihnachten erledigt sei“. Ebenso würde dafür Sorge getragen, dass die Vorgärten im geplanten Baugebiet K II nicht als „Steinwüsten, sondern als Grünflächen“ angelegt werden. Es hinge letztlich am Stadtrat, ob diese Entwicklung auch in den anderen Stadtteilen wieder rückgängig gemacht werden kann. Inge Grein von den Verbandsgemeindewerke widersprach energisch dem Gerücht, dass die Hebewerke bei den Starkregenereignissen seit 2014 nicht funktioniert hätten oder abgeschaltet worden seien. Die meisten Nachfragen der Bürger thematisierten die von vielen als unzureichend wahrgenommene Reinigung und Wartung der Entwässerungsgräben. Zudem wurde der Wunsch geäußert, dass das Kartenmaterial sowie mögliche Maßnahmen nicht erst zu den Workshops, sondern bereits zuvor der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Info —Der nächste Bürgerworkshop findet am 25. Oktober um 18 Uhr im Bürgerhaus von Vollmersweiler statt. —Informationen zu den Themen Starkregen und Vorsorge: www.naturgefahren.rlp.de, www.bbk.bund.de —Unwetterwarnungen für das Smartphone: www.katwarn.de

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