Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Luftwaffe: Kommandeur Zerau verlässt Bataillon im Umbruch (mit Bildergalerie)

Zwei Wochen vor seinem Abschied als Kommandeur hatte Oberstleutnant Christian Zerau noch keine Zeit zum Packen.
Zwei Wochen vor seinem Abschied als Kommandeur hatte Oberstleutnant Christian Zerau noch keine Zeit zum Packen.

Oberstleutnant Christian Zerau tut sich mit seinem frühzeitigen Abschied vom Luftwaffenausbildungsbataillon schwer. Zu viele Baustellen und laufende Projekte.

Mitte Mai schnupperte Oberstleutnant Christian Zerau bei einer Einführungsveranstaltung mehrere Tage Kölner Luft. Denn dorthin, genauer ins Kommando Luftwaffe, wird der Kommandeur des in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim stationierten Luftwaffenausbildungsbataillons (LwAB) versetzt. Zuvor wird er am 9. Juni bei einem feierlichen Appell im Stadtpark Fronte Lamotte das Kommando an Oberstleutnant Frank Wirths abgeben, der vom Luftwaffentruppenkommando in Köln kommt.

Oktober 2024: Christoph Kück (li.) übergibt Christian Zerau (vorne) das Kommando. Sein Nachfolger wird Frank Wirths.
Oktober 2024: Christoph Kück (li.) übergibt Christian Zerau (vorne) das Kommando. Sein Nachfolger wird Frank Wirths.
März 2025: Zerau (re.) beim Gelöbnis mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer (Mitte) im Lamotte-Park.
März 2025: Zerau (re.) beim Gelöbnis mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer (Mitte) im Lamotte-Park.
Juli 2025: Kommandeur Zerau (re.) empfängt (v.l.) Verteidigungsminister Pistorius und den Generalinspekteur der Bundeswehr, Gen
Juli 2025: Kommandeur Zerau (re.) empfängt (v.l.) Verteidigungsminister Pistorius und den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Breuer.
Juli 2025: Die 7. Kompanie am Standort Roth erhält das Fahnenband von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Juli 2025: Die 7. Kompanie am Standort Roth erhält das Fahnenband von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Dezember 2025: Gelöbnis mit dem stellvertretenden Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Lutz Kohlhaus (re. vorn).
Dezember 2025: Gelöbnis mit dem stellvertretenden Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Lutz Kohlhaus (re. vorn).

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Während seiner Zeit in Germersheim begrüßte Zerau einige hochkarätige Besucher: Angefangen von Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, über Ministerpräsident Alexander Schweitzer bis hin zum stellvertretenden Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Lutz Kohlhaus. Alle machten dem bis dato einzigen LwAB ihre Aufwartung.

Geben und nehmen

Bald wird die Einheit dieses Alleinstellungsmerkmal verlieren. Denn zum 1. Oktober soll das 2. LwAB mit Sitz in Fürstenfeldbruck in Dienst gestellt werden, das schrittweise auf ebenfalls sieben Kompanien aufwachsen soll, berichtet Zerau. „Es ist eine große Aufgabe, dafür Personal zu finden.“ In diesem Prozess wird das dann 1. LwAB in Germersheim seine zwei Kompanien am Standort Roth ans 2. LwAB abgeben, das einen weiteren Standort in Untermeitlingen, ebenfalls in Bayern, haben wird. Dafür erhalte Germersheim, das zwecks Aufbauhilfe einige erfahrene Stammsoldaten abgeben müsse, Anfang Dezember eine Kompanie in Faßberg hinzu. Bis eine zweite Kompanie im ebenfalls niedersächsischen Diepholz hinzukommt, werde es aber noch einige Jahre dauern.

Zerau betont indes, dass es weiterhin dem 1. LwAB vorbehalten sein wird, Soldaten für den Auslandseinsatz auszubilden. Waren die Einsatzorte vor Jahren noch zum Beispiel Afghanistan und Mali, so sei es seit Jahren Jordanien. Durch den Krieg im Nahen Osten zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite sowie den Auswirkungen auf die Nachbarländer, habe sich die Sicherheitslage für die Kameraden dort verschärft.

