Kreis Germersheim Machtkampf zwischen Reitern und Voltigierern

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Der 160 Mitglieder starke Reit- und Fahrverein Schwegenheim muss mehrere Vorstandsämter neu besetzen: Gesucht werden ein Schriftführer und ein Rechner sowie Beisitzer. Nach einem internen Gespräch sollen die Posten bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung neu vergeben werden. Künftig wollen die Reiter im Vorstand besser vertreten sein. Im Vergleich zu den Voltigierern fühlen sie sich unterrepräsentiert und benachteiligt.

Bei der Hauptversammlung am Freitag bedauerte Vorsitzende Elke Vollmar die beruflich bedingten Rücktritte von Schriftführerin Johanna Patzelt und Rechnerin Nadja Vogel, die sich „voll und ganz für den Verein engagiert haben“. Laut Vollmar sind beide aber bereit, künftig als Beisitzerinnen tätig zu sein. Vollmar verlas einen Antrag von Katharina Steinbach – mit dem Ziel, den Vorstand um drei Beisitzer, „drei aktive Reiter“, zu erweitern. Künftig soll es also sechs Beisitzer geben, um ein Gleichgewicht zwischen Voltigierern und Reitern herzustellen: „Die momentane Situation lässt kein ausgeglichenes Handeln zu“, ist sich Steinbach sicher. Bevor die Mitglieder dem Antrag bei vier Gegenstimmen stattgaben, diskutierten sie teils hitzig: Vollmar betonte, dass sie nur mit drei weiteren Beisitzern einverstanden sei, wenn der Verein einen Schriftführer und einen Rechner finde. Angesichts des internen Machtkampfs zwischen Reitern und Voltigierern stellte sie klar: „Ich habe ein Ohr für beide Abteilungen und lasse mir nicht vorwerfen, dass ich nur die Voltigierer unterstütze.“ Falls es gewünscht sei, stelle sie „im Interesse des Vereins“ auch ihren Posten zur Verfügung. Sollte sie aber Vorsitzende bleiben, werde sie an den Trainingsstunden für die Voltigierer nichts ändern. Denn: „Das ist die Abteilung, die den Verein nach außen repräsentiert, in einem guten Licht erscheinen lässt.“ Und Vollmar schwärmte weiter, sprach von einem „Gänsehautgefühl“, wenn sie bei Turnieren dabei sei und höre, dass der Reit- und Fahrverein Schwegenheim wieder gewonnen habe. Jugendwartin Annette Meynerts hatte zuvor auf Erfolge hingewiesen: Wie berichtet, sicherten sich die jungen Damen der Ersten Voltigiermannschaft nicht nur den Pfalz-, Rheinland-Pfalz- und Süddeutschen Meistertitel, sondern standen auch bei den Deutschen Meisterschaften ganz oben auf dem Treppchen. Jacqueline Veth, Vollmars Stellvertreterin, stören die Spannungen im Verein. Sie wünscht sich, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Sie drohte aber auch mit Abwanderung der Voltigierer: „Wir müssen in diesem Verein nicht bleiben, wenn wir nicht gewünscht sind. Wir können auch in einem anderen Verein Fuß fassen, wo wir mehr finanzielle Unterstützung bekommen.“ Veth betonte jedoch: „Ich bin Schwegenheimerin mit Fleisch und Blut. Und es würde mir persönlich sehr leidtun, wenn das Voltigieren keinen Platz mehr hätte.“ Ex-Vorsitzender Matthias Zürker und Beisitzer Michael Mildau warben für Kompromisse – auch hinsichtlich des Hallenbelegungsplans im Winter. Vollmar bot den Reitern an, dass diese sich aktiv in den Verein einbringen. „Wir setzen uns zusammen und besprechen das. Wir sind so ein kleiner Verein. Das muss doch möglich sein.“ Die Vorsitzende erwartet von Vorstandsmitgliedern, denen sie „feste Arbeiten zuteilen“ will, dass sie sich aktiv einbringen, und sich auch um Sponsoren kümmern. Die würden nämlich immer weniger. 2016 nannte Vollmar „ein Jahr der Herausforderungen, der sportlichen Höchstleistungen und der finanziellen Tiefpunkte“. Beispiele: Für das Reit- und Springturnier habe der Verein viel Lob bekommen: „Aber was nützt uns das, wenn nicht genug Zuschauer kommen“, sagte Vollmar. Aufgrund gemachter Erfahrungen werde der Reit- und Fahrverein nicht mehr am Weihnachtsmarkt teilnehmen: „Wir dekorieren. Und die Gäste gehen zum Allgemeinen Sportverein. Das ist nicht in unserem Sinn“, blickte Vollmar enttäuscht zurück. Rechnerin Nadja Vogel vermeldete einen kleinen Gewinn. Kassenprüferin Martina Roos kritisierte das Umsatz-Gewinn-Verhältnis: „Trotz vier Veranstaltungen und keinerlei Investitionen gab es nur ein kleines Plus.“ EHRUNGEN Vorsitzenden Elke Vollmar ehrte Hugo Dambach (60 Jahre Mitglied), Andreas Volandt (40), Wolfgang Lind (60), Monika Rüdel (40) und Kurt Nied (60).

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