Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Massenprügelei bei Jugendfußballspiel: Was die Trainer sagen

Das Spiel fand auf dem Kunstrasenplatz in Wörth statt.
Das Spiel fand auf dem Kunstrasenplatz in Wörth statt.

Ein Fußballspiel in der A-Junioren-Landesliga endet in einer Massenprügelei samt Polizeieinsatz. Doch darüber, wer denn nun angefangen hat, gehen die Meinungen der Beteiligten auseinander.

Am Tag darauf, dem Sonntag, ist das Entsetzen bei den Trainern beider Mannschaften groß. Das Spiel zwischen der SG Wörth/Hagenbach und der JSG Haßloch in der A-Junioren-Landesliga war mit 2:1 zu Ende gegangen. Doch vorbei war es mit dem Schlusspfiff noch lange nicht. In den nüchternen Worten des Polizeiberichts ist von einer großen Prügelei die Rede, an der zirka 30 Personen beteiligt gewesen seien. Vorausgegangen seien beleidigende Bemerkungen eines Wörther Spielers in Richtung eines Haßlocher Spielers. Vier Personen seien leicht verletzt worden.

Eine Nachfrage der RHEINPFALZ bei den beiden Trainern ergibt, dass es unterschiedliche Ansichten dazu gibt, wer die Auseinandersetzung provoziert hat. „Ich bin entsetzt“, sagt Trainer Uwe Rudingsdorfer von der JSG Haßloch. Es sei eigentlich ein ganz normales Fußballspiel gewesen, das vielleicht etwas hitzig gewesen sei. Im Verlauf hatte es sechs gelbe Karten und Zeitstrafen gegeben, was aber nicht ungewöhnlich ist. Danach hätten sich die Spieler noch gegenseitig abgeklatscht und seien in ihre Kabinen gegangen.

Darüber, von wem die Gewalt ausging wird, noch diskutiert.
Darüber, von wem die Gewalt ausging wird, noch diskutiert.

Zuschauer sollen provoziert haben

Der Trainer sagt: Die spätere Gewalt sei nicht von den beiden Mannschaften ausgegangen. Vielmehr habe ein Grüppchen von zehn bis 15 jungen Männer das Spiel in Wörth verfolgt, die schon während des Spiels Beleidigungen hineingerufen hätten. Auf seinen Wunsch hin habe der Schiedsrichter die Gruppe schließlich darum gebeten, hinter die Bande zu gehen.

Nach dem Spiel sei einer seiner Spieler zurück in die Kabine gekommen und habe aus dem Mund geblutet. Er habe erzählt, dass er draußen zusammengeschlagen worden sei, sagt Rudingsdorfer. Auch habe er mitbekommen, dass die Gruppe die Freundin eines Spielers angegangen haben soll. „Da muss etwas gewesen sein“, der betroffene Spieler soll dann auf den Provokateur zugegangen sein.

Man habe schließlich vereinbart, dass man gemeinsam rausgehe, nicht alleine. Doch die Gruppe sei weiter vor Ort gewesen. „Wir wussten nicht, wie uns geschieht“, sagt Rudingsdorfer. Zum Glück sei dann die Polizei gekommen.

Ein Mädchen soll beleidigt worden sein

„Aus Wörth heißt es nun, unser Spieler habe zuerst geschlagen“, sagt der Trainer. Die Spieler würden aufgrund ihrer Nationalität beleidigt und fühlen sich dann an der Ehre gepackt, sagt Rudingsdorfer. „Das wird dann genutzt, um sie zu provozieren.“ Was ihn wirklich gestört habe: „Ich hätte einfach erwartet, dass die Jugendlichen vom Sportplatz entfernt werden, dass wir in Ruhe abreisen können.“ Sein erstes Fazit: „Das hätte unterbunden werden können.“

Ganz anders stellt sich die Situation für Wörths Trainer Paul Kleer dar. Bei dem Grüppchen habe es sich um Fans, vielleicht auch einige A2-Spieler gehandelt. Beleidigungen will Kleer jedoch keine gehört haben.

Soweit er es mitbekommen habe, sei „angeblich ein Mädchen beleidigt worden“. Dann „ist der Freund auf einen unserer Spieler zu und hat den ins Gesicht geschlagen“.Danach sei das spätere angebliche Opfer aber schnell verschwunden, so Kleer. „Das die das umdrehen, ist mir schon klar“, sagt er. „Da gab es Rudelbildung, das ging nicht von uns aus.“ Man habe versucht zu schlichten. Auch er sei dabei gewesen, „wir haben die jungen Leute aufgehoben“. Ein etwas älterer Beobachter sei bei dem Gerangel an ein Auto gestoßen, dann habe man sich schnell gekümmert und einen Kühlakku gereicht. Zum Glück sei nicht mehr passiert. „Das ist dann ja eskaliert.“

Polizei: Nur zwei Personen strafrechtlich relevant

Auch Kleer äußert sich entsetzt. In den vergangenen 40 Jahren habe er so etwas noch nie erlebt. „Die Gewaltbereitschaft ging von denen aus“, lautet sein Vorwurf an die Haßlocher Mannschaft. So seien zum Beispiel zwei seiner Spieler aus der Dusche gekommen, drei oder vier Haßlocher Spieler seien ihnen dann in den Rücken gehüpft.

Das Fazit des Trainers: „Ich bin am Überlegen, ob wir das Rückspiel überhaupt dort antreten – oder ob wir es lassen“, sagt Kleer am Sonntagnachmittag: „Das ist es mir nicht wert.“

Und was sagt die Polizei am Tag danach? Man sei mit vier Streifenwagen vor Ort gewesen. Die Erfahrungen aus Auseinandersetzungen bei Fußballspielen habe gezeigt, dass man dann besser mit mehreren Kräften vor Ort ist. Aber dann habe sich die Situation schnell entschärft: „Mit unserem Erscheinen haben sich die Lager getrennt und man konnte die Sache aufnehmen.“ Strafrechtlich relevant seien tatsächlich nur zwei Personen gewesen.

x