Germersheim
Mädchen mit Kontrabass bereichert Musikwanderung mit Ohrwürmern
Los ging es am Sonntagmorgen am Kulturzentrum Hufeisen gut 15 Minuten später als geplant. Rund 100 Leute machten sich auf den Jakobsweg zur Alten Ziegelei in Sondernheim und wieder zurück. Zum Glück, denn so waren offenbar alle beim Start gegen 10.45 Uhr am „Hufeisen“ dabei. Das war nicht selbstverständlich, denn Baustellen erschweren derzeit den Zugang. Das eine oder andere Hinweisschild hätte manchem Teilnehmer, insbesondere von außerhalb, womöglich einige extra Meter und damit auch Zeit erspart.
Die fast 100 Wanderer haben sich vor dem Start in zwei Gruppen aufgeteilt. So war für die jeweiligen Gruppenführer wesentlich übersichtlicher. An der Spitze von Gruppe zwei ging Ulrike Leiner, die Leiterin des Kulturamtes der Stadtverwaltung. Die Nachhut bildeten Holger Böhm, Vorsitzender der Ortsgruppe Sondernheim des Pfälzerwald-Vereins (PWV), und seine Frau Anja, zugleich Pressewartin und Schriftführerin.
Festung ist ein Star
Auf dem Weg zum Rhein hat Leiner die eine oder andere Sehenswürdigkeit der Stadt erklärt. Dazu zählen Festungsgebäude und das Zeughaus, in dem das Deutsche Straßenmuseum untergebracht ist. „Die Stadtmauer hatte die Form eines Sterns“, sagte Ulrike Leiner dort, wo die Schlossstraße in die Zeughausstraße mündet und noch ein Teil der Befestigung erhalten ist. Was jeder Germersheimer wissen dürfte, war eine interessante Information für die Teilnehmer, die aus der Vorderpfalz oder aus dem Badischen zu der Veranstaltung gekommen sind.
Rosemarie Stamm ist aus Römerberg in die Festungsstadt gefahren. „Mich interessieren die Veranstaltungen beim Kultursommer und ich wandere gerne, zum Beispiel an der Weinstraße oder im Pfälzerwald“, sagte sie gegenüber der RHEINPFALZ. Bei der musikalischen Wanderung könne sie nun beiden Interessen gleichermaßen nachkommen. „Das Wetter ist genau richtig, nicht zu heiß und nicht zu kalt – und vor allem trocken“, fügte Stamm hinzu.
Einer anderen Teilnehmerin, einer Badenerin, die ihren Namen nicht nannte, ging es vor allem ums gemeinschaftliche Wandern. „Ich schaue immer in der App ,Meet5’ nach, wo es Wanderungen in meiner Nähe gibt. So habe ich diese Veranstaltung entdeckt“, teilte die Frau mittleren Alters mit, die am Vortag in einem Wald bei Baden-Baden unterwegs gewesen sei.
Umweg wegen Hochwasser
Für den Germersheimer Fritz Hog sind die Stadt und auch die Wanderstrecke zur Alten Ziegelei in Sondernheim vertrautes Terrain. „Ich gehe mindestens zweimal die Woche am Rhein entlang bis nach Sondernheim und wieder zurück nach Germersheim“, sagte der Rentner. Für ihn war es deshalb nicht überraschend, dass die Wanderer den Uferweg des Rheins nach mehreren Hundert Metern verlassen mussten, weil der Weg im weiteren Verlauf stellenweise noch unter Wasser stand oder mit Schlamm bedeckt war. Diesen Umstand, der die Strecke nur ein wenig verlängerte, hatten freilich auch die Wanderführer auf der Rechnung.
Gegen 12.15 Uhr erreichten die beiden Gruppen die Alte Ziegelei. Im Innenhof wartete schon das Duo „Das Mädchen mit dem Kontrabass“ aus dem hessischen Lorsch auf die Wanderer. Sängerin Mimi Grimm am Kontrabass und Steffen Zäuner an der Akustikgitarre bescherten bei ihrer Kultursommer-Premiere ihren Zuhörern zahlreiche Ohrwürmer wie „Stand by Me“, „Que Sera, Sera“ und „What a Wonderful World“. Die beiden harmonierten wunderbar zusammen. Mimi Grimm beeindruckte mit ihrer recht tiefen, aber gefühlvollen Stimme und ihrer kreativen Interpretation von „My Way“. Steffen Zäuner überzeugte jederzeit mit seinem virtuosen Spiel.
Nach gut einer Stunde ging es zurück nach Germersheim; diesmal jedoch nicht am Rhein entlang, sondern zwischen Äckern und Wiesen hindurch, am Nolte-Werk und dem Spielplatz am Sollachsee vorbei bis zum „Hufeisen“. Im Innenhof des Kulturzentrums spielte die SRH-Bigband aus Heidelberg zum Abschluss der musikalischen Wanderung Swing- und Jazz-Nummern, die die zunächst müden Wanderer allmählich wiederbelebten. Im „Hufeisen“ gab es auch Getränke und Snacks zur Stärkung. Typisch für den Kultursommer: Statt musikalische Hausmannskost servierten auch die Heidelberger originelle Interpretationen bekannter Stücke, zum Beispiel eine Swing-Version des Klassikers „Ein Jäger aus Kurpfalz“.