Grundi wird Heimatschutzausbildung

Darüber hinaus soll bis 1. Oktober die Grundausbildung bei Luftwaffe, Heer und Marine vereinheitlicht werden. Die Vorbereitungen laufen schon seit einiger Zeit. Ob die sich bietenden Möglichkeiten genutzt und auch Heeres- und Marinesoldaten bei der Luftwaffe ausgebildet werden und umgekehrt – Ziel ist eine geringere Entfernung vom Heimatort der Rekruten in den ersten Monaten – liegt laut Zerau im Ermessen der Bundeswehr-Karrierecenter. Denn zu den inhaltlichen Unterschieden bei der Ausbildung komme ein struktureller hinzu: Die Luftwaffe bilde zentral in einem Ausbildungsbataillon aus, bevor die Soldaten zu ihrer Stammeinheit wechseln. Beim Heer erfolge die Grundausbildung, die zukünftig „Heimatschutzausbildung Streitkräfte“ heißen soll, in einer speziellen Kompanie des jeweiligen Stammbataillons. So sollen laut Zerau in wenigen Monaten die ersten drei Monate in irgendeiner Ausbildungseinheit der Bundeswehr verbracht werden können, während der vierte Monat bei der Teilstreitkraft erfolgen soll, der der Rekrut zugeordnet wurde.

Vier-Bett-Zimmer in Sicht

„Die Übergabe kommt eigentlich zur Unzeit. Ich habe mir mit der Entscheidung nicht leichtgetan“, sagt der scheidende Kommandeur. Denn angesichts der von ihm beschriebenen Herausforderungen „ist der Wechsel in der Phase schwierig“. Dabei verweist er auch auf die im Bau befindlichen zwei neuen Unterkunftsgebäude. Weitere Neubauten stünden an, wenn Bestandsgebäude, die sich nicht sanieren lassen, abgerissen sind. Auf dem Gebiet sei ein Durchbruch gelungen. So sei der Baufortschritt deutlich flotter als zuvor, nachdem die Entscheidung gefallen sei, auf Generalunternehmer zurückzugreifen. Ferner sieht Zerau nach Prüfungen der zuständigen Fachstelle „eine große Chance“, dass die geplanten Gebäude Vier-Bett-Zimmer haben werden, um der zunehmenden Anzahl Soldaten gerecht zu werden. Ein Ergebnis der Neuausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa. Stichwort: Ukraine-Krieg. Zuvor hatte man aufgrund des geringeren Personalbedarfs die alten Unterkunftsgebäude mit Mehrbettzimmern durch neue mit Einzelzimmern ersetzt.

Rückläufige Rekrutenzahlen

Die personelle Aufstockung der Bundeswehr ist laut Zerau im ersten Halbjahr dieses Jahres etwas ins Stocken geraten. Das sei zunächst aber auch insofern nicht ungewöhnlich, weil die meisten jungen Leute erst nach Ende des Schuljahres beziehungsweise der Schullaufbahn entscheiden, wie es weitergehen soll. Experten zufolge, so Zerau, wird auch deshalb ins zweite Halbjahr die Nagelprobe fallen, ob die Ausweitung der Bundeswehr gerechtfertigt war beziehungsweise ob man mit dem freiwilligen Wehrdienst ans Ziel kommt. Die Kapazitäten in Germersheim seien zwar ebenfalls ausgebaut worden, aber im ersten Halbjahr seien nur 35 Prozent davon benötigt worden. Die Abbrecherquote liegt hier laut Zerau seit Jahren auf einem konstant sehr niedrigen Niveau. Erschwerend hinzu komme dieses Jahr, dass in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) ein Abiturjahrgang entfalle. Die Gymnasiasten könnten noch nicht einrücken, weil sie bis zum Abitur ein Jahr länger die Schulbank drücken müssten. Hintergrund sei, dass NRW vor Jahren von G8 wieder auf G9 umgestellt habe.

Um die Soldaten schnellstmöglich gut einkleiden und ausrüsten zu können, was anfangs holprig gelaufen sei, habe man aufs Tempo gedrückt, sagt Zerau. „Diese Prozesse laufen jetzt besser, aber es gibt immer noch Optimierungsbedarf.“

Kameraden machen Leben leicht

Doch nicht nur angesichts der vielen „Baustellen“ fällt Zerau der Abschied von Germersheim bereits nach eineinhalb Jahren – üblich sind zwei – schwer. Denn hier habe auch er seine Grundausbildung absolviert. „Es war eine absolute Wunschverwendung. Hierher als Kommandeur zurückzukehren, das war eine große Ehre.“ Er habe hier eine tolle Truppe vorgefunden, viele Freundschaften geschlossen und von den guten Kontakten der Einheit zu Behörden, Politik und Gesellschaft profitiert. Das habe geholfen, schwierige Aufgaben zu meistern. Anspruchsvoll gewesen sei teilweise die räumliche Trennung vom Standort Roth. „Ich wäre gern öfter dort gewesen. Es hat trotzdem gut funktioniert mit den Kameraden dort, die mir das Leben leicht gemacht haben.“

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