Kreis Germersheim Lkw-Werk macht zwei Tage dicht
Anfang der Woche fanden Betriebsversammlungen in den Daimler-Standorten Wörth und Germersheim statt. Dort steckte der Betriebsrat seine Positionen für die Verhandlungen über das „Make or Buy“-Programm ab. Mit diesem Programm zur Zukunftssicherung will der Konzern 850 Stellen abbauen.
Trotz des neuen Modells laufen offenbar beim Lastwagenwerk nicht so viele Bestellungen ein wie geplant. Am Montag, 20., und Dienstag, 21. Oktober, sollen jedenfalls die Bänder still stehen. Betriebsratsvorsitzender Ulli Edelmann bestätigte entsprechende Informationen der RHEINFPALZ. Er versuchte, der Betriebsruhe eine gute Seite abzugewinnen: „Die beiden Tage fallen in die Herbstferien. Da können die Leute mal was mit ihren Familien unternehmen.“ Etwas Abstand tut vielen Daimler-Mitarbeitern wahrscheinlich gut. Das Programm „Make or Buy“ sorgt weiter für Unruhe. Es soll der Zukunftssicherung dienen. Das Ziel ist aber, 850 Arbeitsplätze abzubauen. Bei den Betriebsversammlungen am Montag (Lkw-Werk Wörth) und Dienstag (GLC Germersheim) war die Zukunftssicherung zentrales Thema, bestätigte Edelmann. Im Prinzip geht es darum, im Werk Flächen für eine Ausweitung der Produktion frei zu machen. Durch das Nebeneinander von alten und neuen Modellen sei zudem die Fertigung sehr komplex. Nun werde nach Möglichkeiten gesucht, Platz zu schaffen. Die Frage sei dabei: Was soll im Werk selbst gemacht werden, was soll man zukaufen? Die Belegschaft soll also einmal wieder ihren Beitrag leisten. Für Edelmann ein Anlass für grundsätzliche Überlegungen: „Müssen die Arbeiter dafür bezahlen, dass sie eine Zukunft haben?“ Er findet: Die Zukunftsgestaltung sollte vom Unternehmen kommen. Was der Betriebsrat auf jeden Fall ablehnt: Dass auf den Flächen, die im Werk frei gemacht werden, dann Mitarbeiter anderer Betriebe arbeiten – die wahrscheinlich schlechter bezahlt werden. „Das ist für uns Tarifflucht“, sagt Edelmann. Für Fremdfirmen gebe es den Industriepark. Außerdem sagt Edelmann: „Wir stehen auf dem Standpunkt, zu einem Montagewerk gehört auch die Vormontage.“ So könnten auch Arbeitsplätze erhalten werden, die für ältere Mitarbeiter geeignet sind, die direkt in der Produktion nicht mehr mitkommen. Für ein Werk mit einer älter werdenden Belegschaft sei dies ein wichtiger Aspekt. Zudem müssten bestehende Verträge und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden. Die wurden oft zur Beschäftigungssicherung abgeschlossen, die Mitarbeiter haben dafür Opfer gebracht. Die Verhandlungen sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Zum derzeitigen Stand sagt Edelmann, die Werkleitung gehe davon aus, die vorgegebenen 850 Arbeitsplätze abbauen zu können, für alle gebe es Angebote von Dritten. Der Betriebsrat wolle jede Stelle prüfen und strebe eine langfristige Vereinbarung an. Wie das ausgehen kann, zeigt das Mercedes-Benz Achsenwerk in Kassel zeigt: Dort war anfangs vom Abbau 800 Arbeitsplätzen die Rede, Mitte Juni waren es noch 547. Jetzt wurde vereinbart, dass bis 2021 300 Arbeitsplätze wegfallen – vor allem durch Fluktuation und Altersteilzeit.