WÖRTH
Lesesommer startet am Montag
Viele „Lesemonster“ werden demnächst durch die Ferien „geistern“, gemäß dem Motto des landesweiten Lesesommers, der am 5. Juli in Wörth feierlich eröffnet wird. Lesen geht immer, erst recht, wenn vieles andere wegen Corona schwierig ist. Das ist die aufmunternde Bilanz der Büchereien der Region. Zwar sind deren Besucherzahlen gesunken, aber viele Bibliotheken hatten während der Schließungen „mit einfallsreichen Kundendiensten“ ihre Leser mit Medien versorgt. So hatten Ulf und Silke Weber mit vielen ehrenamtlichen Helfern in der Leimersheimer Katholischen öffentlichen Bücherei einen Heim-Lieferservice. Die Leser bestellten gezielt im Online-Katalog oder lesen inzwischen E-Books über die Online-Ausleihe. In der Stadtbücherei Kandel waren die „Onleihen“ teilweise auf 1700 Ausleihen/Monat gestiegen.
„Je schlechter die Zeiten, umso blutiger die Krimis“
Die Buchwünsche der Kunden wurden ebenso wie in der Gemeindebücherei Jockgrim kontaktlos zur Abholung bereitgelegt. Bei telefonischen Bestellungen genügte oft die Eingrenzung „Liebesgeschichte, Familiensaga oder Kriminalroman“, berichtet Jockgrims Leiterin Dagmar Brislinger, um augenzwinkernd zur ergänzen, „Krimis gehen immer, je schlechter die Zeiten umso blutiger“. Vermisst habe sie ihre netten Leser, doch immerhin werden jetzt die Zeiten für Begegnungen in den Büchereien wieder besser, und der „Lesesommer“ wird zur nächsten organisatorischen Herausforderung, denn voraussichtlich viele Familien werden die Ferien zuhause verbringen. „Fantasiereisen mit Büchern sind angesagt“. Letztes Jahr hatten in Jockgrim über 70 Kinder eifrig neue Bücher gelesen und danach einen „Buchcheck“, oft mit bunten Zeichnungen zurückgebracht. „Wir hatten damit eine tolle Bilderwand gestaltet und die Kinder mit einer großen Verlosung belohnt“, berichtet die Büchereileiterin.
Zeit genutzt zur Fortbildung und Umorganisation
Auch in der Stadtbücherei Wörth warten bereits viele interessante Medien auf „gierige Lesemonster“, freuen sich Büchereileiterin Helga Hanik und ihr Team, die letztes Jahr 240 Kinder betreuten. Der Leserservice der letzten Monate funktionierte über eine „Schleuse“, und das Team nutzte die stille Pandemiezeit zur Umorganisation und Fortbildung. Zur Zweigstelle in Maximiliansau soll bis Herbst bei der Dammschule eine weitere Zweigstelle eröffnet werden, neue Möbel wurden angeschafft, mit Schulbibliotheken wurden Kooperationen intensiviert, nur so seien „alle“ Kinder zu erreichen, auch jene, die ansonsten keine Bücherei aufsuchen würden. Angeschafft wurden in Wörth eine digitale Tafel und Tablets für Besucher. Der Einsatz erlaubt fantasievolle Spiele, vor allem aber die Vermittlung von Medienkompetenz.
Schulklassen werden mit den vielfältigen Möglichkeiten, aber auch Gefahren neuer Medien vertraut gemacht. Tipps zu zielführender Recherche einschließlich Urheberrecht gibt es ebenso wie Infos zum Erkennen manipulierter, vorgetäuschter Nachrichten, also Fake News, die vorwiegend im Internet und Sozialen Netzwerken kursieren. Ein nächster Workshop zur Filmproduktion mit Lego-Stop-Motion ist für eine 5. Klasse geplant. Und Ziel ist die Entwicklung und das Testen weiterer medienpädagogischer Module, um sie anschließend Schulen anzubieten.
Kleinere Büchereien planen Lesenachmittage
Damit ist die Stadtbücherei Wörth auf dem Weg in die Zukunft, in der sich Bibliotheken als „Dritte Orte“, als Zentren zum Lernen und zur Inspiration, zu sozialer, kultureller und digitaler Teilhabe und Begegnungen weiterentwickeln werden. Auf viele Begegnungen und gegenseitigen Austausch freuen sich alle Büchereiteams ganz besonders. Einige gesellige Veranstaltungen, wie Lesenachmittage oder Kulturabende werden folgen. Hier sind auch die kleineren Büchereien wie die Stadtbücherei Hagenbach oder die KÖB Leimersheim am Planen, die den großen personellen und zeitlichen Aufwand des Lesesommers allerdings nicht stemmen können.
Info zum Lesesommer:
Seit 14 Jahren gibt es für Kinder von sechs bis 16 Jahren den Lesesommer des Landesbibliothekszentrums (LBZ) über die örtlichen Büchereien. Nach Anmeldung in der Bücherei können die Kinder viele neue Lesesommer-Bücher, sowie Bücher aus dem Bestand lesen. Anstelle eines Interviews werden sie pandemiebedingt ihre Einschätzung zum Buch nicht in einem Interview, sondern in einem Buchcheck abgeben. Für alle Teilnehmer winken in der Verlosung tolle Preise, von einem Zweitage-Aufenthalt in einem Freizeitpark über ein Stand-up-Paddel bis zu Buchgutscheinen. Bei der Eröffnung am 5. Juli in Wörth begrüßt Gastgeber Bürgermeister Dennis Nitsche begrüßt Katharina Binz, Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration, sowie dem Künstler Michael Hain. Ende des Lesesommers ist am 4. September. Weitere Info