Kreis Germersheim Mehr Ladendiebstähle
Im Südkreis haben die von der Polizei registrierten Straftaten im Jahr 2015 einen neuen Tiefstand erreicht. Das geht aus der jährlichen Kriminalitätsstatistik der Polizeiinspektion (PI) Wörth hervor. Mit 3202 hat die Zahl der Kriminalfälle demnach um 424 abgenommen. Das ist der niedrigste Stand seit fünf Jahren.
Mit dem Fund von 300 Kilogramm Kokain im Hafen Wörth – dem größten in Rheinland-Pfalz in den vergangenen 20 Jahren – sowie zwei Messerattacken und einer Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung in einem Wirtschaftsbetrieb, die allesamt als Straftaten gegen das Leben gewertet werden, hat es einige nicht alltägliche Fälle gegeben. Im Ganzen aber gilt die Region als vergleichsweise sicher: Im Dienstbezirk der Polizeiinspektion Wörth mit der Stadt Wörth und den Verbandsgemeinden Kandel, Jockgrim und Hagenbach leben rund 66.000 Einwohner. Mit 4839 registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner sind hier Verbrechen weniger häufig als etwa in Germersheim (deutlich über 10.000) oder im Landesvergleich (6818). Freilich gehen in die Statistik nur solche Fälle ein, von denen die Polizei auch Kenntnis hat. Andererseits aber auch solche, die von der Polizei ausermittelt, von der Staatsanwaltschaft aber später eingestellt werden. Einen besonders starken Rückgang habe es im Bereich der Stadt Wörth um 244 Fälle (minus 16 Prozent) und in den Verbandsgemeinden Kandel um 120 Fälle (minus 14 Prozent) und Jockgrim um 93 Fälle (minus 13 Prozent) gegeben, hieß es bei der Vorstellung des Berichts. Weniger geworden seien vor allem Körperverletzungsdelikte (minus 18 Prozent) und schwere Diebstähle (minus 13 Prozent), so Andreas Freudenmann und Dennis Sturm von der PI Wörth. Zuwächse hingegen gab es bei den einfachen Diebstählen (plus 25 Prozent), davon besonders bei den Ladendiebstählen (plus 86 Prozent). Leichte Diebstähle (625 Fälle), Vermögens-und Fälschungsdelikte (565 Fälle) sowie Körperverletzungen (524 Fälle) sind die häufigsten Straftaten. Schwere Diebstähle gab es 344 (davon 60 Autoaufbrüche), Sachbeschädigungen wie Zerstörungen und Graffitisprühereien 331. Mit 75 Wohnungseinbrüchen gab es 20 mehr als im Vorjahr. Die Polizei appelliert deshalb an die Bürger, verdächtige Vorgänge in der Nachbarschaft zu melden. „Wenn sie etwas beobachten, rufen sie uns an“, sagt Freudenmann. „Wir fahren lieber einmal zu viel raus als zu wenig.“ Auch sollten Zeugen Auffälligkeiten am besten unverzüglich melden. „Wenn jemand nachts um drei etwas beobachtet und sich erst am Tag darauf meldet, ist es meist zu spät“, sagt Freudenmann. Bei allen Verbrechen zusammengenommen entstand ein Schaden von rund 2,5 Millionen Euro. Auffällig: Die Polizei hat im Jahr 2015 138 Vermisstenfälle bearbeitet. 24 gesuchte Personen waren über 65 Jahre alt, 50 zwischen 19 und 65 und 45 unter 18 Jahren. „Der Schwerpunkt liegt also bei den Kindern“, sagt Freudenmann. Meist tauchten diese aber schnell wieder auf. „Oft haben sie sich lediglich auf dem Nachhauseweg verspätet oder seien bei Freunden gewesen“, so Freudenmann. Gelegentlich muss die Polizei nach verwirrten Menschen suchen, die aus Krankenhäusern oder Altersheimen davonlaufen. Die spektakulärste Suchaktion sei die nach einem 57-Jährigen aus Neuburg gewesen, der als selbstmordgefährdet galt. Hubschrauber und Suchhunde kamen zum Einsatz. Gefunden wurde der Mann aber nach einem Hinweis seiner Frau – wohlbehalten. Keine wesentliche Zunahme von Verbrechen habe es im Zusammenhang mit den neuen Asylbewerbern in der Region gegeben, so die Polizei. Im zweiten Halbjahr 2015 habe es 43 Straftaten mit Beteiligung von Neuankömmlingen gegeben. Wobei darunter sowohl Täter als auch Geschädigte gezählt würden, erklärt Dienststellenleiter Thomas Lederer. Tatverdächtige Flüchtlinge seien 79 gezählt worden. Zum Vergleich: Insgesamt hat die PI-Wörth 1660 Tatverdächtige festgestellt. Diese hätten teilweise ausländerspezifische Delikte wie eine illegale Einreise begangen. Einige wohnten auch nicht im Landkreis Germersheim. Wegen der Sprachbarriere sei es oft zeitaufwendig, Fälle an denen Asylsuchende beteiligt sind, zu bearbeiten. „Insgesamt ist das aber keine außergewöhnliche Belastung“, sagt Lederer. Zufrieden ist die Polizei auch mit ihrer Aufklärungsquote: Sie liegt bei rund 63 Prozent. Das sei der beste Wert seit 1971. |fex