Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:

91-84399171.jpg

Offenbar legt es die Bahn darauf an, Kunden zu verprellen, um das Zugangebot weiter reduzieren und Personal einsparen zu können. Anders ist der Vorfall vom 25. Mai, 6.45 Uhr, nicht zu erklären: Nachdem die S-Bahn aus Karlsruhe wie gewöhnlich vor einem Signal auf die Einfahrt in den Bahnhof Germersheim warten musste, erreichten wir den Bahnhof mit fünf Minuten Verspätung. Die angesprochene Regionalbahn stand noch am Bahnsteig. Als wir den Marsch durch den Verbindungstunnel in Germersheim hinter uns hatten und den Bahnsteig der Regionalbahn erreichten, wurden vor unseren Augen die Türen geschlossen und der Zug fuhr weg. Schätzungsweise 30 weitere Umsteigegäste waren fassungslos ob dieser Unverschämtheit. Hier wird der Service mit den Füßen getreten. Da die durchgehende Verbindung von Wörth nach Ludwigshafen seit Fahrplanwechsel durch die Umsteige-Verbindung deutlich verschlechtert wurde, ist es das mindeste, diese auch bei Verspätung der Stadtbahn zu gewährleisten. Ich nehme schon die dreifache Fahrzeit gegenüber Pkw in Kauf (60 statt 20 Minuten) und solche Vorfälle legen jedem Betroffenen nahe, dass der ÖPNV in unserer Region keine Alternative ist. Das dem Kreis Germersheim vorgegebene Ziel einer flächendeckenden Versorgung mit schnellen Internetverbindungen dürfte bei dem bis Ende 2019 laufenden Breitband-Projekt auch in der Verbandsgemeinde Kandel umsetzbar sein, zumal die Europäische Union und die Bundesregierung ehrgeizige Ziele wie Industrie 4.0 ebenfalls weit oben auf ihrer Agenda stehen haben. Zweifel in Bezug auf Schnelligkeit und eine rasche Umsetzung sind vor Ort in Kandel deshalb eher bei ganz alltäglichen Vorhaben angebracht, bei denen der Wunsch „Kandel will überall schnell sein“ (vgl. RHEINPFALZ vom 2. Mai) so ganz und gar nicht passen will. Ein Beispiel hierfür ist, wie lange es in der Stadt Kandel braucht, bis defekte Uhren am Rathaus und Bahnhof auf beiden Zifferblättern endlich wieder die richtige Zeit anzeigen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bahnhofsuhr wochenlang auf 12 Uhr stehen geblieben war. Jetzt verkünden schon wieder beide Zifferblätter eine abweichende Zeit. Erst ein Blick auf die genau gehende Uhr am Bahngleis schafft die nötige Klarheit über die richtige Zeit. Bei der Rathaus-Uhr fehlt auf einer Seite schon seit längerem ein Zifferblatt. Deshalb muss man schon auf der richtigen Seite vor der Uhr stehen, um überhaupt eine Uhrzeit erkennen zu können. Ich meine, dass es sich auch bei so kleinen Dingen wie korrekt gehenden öffentlichen Uhren zeigen müsste, wie ernst Kandel es mit dem Anspruch nimmt, „überall schnell sein“ zu wollen. Zumindest trifft diese Wahrnehmung im öffentlichen Raum nicht immer zu, wofür der desolate Zustand des Grundstücks an Kandels Hauptkreuzung ein deutlich mahnendes Beispiel ist. Hier sollten dem beim Neujahrsempfang schon wiederholt gegebenen Versprechen „so langsam“ auch einmal Taten folgen, damit eine dem schönen Kandeler Stadtbild gerecht werdende Lösung sichtbar wird.

x