VG Lingenfeld
Lingenfelds „Innenminister“ Klaus Krebs geht in Ruhestand
Der 64-jährige Verwaltungsrat, der mit Fug und Recht als das Urgestein der Verwaltung bezeichnet werden darf, hat am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. „Der erste Bürgermeister, Herbert Haaff, kommt aus Westheim und mein letzter, Frank Leibeck, ebenfalls“, schließt sich für Krebs ein Kreis.
Krebs, der aus Lustadt kommt, hatte nach der Handelsschule im Juli 1973 seine Ausbildung bei der einem Jahr zuvor gegründeten Verbandsgemeinde begonnen. Damals waren dort 28 Mitarbeiter tätig, und im Lingenfelder Rathaus gab es noch Dienstwohnungen. Heute gehören allein dem Fachbereich, den Krebs leitete, 20 Leute an. Nach erfolgreicher Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst 1980 war er im Personalbereich eingesetzt. „Ich war wahrscheinlich der einzige Personalsachbearbeiter im Kreis Germersheim, vielleicht sogar in Rheinland-Pfalz, der seinem Bürgermeister sein Kündigungsschreiben überreicht hat“, erinnert er sich mit einem Lächeln an die Abwahl von Bruno Ulrich 1981. Im Jahr 1989 wurde Krebs Leiter des Ordnungsamtes und übernahm den Job, den er im Grundsatz heute noch ausfüllt – wenn auch inzwischen um etliche Themengebiete erweitert.
Krebs’ Gefühlslage ist gemischt. Einerseits lobt er das tolle Arbeitsklima, die tollen Kollegen, die tolle Kameradschaft, die positive Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Polizei, den Schnakenbekämpfern der Kabs und vielen anderen. „Aber letztendlich freue ich mich auf den Ruhestand“, sagt er. 40 Jahre Schriftführer im Verbandsgemeinderat, 30 Jahre Führungsverantwortung mit unzähligen Mitarbeitergesprächen, der tägliche Ärger in einem sehr konfliktbeladenen Aufgabengebiet – es reicht jetzt.
Ohne Computer ging’s auch
„Ich konnte mich nie nur privat bewegen. Weil ich viele Leute kenne, insbesondere in Lustadt fest verwurzelt bin, wurde ich immer gefragt“, erzählt Krebs. Jetzt will der verheiratete Vater von zwei Töchtern und doppelte Großvater, der auch schon mal als „Innenminister der Verbandsgemeinde“ bezeichnet wurde, nur noch Privatmann sein. Allerdings könnten einige Vereine fortan mit seinem verstärkten Engagement rechnen.
Ein-, zweimal habe er darüber nachgedacht zu wechseln, hatte Bewerbungen geschrieben, im Nachhinein sein Bleiben aber nie bereut. Ob die komplette Umstellung auf elektronische Datenverarbeitung alles verbessert hat, darauf will er sich nicht festlegen. 1974 habe man die Grundsteuerbescheide noch mit der Hand und durchdruckendem Kohlepapier geschrieben. „Die sind genauso pünktlich rausgegangen wie heute“, sagt er. In besonderer Erinnerung geblieben ist ihm die Unterbringung der Flüchtlinge des Balkankrieges Anfang der 90er-Jahre. Heute sei die Unterbringung von Personen fast schon das tägliche Brot.
Der Brand des Reifenlagers in Lingenfeld 2013 und die umstrittene Umleitung über den Hirschgraben zwischen Lingenfeld und Westheim während einer Baumaßnahme in der Neustadter Straße in Lingenfeld 2014 waren belastende Erfahrungen. Krebs: „Konflikte kann man nur zusammen lösen. Es war nicht immer angenehm, in der Zeitung zu stehen.“
Langeweile wird bei dem begeisterten Radfahrer und Wanderer nicht aufkommen. Zusammen mit seinem besten Freund Uwe Wagner, mit dem er gemeinsam 1973 in Lingenfeld begonnen hatte, hat er schon weite Teile Deutschlands erkundet. Als nächstes steht Ostfriesland auf dem Plan. Wagner, ebenfalls ein Westheimer, war als Fachbereichsleiter zuletzt bei der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen tätig und befindet sich seit Anfang Januar im Ruhestand. Hier schließt sich für Krebs der zweite Kreis.
„Ich konnte mit allen Bürgermeistern, auch wenn das sehr unterschiedliche Typen waren. Ich habe mich stets eingebracht und immer auf ein gutes Betriebsklima geachtet“, sagt er. Umso mehr bedauert er, dass seine geplante Abschiedsfeier aufgrund der Corona-Krise ausfallen muss. „Ich kann mich so leider nicht angemessen von den Kolleginnen und Kollegen verabschieden.“