Kreis Germersheim „Mäntel und Jacken bitte in der Garderobe abgeben“
. „Wir bitten Sie, Ihre Mäntel und Jacken an der Garderobe abzugeben“ lautete der eindringlich und mehrfach wiederholte Appell vor der Auftaktveranstaltung zur neuen Theatersaison. Das hat, obwohl vorher schon in der RHEINPFALZ angekündigt, zu Verwunderung und vor allem für Ärger gesorgt. „Ich frier mer doch nit de Arsch ab“ – so der lautstarke Kommentar aus den hinteren Reihen. Auch das Ehepaar zwei Reihen vorher scheint auf Sinnsuche zu sein. Die Besucher diskutieren – auch das ist eine Möglichkeit, mit Neben- und Hintermännern (und Frauen) ins Gespräch zu kommen. Dürfen die das? Kann ich jetzt mein Abo zurückgeben, wenn ich mit dem Garderobenzwang nicht einverstanden bin? Das kostet doch Geld – auch wenn es nur wenige Euro sind. Das sei doch eine Änderung der „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, das hätte man doch vorher sagen müssen. Weniger ums Geld, als um die empfundene Bevormundung und übereifrige Regelung geht es. „Typisch Deutsch!“ Manche nehmen es mit Humor. „Und immer schön die Jacke abgeben“ wird gewitzelt, während die Angesprochene sich in ihre in die Halle „geschmuggelte“ Jacke kuschelt. Begründet wird die als skurril empfundene Maßnahme mit versicherungstechnischen Gründen. Worin besteht denn die Gefährdung? Bürgermeister Schaile hatte dies (die RHEINPFALZ berichtete am 5. Oktober) mit der durch Jacken und Mäntel im Theatersaal verbundenen Beeinträchtigung von „gehbehinderten Menschen mit Rollator oder Rollstuhl“ begründet. Nun – sicher wird dieser Personenkreis sich einen Platz am Rande der Besucherreihen suchen. Wie auch sollte man mit einem solchen Hilfsmittel durch die Stuhlreihen kommen? Auch andere Theaterbesucher hätten sich – laut Schaile – beschwert, sich an den vielen „Jacken und Mänteln in den Stuhlreihen vorbeiquetschen zu müssen“. Hier treffen die Interessen der einen mit denen der anderen, die frieren, die schnell nach Hause wollen, die ihre Wertsachen in den Jacken haben, aufeinander. Jene, die sich nicht „quetschen wollen“ könnten ja auch fünf Minuten früher ihren Platz einnehmen – wäre auch eine Idee. Vielleicht sollte hier eine Besucherbefragung durchgeführt und mehrheitlich entschieden werden? Viele Fragen bleiben: Was ist mit der Stolpergefahr, die von den Handtaschen (die ja dann größer sein müssen, weil der Manteltascheninhalt noch eingelagert werden muss) oder von übergroßen Füßen ausgeht? Was ist, wenn die Ursache für das „Vorbeiquetschen“ eine überdurchschnittliche Leibesfülle ist? Oder gar, wenn sich zwei üppig ausgestattete Menschen in den Stuhlreihen begegnen? Werden Theaterinteressenten möglicherweise künftig nach Bauchumfang und Schuhgröße gefragt, um die Platzzuweisung entsprechend zu steuern und solche Engpässe zu verhindern? Werden Normgrößen für erlaubtes Handgepäck festgelegt? Weitere wichtige Fragen drängen sich auf: Wer entscheidet, welche Kleidungsstücke abgabepflichtig sind und welche nicht? Werden die Besucher, die sich dann doch während der Vorstellung verschämt ihres Blazers entledigen, zur Verantwortung gezogen? Wird der Besucherraum überwacht, um Beweismaterial für die Regelverstöße zu sichern? Neue Spielregeln in der neuen Spielsaison? Die kann der Veranstalter und Hausherr sicher festlegen. Aber das hätte man als König (?) Kunde doch gerne vorher gewusst. Zum Glück war die Auftaktveranstaltung so gelungen, dass das Thema Jacken und Mäntel schnell vergessen war. Aber: Die nächste Veranstaltung ist schon bald. Spätestens dann sollten alle Fragen rund um die Garderobenpflicht beantwortet und vermeintliche versicherungsrechtliche Probleme gelöst sein.