Kreis Germersheim
Mehr Schüler ab Montag: Wie die Schulen damit umgehen
Für 210 Neunt- und Zehntklässler der Weizsäcker-Realschule Germersheim hat vor zwei Wochen der Unterricht begonnen. Weil die Schule auf den wöchentlichen Wechsel zwischen Präsenz- und Heimunterricht setzt, sind nur rund 100 Schüler gleichzeitig anwesend. Sie kommen zeitversetzt, um sich möglichst wenig zu begegnen, erzählt Schulleiter Johannes Müller. Auch die Pausen sind unterschiedlich. Um die Anzahl der Lehrer zu reduzieren, werden die Fächer in Doppelstunden unterrichtet. Natürlich gebe es Reibungspunkte und einige Verstöße – meist unabsichtlich, sagt Müller. „Wir arbeiten ja mit Menschen und nicht mit Robotern“. Trotzdem: „Wir hatten einen guten Start.“
Die Situation an den Schulen wird sich bis Juni verschärfen: Am Montag kommen die Fünft- und Sechstklässler, am 8. Juni die siebten und achten Klassen. In der Germersheimer Realschule sind das weitere 500 Kinder, also 250 pro Woche. „Das Schulhaus ist dann bis auf den letzten Platz besetzt“, sagt Müller. Er meint damit jeden Platz, der angesichts der Hygieneauflagen, Abstandsvorschriften und maximalen Lerngruppengröße von 15 Kindern vergeben werden kann. Die 60 Kollegen kommen dann in der Sporthalle unter, das Lehrerzimmer sei zu eng. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schule saniert wird. „Es ist machbar“, blickt der Schulleiter auf die nächsten Wochen.
440 Schüler stehen in den Startlöchern
Die Carl-Benz-Gesamtschule (IGS) Wörth hat sich gegen den vom Bildungsministerium vorgeschlagenen Wechsel zwischen Präsenz- und Heimunterricht entschieden. Alle 319 Schüler von der 9. bis zur 12. Klasse werden derzeit in der Schule unterrichtet. Die Räume reichen aus, die Stundenpläne mussten nur gering gekürzt werden. Der Bildungsertrag sei im Präsenzunterricht höher, die Organisation für die Eltern leichter. Außerdem werde die Klassengemeinschaft nach der Corona-Zwangspause gestärkt, so die Sicht der IGS. „Allerdings erfordert dieses Modell einen hohen Einsatz der Lehrer, was für einen bestimmten Zeitraum erträglich ist“, sagt Schulleiter Jörg Engel. Für die Oberstufenschüler gehe es bis Schuljahresende so weiter. Für die Abschlussklassen 9 und 10 könne der Präsenzunterricht nach dem 8. Juni nicht beibehalten werden. Dafür fehlen Kapazitäten, räumlich und personell. Sie gehen dann zum Wechselmodell über.
Ab Montag kommen 210 Fünft- und Sechstklässler zweimal in der Woche in kleinen Gruppen in den Unterricht an die IGS zurück. Pro Tag kommen somit etwa 100 Schüler zusätzlich zur Schule. „Für die Wochentage, an denen kein Präsenzunterricht vorgesehen ist, erhalten die Schüler in angemessener Form Hausaufgaben“, erklärt Engel. Das gleiche Prinzip gilt im Juni für die 224 Jugendlichen der Jahrgangsstufen 7 und 8.
Nicht alle Lehrer kommen in den Unterricht zurück
Auch an der Germersheimer Realschule „erwachsen die Arbeitsaufträge aus dem Präsenzunterricht“, damit Kinder und Lehrer im Wechselmodell nicht überlastet sind. Zumal etwa zehn Kollegen als Risikopatienten weiterhin im Homeoffice bleiben. „Sie unterstützen die Anderen und betreuen zum Beispiel Kinder, die selbst nicht kommen können, weil sie vorerkrankt sind“, erklärt Johannes Müller. An der IGS Wörth fehlen derzeit elf von 69 Lehrern. Dazu kommen bis Mai und Juni noch Mutterschutz und Elternzeit, so dass das personelle Defizit bis zum Schuljahresende auf 19 Prozent anwächst.
Drei Schüler mussten nach Hause geschickt werden, weil sie gegen Vorschriften verstoßen haben. „Der größte Teil der Schüler hält sich an die Hygienebestimmungen“, berichtet Jörg Engel und ergänzt: „Sie fühlen sich beobachtet, was zu einer etwas merkwürdigen Stimmung im Haus führt.“
„Man sollte nicht denken, dass wir fachlich alles aufholen, was in letzten Wochen verschüttgegangen ist“, sagt Johannes Müller über die weitere Schulöffnung. Er hält sie aus pädagogischer Sicht für sinnvoll, wenngleich es nicht mehr lange bis zu den Sommerferien ist. Die Jugendlichen kehrten zu ihrem Alltag, ihrer gewohnten Struktur und in die Schulgemeinschaft „nach Hause“ zurück. „Wie es nach den Ferien weitergeht, da wagt noch keiner eine Prognose“, meint Müller.
Kommentar von Joachim Paul
Viel Aufwand für wenige Wochen
Die Situation ist für alle Seiten außergewöhnlich. Dabei muss jede Schule ihren eigenen Weg finden.
Am Montag kommen die nächsten Kinder und Jugendliche nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause in die Schulen zurück. Vor zwei Wochen war der Anfang in den Grundschulen und weiterführenden Schulen mit der schrittweisen Öffnung gemacht worden.
Die RHEINPFALZ hat sich bei einigen Schulen umgehört. Trotz aller Bedenken, vor allem vonseiten der Lehrer-Gewerkschaften, ist bisher Zufriedenheit festzustellen. Aber natürlich ist das eine bisher nicht gekannte, außergewöhnliche Situation, mit der Lehrer, Eltern und Schüler zurechtkommen müssen.
Bis zu den Sommerferien wird es keinen regulären Unterrichtsbetrieb mehr geben. Es ist beachtlich, welchen Aufwand Schulen trotz personeller Probleme und unter Beachtung aller vorgegebenen Hygienemaßnahmen betreiben, um den Schülern noch einiges an Wissen, Bildung und Sozialverhalten zu vermitteln. Dabei ist interessant zu sehen, wie vor Ort die einzelnen Schulen ihre Konzepte entsprechend den räumlichen und personellen Voraussetzungen in Absprache mit ihrer Dienstaufsicht umsetzen. Man kann nur hoffen, dass alles weiter so positiv verläuft und es keine Rückschläge hinsichtlich der Zahlen der Corona-Infizierten gibt. Dann hätte sich die Mühe der Schulleitungen und Lehrer wirklich gelohnt.