KANDEL
Managerin soll Klimaschutzziele umsetzen helfen
Victoria Singler ist Kandels erste Klimaschutzmanagerin. Folgendes Ziel soll sie umsetzen helfen: Die Verbandsgemeinde will bis 2030 im Vergleich zu 1990 die Treibhausgasemissionen pro Einwohner um 55 Prozent senken.
Den Kommunen kommt nach ihrer Ansicht beim Klimaschutz eine wichtige Aufgabe zu. Sie seien vor Ort nah dran an den Bürgerinnen und Bürgern, denen in den kommenden Jahren einiges abverlangt werde: Energie sparen. Abgase vermindern. Und umsteigen auf erneuerbare Energien.
Ausstoß an Treibhausgas senken
2019 hat die Verbandsgemeinde Kandel ihr Klimaschutzkonzept beschlossen, Klimaschutzziele formuliert: Unter anderem will man bis 2050 seinen Energiebedarf vollständig aus lokalen und regenerativen Ressourcen bezieht. Oder den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Im bilanzierten Mittelwert verursachte 1990 jeder Kandeler 7,9 Tonnen der schädlichen Emissionen und sie sollen bis 2030 um 55 Prozent auf 3,8 Tonnen gedrosselt werden. „Bei den privaten Haushalten liegen die größten Einsparpotenziale in der Wärmeversorgung“, sagt Victoria Singler. Sie ist seit Januar Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde. Ihre Stelle wird vom Bund und der Nationalen Klimaschutzinitiative über den Projektträger Jülich gefördert und auf drei Jahre befristet. Der Job der 31-jährigen Geowissenschaftlerin ist es nun, den kommunalen Klimaschutz in Kandel auf Trab zu bringen und zu helfen, dass das Vorhaben Stück für Stück umgesetzt werden.
Ein besonderes Auge hat Victoria Singler dabei zunächst einmal auf die rund 60 kommunalen Gebäude der Verbandsgemeinde selbst. Deren Anteil an der gesamten Energiebilanz sei zwar – verglichen damit, was private Haushalte, Verkehr, Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistung verbrauchen – sehr gering. „Aber die Kommune hat Vorbildfunktion“, sagt Victoria Singler und erzählt von ihren Begehungen der Liegenschaften. Sie schaue nicht unbedingt nach, ob in der Kita ein Kühlschrank mit unnötig stromintensivem Eisfach in Betrieb ist. Stattdessen achte sie auf größere Zusammenhänge, schaue auf Verbrauchszahlen und stehe in engem Kontakt mit dem Personal vom Facility Management.
Solarparks geplant
In der Verbandsgemeinde soll zukünftig einiges passieren: In Kandel soll ein Solarpark entstehen, ein weiterer ist für Winden im Gespräch. In Minfeld gibt es bereits Windkraftanlagen. Sie sollen leistungsstärker gemacht werden. Wenn auch noch mehr private Haushalte Photovoltaik intensiver nutzen, um von Heizöl und Erdgas wegzukommen, würde das laut Singler die Verbandsgemeinde ebenfalls ihrem Ziel ein gutes Stück näher bringen. Allerdings könne keine Kommune den Haushalten das vorschreiben. Victoria Singler setzt deshalb auf Information und Beratung. „Für Kindergärten möchte ich ein Bildungsangebot entwickeln“, sagt sie. Klimaschutzbildung müsse schon früh beginnen, damit sich das Bewusstsein insgesamt ändert.
Die Emissionen seien auch beim Verkehrssektor enorm, insbesondere habe das Auto mit Benzin- und Dieselverbrauch nach wie vor einen hohen Anteil. Damit die Kandeler lernen, wie vorteilhaft das Fahrradfahren ist, wolle die Verbandsgemeinde dieses Jahr erstmals beim „Stadtradeln“ mitmachen. Im September könne man dabei in Kleingruppen via Internet seine gefahrenen Fahrradkilometer sammeln und errechnen lassen, wie viel CO2 vermieden wurde. „Wäre schön, wenn da viele mitmachen“, sagt Victoria Singler.
So richtig kämpferisch für den Klimaschutz hört sich die junge Frau bei ihren Schilderungen nicht an. Aber vielleicht kann Victoria Singler den Kandelern dennoch das neue Bewusstsein für den Klimaschutz nahe bringen. Wenn ihre Stelle ausläuft, gibt es zwar die Möglichkeit auf Anschlussförderung. Doch auch dann wird bis 2050 noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.