Germersheim Luftwaffe: Ausbildungsbataillon hat neuen Kommandeur

Mit klingendem Spiel wurde Christoph Kück (li. vorne) als Kommandeur verabschiedet und Christian Zerau (re. vorne) als neuer beg
Mit klingendem Spiel wurde Christoph Kück (li. vorne) als Kommandeur verabschiedet und Christian Zerau (re. vorne) als neuer begrüßt.

Nach 1011 Tagen gab Oberstleutnant Christoph Kück sein Kommando über das Luftwaffenausbildungsbataillon ab. Bei einer Feier im Stadtpark wurde es Oberstleutnant Christian Zerau übertragen.

„Ihr seid mega. Danke! Ich melde mich ab.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der nun ehemalige Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, Oberstleutnant Christoph Kück, von seinen Kameraden und zahlreichen Ehrengästen, die am Dienstag zur feierlichen Kommandoübergabe nach Germersheim gekommen waren, sowie von der Region und ihren Bewohnern. Er freue sich, dass der Übergabeappell bei strahlendem Sonnenschein im Stadtpark Fronte Lamotte stattfinden konnte. Ganz anders als bei seinem Dienstantritt, der pandemiebedingt unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Sportplatz der Südpfalz-Kaserne habe stattfinden müssen.

Kück sagte, dass der Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 zu einer Zeitenwende geführt hat. Damit verbunden seien Veränderungen bei der allgemeinen militärischen Ausbildung über Teilstreitkräftegrenzen hinaus. Bei der Ausbildung von ukrainischen Soldaten, die seine Einheit auch leiste, habe er gelernt, was sich hinter Begriffen wie „Kriegstauglichkeit“ verbirgt. Vor dem Hintergrund müssten Ausbildungsinhalte auf den Prüfstand gestellt, gegebenenfalls verändert, Überkommenes weggelassen werden.

Kritik an Infrastruktur

Kritik übte der scheidende Kommandeur an der „verbesserungswürdigen Infrastruktur“ der Südpfalz-Kaserne. Damit spielte er auf die jahrelangen Verzögerungen bei der Sanierung der Gebäude an, die teilweise renoviert oder abgerissen und neu gebaut werden sollen sowie auf ein seit Jahren eigentlich fertiges neues Sanitätsgebäude, das auf seine offizielle Übergabe wartet. Dank zollte Kück („Ich bin mit ganzem Herzen Kommandeur gewesen.“) seinen Kameraden, „die mir 1011 Tage zur Seite standen“.

Während des Übergabeappells für Christoph Kück (re.) und Christian Zerau donnerten zwei Düsenjets über den Stadtpark.
Während des Übergabeappells für Christoph Kück (re.) und Christian Zerau donnerten zwei Düsenjets über den Stadtpark.

Zwei im Tiefflug über den Stadtpark der Festungsstadt hinweg donnernde Düsenjets unterbrachen seine Ansprache. „Ich bin hinter der Zeit. Ich werde jetzt Gas geben.“ Daran hätten ihn seine fliegenden Kameraden erinnert, setzte er wenig später launig seine Rede fort. Beim anschließenden Empfang im Bürgerhaus verabschiedete sich Kück noch persönlich von Weggefährten. Künftig wird er im Nato-Hauptquartier Aircom in Ramstein tätig sein.

Oberst Arnt Kuebart (Mitte) übertrug das Kommando über das Bataillon von Christoph Kück (re.) auf Christian Zerau.
Oberst Arnt Kuebart (Mitte) übertrug das Kommando über das Bataillon von Christoph Kück (re.) auf Christian Zerau.

Oberst Arnt Kuebart, Kommandeur bodengebundene Verbände Luftwaffentruppenkommando, oblag es, Kück von seinem Kommando zu entbinden und es Oberstleutnant Christian Zerau zu übertragen. Russlands „Angriffskrieg fordert die freie Welt heraus“, sagte der Oberst. Dass sich der Fokus wieder auf die Landes- und Bündnisverteidigung richte, „ist neue Realität“. Diese erfordere gut ausgebildete Soldaten, wobei dem Luftwaffenausbildungsbataillon eine besondere Bedeutung zukomme. Der wichtigen allgemein-militärischen Ausbildung habe sich Kück „mit viel Enthusiasmus und Herzblut“ angenommen. Er habe versucht, „Lösungen und Wege zu finden, nicht nur Probleme zu beschreiben. Ein Macher mit Herz.“

Ausbildungstätigkeit ausweiten

An Zerau gewandt sagte Kuebart, dass er vor der schönsten Verwendung seiner Dienstzeit stehe. Er prophezeite dem neuen Kommandeur eine „spannende Zeit, in der eine Zuspitzung der Ereignisse zu erwarten ist“. Es werde sein Geschick gefragt sein, mögliche neue Aufgaben zu lösen. Zudem sei eine Ausweitung der Ausbildungstätigkeit zu erwarten.

Zerau, der zuvor beim Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr in Köln tätig war, sagte, dass sich bei ihm, der in der Südpfalz-Kaserne seine Grundausbildung absolvierte habe, mit der Übernahme des Kommandos nun ein Kreis schließt. „Sein“ Verband sei nicht nur im Hinblick auf seine Aufgaben innerhalb der Luftwaffe einzigartig, sondern auch was die Verwurzelung in der Region und ihrer Bevölkerung anbetrifft. Er habe sich in den vergangenen Tagen bereits einen ersten Eindruck von der Leistungsfähigkeit des Verbandes mit Einheiten in Germersheim und Roth machen können. Sein Fazit: Die Infrastruktur wird eine Herausforderung darstellen, die sich jedoch gemeinsam im Team bewältigen lässt.

Dienstzeit in Zahlen

Musikalisch begleitet wurde der Übergabeappell vom Heeresmusikkorps aus Koblenz. Der Moderator, Hauptmann Stefan Thiel, ließ Kücks Dienstzeit in der Festungsstadt anhand einiger Zahlen Revue passieren: 24.264 Stunden Kommandeur, 16 hochrangige Besuche von Politikern und Militärs, Ausbildung von 4225 Rekruten, 8535 Trainingsteilnehmer an einsatzvorbereitender Ausbildung, Ausbildung von 460 ukrainischen Soldaten, 75 Chefbesprechungen, 447 Befehle unterzeichnen, zahlreiche öffentliche Gelöbnisse, mehrere sonstige Veranstaltungen und zwei Präsenzen auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin.

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